Charismatisch und charmant

„Kismet“ ist das türkische Wort für Schicksal. Gegen das türkische „Kismet“ kann man aber nichts machen, man akzeptiert es, denn am Ende wird alles gut. Alles hat einen Sinn.
Leider zweifelt Jannah gerade am Kismet. Zurück aus dem Urlaub stellt sie sich die Frage, wie ernst die Sache zwischen ihr und Ken ist. Bald muss sie feststellen, dass alles sehr kompliziert ist, wenn man in den Stiefbruder verliebt ist. Da hilft kein bisschen zu hoffen und darauf zu warten, was Kismet mit einem vorhat.

„Kismet – Couscous mit Herzklopfen“ von der sympathischen Autorin Deniz Selek ist der Abschluss der Trilogie um Jannah, Ken und deren bunte und multikulturelle Familie, die bereits unter dem Titel „Heartbreak Family“ erschienen ist.

Weiterlesen Kismet – Couscous mit Herzklopfen von Deniz Selek

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Emmy & Oliver„Emmy & Oliver“ ist ein toll aufgemachter Jugendroman aus dem Magellan Verlag. Dieser begeistert regelmäßig mit besonderen Geschichten für junge Leser und seinen hübsch gestalteten Büchern.

Nach der Lektüre dieses Romans von Robin Benway möchte ich diesen vor allem jungen Leserinnen zwischen 14 und 16 Jahren ans Herz legen. Die Kombination aus Liebesgeschichte mit einem ernsten Hintergrund gepaart mit sommerlicher Leichtigkeit und einer Geschichte über Freundschaft und das Erwachsenwerden sollte Mädchen in diesem Alter auf jeden Fall begeistern und fesseln.

Für mich ist der Roman vor allem gute und leicht lesbare Unterhaltung mit sympathischen Figuren, die man gern auf ihrer gemeinsamen Reise begleitet. Sie halten immer zusammen und der Autorin gelingt es, ihnen allen Leben einzuhauchen sowie interessante Konflikte zu schaffen. Das alles ist sehr gut gelungen und perfekt für einige entspannte Lesestunden. Jedoch fehlte mir das wirklich Besondere, das ich sonst von den Büchern des Magellan Verlags kenne. Zwar hat der Roman durchaus Tiefgang, jedoch konnte es mich emotional nicht völlig erreichen und war oftmals vorhersehbar. Hier hätte ich mir mehr Individualität erwartet, auch in Abgrenzung zu anderen Jugendbüchern und Jugendbuchverlagen.
Weiterlesen Emmy & Oliver von Robin Benway

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Eins - Sarah Crossan

Sarah Crossans neuer Jugendroman erzählt aus Sicht von Grace ihre eigene Geschichte und die ihres siamesischen Zwillings Tippi. Schnell wird deutlich, dass die beiden Schwestern nicht nur körperlich unzertrennlich sind, sondern auch emotional viel stärker aneinander hängen, als „normale“ Geschwister oder Zwillinge.

Einfühlsam, aber auch mit der nötigen Gelassenheit und einer Prise Humor an den richtigen Stellen, beschreibt die Autorin das Leben der Mädchen und ihrer Familie. Die beiden haben dabei nicht nur mit ihrer körperlichen Situation und vor allem den Reaktionen anderer Menschen auf sie zu kämpfen, sondern auch mit verschiedenen Problemen in der Familie. So ist ihr Vater alkoholabhängig und finanziell steht es ebenfalls nicht gut um sie, da die Behandlungskosten der beiden zu einer immer größeren Belastung werden. Trotz aller Schwierigkeiten erkennt man als Leser aber schnell, dass sie als Familie in den meisten Situationen zusammenhalten und sich lieben, selbst wenn das nicht immer so leicht ist.

Besonders interessant empfand ich den Wechsel von Grace und Tippi vom Privatunterricht zu Hause in eine öffentliche Schule. Sarah Crossan zeigt bei ihren Beschreibungen gekonnt die Sorgen und Ängste aber auch Hoffnungsschimmer auf, die diese Veränderung für die Mädchen mit sich bringt. Sehr gut hat mir dabei gefallen, dass der Wechsel nicht als zu dramatisch beschrieben wird und dass die beiden zwar durchaus einige Probleme mit der neuen Umgebung und ihren Mitschülern haben, diese aber nicht ständig im Fokus stehen. Viel mehr Wert legt die Autorin auf neue Freundschaften und die positiven Aspekte der Veränderungen für die Schwestern.

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Aktuell Jugendbuch Rezensionen

91QAnwMyrMLDie wichtigste Frage

Jeder Mensch hat das Recht zu wissen, woher er kommt.
Die 15-jährige Eve ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Mutter hat ihr dieses Recht, ihre Herkunft zu kennen, aberkannt. Aber Eve spürt, dass die Zeit gekommen ist, um endlich eine Antwort auf die wichtigste Frage ihres Lebens zu finden: Wer ist ihr Vater.

Deniz Seleks neuer Jugendroman „Aprikosensommer“ erzählt die Geschichte eines Mädchens, das beschließt, seinen Vater zu suchen.

Auf die Erscheinung von „Aprikosensommer“ habe ich sehnsüchtig gewartet. Deniz Seleks Bücher liebe ich! Ihre jungen Protagonistinnen befinden sich oft in schwierigen Situationen, die sie meistern müssen, aus ihrer eigenen Sicht meistens ohne die Unterstützung ihrer relativ unreifen Mütter. Weiterlesen Aprikosensommer von Deniz Selek

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

7439Zeitreisen bildet

Unter dem Pseudonym Maya Seidensticker hat Heike Abidi den dritten Band der Serie „we love Fashion“ geschrieben. Diesmal nimmt sie uns auf eine Zeitreise in die aufregenden 20er Jahre mit.

Auf „we love Fashion – Paillenttenkleid und Federboa“ habe ich sehnsüchtig gewartet. Nachdem ich die ersten zwei Teile um die zeitreisenden Schwestern Hanna und Lucy genüsslich gelesen habe, wusste ich, dass der dritte Band dieser Serie alle meine Erwartungen erfüllen würde. Und genau so war es auch!

Ah… die 20er Jahre! Nicht umsonst sind sie als die „goldenen Zwanziger“ oder „roaring twenties“ bekannt.
Nach dem Ersten Weltkrieg ging ein Ruck durch den ganzen Planeten, es schien so, als hätten die Menschen auf etwas gewartet, etwas Neues, große Veränderungen, sie wollten etwas erleben. Und das spiegelt sich auch in der Mode der Zeit wider. Und in Mode sind Hanna und Lucy die Expertinnen! Weiterlesen „we love Fashion – Paillettenkleid und Federboa“ von Maya Seidensticker

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

Flieg, so hoch du kannst!

Nachdem ich Barry Jonsbergs Jugendroman „Das Blubbern von Glück“ im vergangenen Jahr mit großer Begeisterung gelesen habe, musste ich natürlich auch sein neues Buch lesen. Gerade ist bei cbt „Flieg, so hoch du kannst!“ erschienen und darin erzählt der Autor eine Geschichte, die ich besonders jungen Lesern ab 12 ans Herz legen möchte. Derzeit handeln im Jugendbuchbereich viele Bücher von Krankheiten oder körperlichen Behinderungen und bringen so schon jungen Lesern nachdenkliche Themen nahe. Barry Jonsberg hat sich ebenfalls einem solchen Thema angenommen und tut das sehr behutsam aber auch mit der nötigen Portion Humor.

Die Hauptfigur in Barry Jonsbergs Buch jedoch ist kerngesund. Holly Holley quält lediglich ihr Name, bei dessen Wahl ihre Mutter nicht sonderlich viel Kreativität bewiesen hat. Ansonsten führt Holly ein recht normales Leben, ist weder besonders beliebt noch unbeliebt. Aber Holly ist in einem Alter, in dem man gern zu einer Gruppe dazu gehören möchte – am liebsten zu den besonders Coolen. Deshalb kommt es im Laufe des Buches schon mal zur ein oder anderen verzwickten Situation und auch zu Streit mit ihrer Mutter.

Hollys Leben wird im Verlauf des Romans ganz schön auf den Kopf gestellt. Als wäre mit 15 nicht sowieso alles schwierig genug, ziehen auch noch ihre Tante und deren Tochter Cassie zu Holly und ihrer Mutter. Für Holly bedeutet das nicht nur, dass sie ihr Zimmer für ein winziges Gästezimmer abtreten muss, sondern sie muss sich fortan auch mit ihrer Cousine auseinandersetzen, die Zerebralparese hat. Hierbei handelt es sich um eine Störung im Nervensystem und der Muskulatur, die bewirkt, dass Cassie sich selbst so gut wie gar nicht kontrolliert bewegen kann.

Das Interessante an dieser Geschichte ist, dass der Autor gekonnt alle möglichen Fakten über diese Erkrankung in die Handlung einbindet und junge Leser sehr viel lernen können, ohne sich dabei belehrt zu fühlen. Vor allem in Sachen sozialer Kompetenz kann dieses Buch einem viel beibringen. Ein wichtiger Aspekt des Romans ist, dass der Autor über den Umgang von Cassies Mitmenschen mit ihr ganz deutlich macht, dass ein Leben mit Zerebralparese oder einer anderen Krankheit genauso lebenswert ist, wie wenn man keine solche Krankheit hat. Cassie hat eine riesige Lebensfreude und bis auf ihre motorischen Schwierigkeiten ist sie, wie jede andere jugendliche auch. Sie liebt lustige Filme, ist gern mit ihren Freundinnen zusammen und kann manchmal ganz schön stur sein. Eine typische Jugendliche also!

Die größte Lehre aus diesem Buch für jugendliche Leser dürfte wohl also sein, dass man im Umgang mit Menschen mit einer Behinderung einfach ganz normal sein und diejenigen mit genauso viel Respekt behandeln sollte, wie alle seine Mitmenschen. Eine körperliche Behinderung bedeutet nicht, dass man anders fühlt oder denkt oder dass man anders behandelt werden müsste – ganz im Gegenteil!

Barry Jonsberg hat ein wertvolles, kleines Buch geschrieben, das ich euch uneingeschränkt weiterempfehlen kann!

Aktuell Jugendbuch Rezensionen

7223Das Zeitreise-Abenteuer geht weiter!

Nach einem sehr turbulenten Schuljahr in der angesagten Modeschule freuen sich die Schwestern Hanna und Lucy auf die wohlverdienten Sommerferien mit Oma an der Ostsee.
Da die Großmutter eine ehemalige Zeitreisende ist – ihre Zeitreise-Fähigkeit verlor sie, als sie die Liebe ihres Lebens geküsst hat, also den Opa -, können sich Hanna und Lucy mit ihr ganz entspannt über die Zeitreisen unterhalten und sich von ihr Tipps geben lassen.
Oma erzählt an diesen sorglosen Urlaubstagen selbstverständlich auch viel über ihre Jugend , die sie in den 60er Jahren verbracht hat… und plötzlich ohne es richtig zu merken, befinden sich die Schwestern zum ersten Mal mitten in einem der bewegtesten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts!
Mondlandung, The Beatles, die Anfänge der Hippie-Ära, das alles haben die 60er den beiden Schwestern zu bieten. Außerdem, was für sie am interessantesten ist, eine unglaublich vielfältige und wandelbare Mode. Und das kommt gerade mehr als passend, denn das neue Schuljahr beginnt genau mit diesem Thema: das Leben und die Mode in den 60er Jahren. Weiterlesen we love Fashion – Minirock und Flower-Power von Maya Seidensticker

Aktuell Jugendbuch Rezensionen Unterhaltungsliteratur

Die Akademie der Abenteuer - Das Erbe des Rings 4Drei Jahre nach Veröffentlichung des letzten Bandes „Das Schiff aus Stein“ gibt es ihn: den vierten Band aus der wunderbaren Reihe „Akademie der Abenteuer“. Hier geht es um eine Gruppe von Freunden, die alle fasziniert von der Vergangenheit sind. Filine, die Belesenste, interessiert sich vor allem für das alte Ägypten. No, der Bastler, versteht viel von Technik, Werkzeugen und der Herstellung verschiedenster Gegenstände. Rufus, aus dessen Perspektive die Handlung meist erzählt wird, zeichnet gern, hat viel Intuition und begreift Zusammenhänge oft „im Traum“. Oliver, auch künstlerisch begabt, ist schon so lange bei der Akademie, dass er sämtliche Geheimgänge und besonderen Orte gut kennt.

Sie alle sind Schüler der Akademie der Abenteuer. Es handelt sich um ein zauberhaftes Internat, das sich der Erforschung der Geschichte verschrieben hat. Die Lehrer haben Spezialgebiete wie Kampfkunst, Malerei oder Kochkunst und teilen ihr Wissen gerne, vorausgesetzt, man fragt sie danach. Da hier die Schüler keinen festen Stundenplan haben, sondern für sich oder in einer Gruppe an Projekten forschen, sind sie natürlich oft auf die sachdienlichen Hinweise ihrer Lehrer angewiesen. Spannend wird das Lernen ganz besonders, wenn die Vergangenheit in einer sogenannten „Flut“ regelrecht lebendig wird. Dann sind die Schüler mittendrin im Geschehen und erforschen die Geschichte. Schweifen sie ab, folgen sie der falschen Fährte, verblasst die Flut. Geschieht dies zu häufig, kann auch die Flut komplett scheitern. Das ist besonders schade, weil man dann nicht das ersehnte Artefakt aus der Vergangenheit erhält, der in der Gegenwart nur als winziges Bruchstück vorhanden ist. Klingt komplizierter als es ist!

Die Schülerin Coralie ist ihre mit allen Wassern gewaschene Gegenspielerin: Während für die meisten Schüler und Lehrer die Forschung und die Erkenntnis im Vordergrund stehen, ist Coralie äußerst materialistisch. Wertvolle Gegenstände, die sie aus der Vergangenheit mitbringt, lässt sie gewinnbringend verkaufen. Sie und ihre Familie häufen Reichtum an und teilen nicht die hohen Ziele der Akademie.

In diesem Band begegnen Filine, No, Rufus und leider auch Coralie in der Vergangenheit einem Jungen, der nach Willen seiner Eltern König werden soll. Er selber möchte gar nicht diese Macht ausüben. Wenn es aber doch sein muss, dann nur zu seinen eigenen Bedingungen. Er will für sein Volk Gutes bewirken und für Gerechtigkeit sorgen. Rufus entdeckt so manche Gemeinsamkeit mit diesem idealistischen Jungen. Auch Rufus‘ Mutter hat Pläne für Rufus, mit denen er so gar nicht einverstanden ist. Sie wähnt ihn bereits auf einer
Eliteschule für Hochbegabte und will, dass er später einen guten Job bekommt, in dem er möglichst gut verdient. Seit Rufus‘ Vater die Familie verlassen hat, zählt für Rufus‘ Mutter nur noch Profit. Sie hat keine Zeit mehr für Rufus und sie ist gar nicht mehr so fröhlich wie früher. Nicht mal ihre roten Locken dürfen sich noch so kringeln wie damals, sondern sehen aus wie aus Stein gemeißelt.

Viele Handlungsstränge sind schon in Band 1 angelegt worden, nun endlich lösen sich in Band 4 einige Verstrickungen. Allerdings hatte ich erwartet, dass dies der letzte Band der Reihe sein würde. Doch auf den letzten Seiten zeigt sich, dass die Geschichte durchaus weitergehen und genauso spannend bleiben könnte… Eine für mich unerwartete, aber äußerst willkommene Wendung!

Wie alle Bände zuvor hat mir auch „Das Erbe des Rings“ sehr gefallen. Ich muss aber zugeben, dass ich dieses Buch manchmal nicht ganz so gebannt gelesen habe wie die Vorgängerbände. Zwar waren die Figuren faszinierend, die Beschreibungen der magischen Orte und Dinge in der Akademie Phantasie anregend und die Handlung spannend wie eh und je. Jedoch störten mich die ideenlastigen Gespräche und Gedankengänge einiger Personen. Ja, hier soll eine Botschaft vermittelt werden: Geld und Status sind nicht so wichtig wie Ideen oder soziales Miteinander. Ich denke, ein geschicktes Lektorat hätte diese etwas langatmigen Diskussionen kürzen können, ohne dabei den Inhalt zu vernachlässigen. Bei der Gelegenheit hätte man auch die ein bisschen häufiger als normal auftretenden Rechtschreibfehler orten können. Abgesehen von dieser kleinen Nörgelei gefiel mir das Buch sehr gut. Ich werde es sogleich an meine beiden Söhne (13 und 16 Jahre alt) weiterreichen, denen es bestimmt auch viel Freude machen wird. Denn das ist das Tollste an der „Akademie der Abenteuer“: Auch Jungs lesen die Geschichten mit Begeisterung, denn sie sind voller Spannung, Magie und Abenteuer.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Anders (1)Vor zwei Wochen hatte ich bereits angekündigt, dass ich euch in den kommenden Wochen das komplette Programm des Königskinder Verlags – einem Imprint des Carlsen Verlags – vorstellen möchte. Als zweites Buch hierfür habe ich mich für „Anders“ von Andreas Steinhöfel entschieden. Dieser tiefgründige Roman ist ebenfalls toll aufgemacht und kann nicht nur durch seinen ungewöhnlichen Inhalt, sondern auch die stimmungsvollen Illustrationen von Peter Schössow überzeugen. Diese unterstützen die besondere Atmosphäre des Buches auf wunderbare Weise.

Jedes Kapitel beginnt mit einer solchen Zeichnung und leitet damit in einen neuen Abschnitt des Lebens von Anders ein, genauer gesagt in Lebensabschnitte, nachdem der Junge mehr als 200 Tage im Koma lag, sich den neuen Namen „Anders“ ausgewählt und auch von seiner Persönlichkeit her einen kompletten Wandel durchlebt hat.

Anders (2)Andreas Steinhöfel stellt bei diesem Jugendroman unter Beweis, dass er sprachlich gekonnt über eine tragische Situation in einem Leben erzählen kann. Anders ist nach seinem Koma – wie sein Name schon verrät – völlig verrändert. Ihn umgibt etwas nahezu Mystisches! Der Autor erschafft mit seinem Erzählstil und der ganz eigenen Charakterisierung des Anders eine Stimmung, die unter die Haut geht. Dabei ist dieses Buch so außergewöhnlich, dass man es mit Worten kaum beschreiben kann. Es ist kein Buch, das man einfach mag oder gern hat, sondern es rüttelt am Leser, bringt ihn zum Nachdenken und lässt ihn nicht mehr los. Teils ist es sehr düster und immer erreicht einen der Autor mit dieser Spannung!

Was mich außerdem an „Anders“ überzeugt hat, ist, dass es keiner dieser typischen Schicksalsromane ist. Wie es den Eltern und der Familie von Anders nach dessen Unfall und Koma ergeht, wird zwar angerissen, aber nicht in aller Detailliertheit ausgekostet und beschrieben. Vielmehr geht Andreas Steinhöfel auf die Veränderungen ein, die ein solcher Schaden des Körpers für die Persönlichkeit des Menschen bedeuten kann, die davon betroffen ist. Das alles geschieht ohne auf die Tränendrüse zu drücken – teilweise nahezu distanziert -, die Emotionen seiner Leser erreicht der Autor auf viel tieferer Ebene!

Ihr seht, ich bin begeistert und irgendwie auch sprachlos, wenn es darum geht zu erklären, weshalb genau dieses Buch so gut ist! Mich hat es in seiner Unangepasstheit überzeugt!

Anders (3)

Aktuell Gegenwartsliteratur Jugendbuch Rezensionen Roman

Die Anarchie der Buchstaben
Der Carlsen Verlag hat mit seinem Imprint Königskinder in diesem Herbst ein ganz tolles neues Programm an den Start gebracht. In den Farben Schwarz, Weiß und Gold kommen die wunderschön und liebevoll aufgemachten Titel daher und lassen Leserherzen höher schlagen. Auch thematisch bewegen sich die Bücher abseits des Mainstream und beschäftigen sich mit berührenden und nachdenklich stimmenden Themen. In den nächsten Wochen möchte ich euch hier auf dem Blog nach und nach die 7 Königskinder aus dem ersten Programm präsentieren. Ganz gemäß dem Motto „Ein Werk der Schönheit ist ein Glück für immer“ hat Carlsen – das merkt man sehr deutlich – viel Herzblut in diese Bücher gesteckt. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, der Facebook-Fanpage des Verlags zu folgen. Dort gibt es regelmäßige Einblicke ins Königskinder-Programm und dessen Hintergründe, das Wort der Woche und noch viel mehr rund um Autoren, Bücher und Co. zu entdecken. Zuerst möchte ich euch mit „Die Anarchie der Buchstaben“ nun das neue Buch von Kate de Goldi vorstellen, von der im März 2012 bereits „abends um 10“ im Carlsen Verlag erschien.

Die Anarchie der Buchstaben 2 (2)

In diesem kleinen Büchlein verbrigt sich eine zauberhafte Idee! Die Autorin beschäftigt sich darin mit dem Thema Altern und nähert sich diesem auf ganz besonderem Wege an. Durch die Augen der jungen Perry, deren Großmutter in einem Pflegeheim lebt und deren Gedächtnis nicht mehr das beste ist, ermöglicht sie dem Leser einen unverfälschten und offenen Blick auf ihre Situation. Perry geht sehr unbefangen mit ihrer Großmutter und den anderen Bewohnern im Heim um. Sie macht sich keine großen Gedanken und Sorgen darüber, dass sie sich anders als andere Menschen verhalten oder aber körperlich oder geistig vielleicht nicht mehr so fit sind. Das Mädchen entdeckt in ihnen allen etwas Gutes, und obwohl ihre Großmutter nicht immer ganz einfach ist, genießt sie die Besuche bei ihr und ihren „Freunden“.

Der besondere Erzählstil hat mich ganz für das Buch eingenommen, sodass es seinen ihm eigenen Zauber wirken konnte. Wieso machen wir Erwachsenen uns eigentlich immer alles so schwer? Können wir nicht genauso locker und unbefangen mit unseren älteren Mitmenschen umgehen, wie es Perry ganz selbstverständlich tut? Wenn man sich nicht so viele Gedanken macht, sondern einfach etwas tut, stellt sich das Glück für alle von ganz allein ein. Kate de Goldis Buch ist in diesem Sinne ein Plädoyer, seine älteren Mitmenschen weiterhin in die Gesellschaft zu integrieren, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie ernst zu nehmen. Das geschieht beim Lesen der Geschichte ganz automatisch, indem man sich in Perry hineinversetzt. Lässt man sich darauf ein, so sieht man an Perry, hat das für alle Betroffenen einen großen Wert und durchweg positive Seiten.

Besonders gefallen hat mir die Idee des ACB. Perry erstellt im Buch zusammen mit den Bewohnern des Altenheims ein ACB bestimmter Wörter (ja, ACB und nicht ABC, das wäre viel zu langweilig), die im Zusammenhang mit dem Menschen dort stehen. Für jeden Buchstaben möchte Perry im Rahmen eines Schulprojekts etwas Passendes finden und nutzt deshalb jede Gelegenheit, dem Altenheim einen Besuch abzustatten. Dabei schließen sie und die Bewohner sich unweigerlich ins Herz und Perry lernt viel mehr über das Leben, als nur ein paar Wörter für ihr ACB. Vor allem lernt man aber als Leser, dass es nicht darum geht, immer alles perfekt zu machen, sondern darum, etwas mit Herz zu tun. In diesem Sinne kann ich euch „Die Anarchie der Buchstaben“ wirklich ans Herz legen!

Die Anarchie der Buchstaben 2 (1)

Aktuell Jugendbuch Rezensionen