Kleine Pause vom Alltag

Wenn ich ein Buch lese, versuche ich immer, die Handlungen nachzuvollziehen, mir die Schauplätze vorzustellen, mich in die Lage der Romanfiguren zu versetzen und diese zu verstehen. Manchmal gelingt es mir schwer, aber oft kann ich mich sofort mit dem, was ich lese, identifizieren.
Diesmal war es Fiona Blum, die Figuren kreiert hat, bei denen ich manche Gemeinsamkeiten entdeckt habe. Das sind die liebenswerten Menschen, die in einem von Touristen wenig frequentierten Stadtteil Roms wohnen, und die in „Liebe auf drei Pfoten“ ein kleines aber herzliches Abenteuer erleben. Unter diesen Persönlichkeiten ist eine kleine vom Leben gepeinigte dreibeinige Straßenkatze. Indem sie ein paar Schicksale verbindet, spielt sie eine Schlüsselrolle in dieser Geschichte.

Bisher haben mich Romane, in denen Tiere vorkommen, wenig interessiert. Als ich aber erfahren habe, dass hinter Fiona Blum eine von mir bekannte Autorin, Franziska Weidinger, steckt, bin ich neugierig geworden. Franziska Weidingers Bücher sind humorvoll, klug und alles andere als seicht. Also, dachte ich mir, müsste Fiona Blum auch etwas Schönes zu bieten haben.

Weiterlesen Liebe auf drei Pfoten von Fiona Blum

Aktuell Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

„Seine Welt war das Eiscafé, meine begann dort, wo die Terrasse aufhörte“

Ich habe mich immer gefragt, warum mein italienisches Lieblingseiscafé, das „Eiscafé Venezia“, den ganzen Winter lang geschlossen ist. Gegen ein Eis in der kalten Jahreszeit hätte ich nämlich nichts.
Die Antwort auf diese Frage fand ich in dem wunderbaren Roman „Die Eismacher“ von dem niederländischen Bestsellerautor Ernest van der Kwast.
Venezia heißt auch das Eiscafé in dem Rotterdamer Stadtzentrum, in dem van der Kwast seine Familiengeschichte spielen lässt. Von morgens bis abends stehen der Eismacher und seine Frau hinter der Theke, immer gut gelaunt, immer geduldig, immer freundlich. Auch wenn in ihren Köpfen und im Hinterzimmer die Konflikte brodeln.

Eis macht glücklich, nicht nur, weil es süß, weich und lecker ist, sondern auch weil die Illusion stimmt. Denn wenn man sein Stück Glück genießt, kommt man nicht auf die Idee zu überlegen, ob dieses Eis möglicherweise das Resultat von viel Arbeit und Aufopferung ist. Man kann es sich nicht einmal vorstellen, dass ein Moment Leichtigkeit nur möglich sein kann, weil andere gerade darauf verzichten.

Weiterlesen Die Eismacher von Ernest van der Kwast

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

51R1izOuWmLRosenduft und Meeresrauschen

Deniz Selek hat mit ihren Jugendbüchern mein Herz immer wieder erreicht. In ihren einfühlsamen Geschichten betont sie die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Familie, auch in sehr schwierigen Momenten. Ihre Erzählsituationen, Figuren und Handlungsorte sind bunt und wirken so real, dass man den Eindruck bekommt, alles selber zu erleben. Sie vermittelt dabei ihre Liebe zu Istanbul, der Stadt, mit der sie sich sehr verbunden fühlt. Aus mir hat sie ein Istanbul-Fan gemacht, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin und hauptsächlich durch ihre Geschichten kenne.

„Die Frauen vom Meer“ ist ihr erster Erwachsenen-Roman. Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte eine berührende Familiengeschichte erwartet und habe viel mehr als nur das bekommen. Inspiration für ihren Roman hat Deniz Selek in den Frauen ihrer eigenen Familie gefunden. Es ist ihr „Herzensbuch“ geworden. Darin beschreibt sie die Lebensläufe dieser Frauen, deren Persönlichkeiten, Interessen und Ziele sehr unterschiedlich sind, aber eins gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Meer. Weiterlesen Die Frauen vom Meer von Deniz Selek

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

515TNSJAyOLPoldi Superstar

Poldi wollte Ruhe und Frieden auf Sizilien, stattdessen wird ihr Leben immer komplizierter. Kein Wunder. Ihre Person scheint, Katastrophen anzuziehen und Probleme zu verursachen. Vor allem ärgert sie immer wieder ihren heißblütigen Commissario, der ihr trotzdem komplett verfallen ist.
Poldi kann nicht anders, sie muss ihre Nase überall reinstecken. Wie passend, dass sie einen Winzer, der Wein am Fuß des Ätna anbaut, eines Mordes verdächtigt, so kann sie ungehemmt dem Genuss von gutem Wein nachgehen. Die Konsequenzen davon ahnt sie nicht, die Beziehung zu ihrem Commissario setzt sie aufs Spiel.

In „Tante Poldi und die Früchte des Herrn“ lässt Mario Giordano seine Tante Poldi noch einmal gefährliche Abenteuer erleben und den Leser große Lust auf Ätna-Wein verspüren. Weiterlesen Tante Poldi und die Früchte des Herrn von Mario Giordano

Aktuell Krimi und Thriller Unterhaltungsliteratur

5196yGwtNgLForza, Poldi!

Ich habe eine neue Heldin. Sie heißt Poldi, kommt aus München und lebt auf Sizilien. Obwohl sie eine echte Münchnerin ist, fühlt sie sich durch und durch sizilianisch. Denn, so Poldi, das Sizilianisch-Sein hat man nicht im Blut, sondern im Geist. Donna Poldina ist also in ihrem Element. Sonne, Meer, ein Häuschen mit Blick auf den rauchenden Ätna und lauter schöne italienische männliche Exemplare. Was will man mehr?
Als der gut aussehende Commissario Montana erscheint, scheint das sizilianische Glück komplett.

Poldi ist eine komplexe Romanfigur. Exzentrisch, weltoffen, vorlaut, hinter geschlossener Tür aber verfällt sie öfter in übermäßigen Alkoholkonsum und Depressionen. Ihre um sie sorgenden Schwägerinnen zweifeln oft und schreien um Hilfe. Diese Hilferufe werden vom gemeinsamen Neffen erhört. Ein Glück, denn er ist der, der uns Poldis Geschichte erzählt.

Weiterlesen Tante Poldi und die sizilianischen Löwen von Mario Giordano

Aktuell Krimi und Thriller Rezensionen Unterhaltungsliteratur

51xtiNy8hELNichts ändert sich

Zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein können, aber Mutter und Tochter sind. Das sind Elizabeth und Franziska, die Protagonistinnen des Romans „Aberland“ von der Österreicherin Gertraud Klemm.

Elizabeth genießt ein Hausfrauenleben im Wohlstand, ihre Tochter Franziska hat ihre Karriere als Wissenschaftlerin unterbrochen, um sich um ihr Baby zu kümmern. Ganz wichtig: Franziska will nicht werden wie ihre Mutter – oberflächlich und einfältig. Sie will mehr, sie will auch als wichtiges und unverzichtbares Familienmitglied in dem Mini-Universum wahrgenommen werden, das aus geldverdienendem Vater, schwer schuftender Mutter und Kind besteht. Was Franziska für „oberflächlich und einfältig“ hält, ist gerade dieses Hausfrauenleben, dem sie mit allen Mitteln versucht zu entkommen, und mit dem Elizabeth ihren Frieden gemacht zu haben scheint, aber das Schicksal aller Frauen ist, die mit der Entscheidung, für ihre Kinder da zu sein, automatisch eine Rolle übernehmen, der sie sich nicht entziehen können. Oder zumindest macht es ihnen unsere Gesellschaft sehr schwer, weil das schon immer so vorgesehen war: Der Mann verdient das Geld, die Frau arbeitet gratis für die Familie. Weiterlesen Aberland von Gertraud Klemm

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Wahnsinn pur

Wahnsinnige Handlung, wahnsinnige Romanfiguren, wahnsinniges Ende. „Die Unglückseligen“ von Thea Dorn war ein fast perfektes Buch für mich. Ja, fast. Aber jetzt von vorne…

Thea Dorn hat Figuren geschaffen, die ganz nach meinem Geschmack sind. Das sind eine verbissene Biologin und ein scheinbar altersloser Verrückter. Ihre Wege kreuzen sich am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt. Ob es ein guter oder schlechter Zeitpunkt war, davon erzählt Thea Dorn in ihrem Werk, das epische Ausmaße erreicht und sprachliche Dimensionen annimmt, die mir in keinem anderen modernen Roman begegnet sind.

Johanna, die Biologin, trifft also per Zufall den scheinbar alterslosen Johann. Ihr fällt sofort auf, dass dieser so redet, wie Goethe schrieb. Das fällt dem Leser natürlich auch auf. Schließlich schreibt Thea Dorn ganze Kapitel aus Johanns Perspektive in genau so einer Sprache. Definitiv eine Meisterleistung, die ich anerkenne, mich aber ins Schwitzen brachte, denn ich war nie eine richtige Freundin deutscher großer Literatur des 18. Jahrhunderts. Die spannende Handlung hielt mich trotzdem am Lesen und letztendlich habe ich mich gewöhnen können, vor allem ab der zweiten Hälfe, die ich als sehr aufwühlend empfand.
Weiterlesen Die Unglückseligen von Thea Dorn

Aktuell Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

9783832197834Treppen hoch, Treppen runter und ein ahnungsloser Fisch

Der Freifall eines Fisches aus dem letzten Stock eines Hochhauses dauert nur ein paar Sekunden. Bei 27 Stockwerken gibt es unzählige Fenster, die viel zu gucken anbieten, viele Ereignisse, die alle gleichzeitig stattfinden. Da das Gedächtnis eines Goldfisches praktisch gleich null ist – er hat ja nur ein winziges Goldfischgehirn -, erzählt uns Bradley Somer in „Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel“, was er während seines Falls sieht. Ian, so heißt der Fisch, sieht diese Ereignisse als Bilder, die vorbeiziehen, und die werden erst für den Leser interessant, sobald der Autor anfängt, zu beschreiben, wie diese zustande gekommen sind. Er erzählt uns alle Einzelheiten, die zu diesen Bildern führen. Und das fängt an, eine halbe Stunde bevor Ian fällt.

Dieses Buch wurde mir von einer Freundin ans Herz gelegt. Ihre große Begeisterung hat mich angesteckt und in mir große Erwartungen entstehen lassen, die sich schon in den ersten Seiten erfüllt haben. Ich habe es sehr gerne gelesen und ich fand es so schön, dass ich die Lektüre nur unterbrochen habe, wenn es wirklich notwendig war.

Weiterlesen Der Tag, an dem der Goldfisch aus dem 27. Stock fiel von Bradley Somer

Gegenwartsliteratur Rezensionen Roman

Sonne Mond und Sterne von Mario ZambranoLotería

Menschliche Verhaltensweisen und Gefühle sind sehr kompliziert. Sie sind das Produkt vieler Faktoren genetischer, sozialer und familiärer Art. Dazu kommen alle möglichen Erlebnisse im Leben jedes Menschen, die auch eine große Rolle spielen.

Die kleine Luz ist Tochter mexikanischer Einwanderer. Ihre Eltern haben es geschafft, in den USA einigermaßen Fuß zu fassen. Luz und ihre Schwester pendeln zwischen den Traditionen und Sitten zweier Kulturen. Sie sind intelligent, lebhaft und scheinen, eine ganz normale Kindheit zu genießen. Aber nur scheinbar, denn nach und nach erfährt der Leser, dass Luz und ihre Schwester es alles andere als einfach haben.
Luz erzählt uns ihre Geschichte und die ihrer Familie. Sie erzählt offen über alles, was sie erlebt und fühlt, und was sie über ihre Eltern denkt, über Sorgen und glückliche Momente. Weiterlesen Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

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Emmy & Oliver„Emmy & Oliver“ ist ein toll aufgemachter Jugendroman aus dem Magellan Verlag. Dieser begeistert regelmäßig mit besonderen Geschichten für junge Leser und seinen hübsch gestalteten Büchern.

Nach der Lektüre dieses Romans von Robin Benway möchte ich diesen vor allem jungen Leserinnen zwischen 14 und 16 Jahren ans Herz legen. Die Kombination aus Liebesgeschichte mit einem ernsten Hintergrund gepaart mit sommerlicher Leichtigkeit und einer Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden sollte Mädchen in diesem Alter auf jeden Fall begeistern und fesseln.

Für mich ist der Roman vor allem gute und leicht lesbare Unterhaltung mit sympathischen Figuren, die man gern auf ihrer gemeinsamen Reise begleitet. Sie halten immer zusammen und der Autorin gelingt es, ihnen allen Leben einzuhauchen sowie interessante Konflikte zu schaffen. Das alles ist sehr gut gelungen und perfekt für einige entspannte Lesestunden. Jedoch fehlte mir das wirklich Besondere, das ich sonst von den Büchern des Magellan Verlags kenne. Zwar hat der Roman durchaus Tiefgang, jedoch konnte es mich emotional nicht völlig erreichen und war oftmals vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Individualität erwartet, auch in Abgrenzung zu anderen Jugendbüchern und Jugendbuchverlagen.
Weiterlesen Emmy & Oliver von Robin Benway

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