Kategorie: Sachbuch

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„Es ist ein Geschenk ist, in zwei Ländern dieser Welt zu Hause zu sein.“

Als ich 2019 in Marokko war, hätte ich nicht gedacht, dass dieses Land mich so beeindrucken würde, wie es getan hat. Mein Ziel war, einen schönen Urlaub zu verbringen, in einem Land, in dem ich noch nie gewesen war, dazu wollte ich wissen, wie es ist, in einem labyrinthischen Souk zu laufen und natürlich wollte ich das Märchenhafte entdecken.

Ich fand aber viel mehr als das! Ich habe herzliche und genügsame Menschen kennengelernt, ich habe erfahren, was es bedeutet, in einem Riad zu wohnen, in dem ich wie ein Familienmitglied behandelt wurde, und ich habe auch gelernt, dass die Marokkaner wirklich Unmengen an süßem Minztee trinken, und dass das Wetter im April traumhaft ist (und gar nicht heiß).

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„Das Schreiben war das einzige Mittel, meinen Gefühlen und meinem seelischen Zustand Luft zu verschaffen.“

Als am 23. Januar 2020 die chinesische Millionenstadt Wuhan abgeriegelt wurde, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern, fühlten wir uns in Europa relativ sicher, dass es sich bei dem SARS-CoV-2-Virus um ein chinesisches Problem handelt, obwohl Experten weltweit vor einer Pandemie warnten.

Als unsere Bundeskanzlerin Mitte März entsprechende Einschränkungen für Deutschland angekündigt und an die Bevölkerung appelliert hat, sich strikt daran zu halten, lebten die Wuhaner bereits zwei Monate von der Welt isoliert, und ohne ihre Wohnungen verlassen zu dürfen. Und auch wenn unsere Quarantäne eine komplett neue Erfahrung für die meisten in Deutschland Lebende gewesen ist, kann man es niemals mit dem, was die Wuhaner durchgemacht haben, vergleichen.

Weil sie ihre Tochter vom Flughafen am Abend des 22. Januar abholen musste, blieb die in China sehr bekannte Schriftstellerin Wang Fang – unter dem Pseudonym Fang Fang veröffentlicht sie ihre Werke – in ihrer Wuhaner Wohnung über Nacht und erlebte die beispiellose Abriegelung einer Stadt.

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Der Missverstandene

Auch Genies sind nur Menschen. Mit Macken, Träumen, Ängsten, Problemen, Illusionen. Sie sind in der Lage, Großartiges zu schaffen, aber sie können natürlich auch Fehler machen und Unzugänglich sein. Sie sind Menschen mit allem Drum und Dran.
In seinem Buch „Marx. Der Unvollendete“ zeigt Jürgen Neffe, dass all dies (und noch mehr überraschende Tatsachen und Charakterzüge) auch für Karl Marx gilt.

„Marx. Der Missverstandene“ könnte auch ein guter Titel für dieses Buch sein. Karl Marx, der (theoretische) Revolutionär, der Kommunist schlechthin – love him or hate him, wie Marmite. Keinem Menschen wurden so viele politische und wirtschaftliche Katastrophen, so viele Toten und tyrannischen Regierungen angehängt. Weil er die historische Figur ist, die man am meisten mit dem Kommunismus in Verbindung bringt. Dieser Mann und sein Vermächtnis wurden bis heute, mehr als 130 Jahre nach seinem Tod, nicht vergessen und werden als Ursache schwerer Krisen in Ländern – ein aktuelles Beispiel ist Venezuela, dessen Ökonomie von einem Tyrannen innerhalb weniger Jahre zerstört, und von einem Einwanderungsland in eine Nation von Wirtschaftsflüchtlingen verwandelt wurde. Und das im Namen des Kommunismus.
Und dabei war Marx hauptsächlich ein Philosoph mit einer Vision, in der er nur der Wohlstand und die Freiheit aller Menschen aller Nationen beabsichtigte. Dies wird in Jürgen Neffes Buch besonders deutlich gemacht.

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Das Leben einer Mutmacherin

Wenn man ein perfektes Beispiel für eine erfolgreiche Geschichte suchen würde, wäre Jaqueline Bakir Brader die geeignete Ansprechpartnerin. Als Tochter türkischer „Gastarbeiter“, die es geschafft hat, sich einen Namen zu machen und sogar zur Arbeitgeberin geworden ist, zeigt sie, dass es sich lohnt, für seine Ideale und Träume zu kämpfen. Denn Jaqueline Bakir Braders Weg war hart und lang, aber sie hat es geschafft, die vielen Steine zu beseitigen, die ihr in diesen Weg gelegt wurden.
Ihre Geschichte erzählt sie in ihrem Buch „Die Mutmacherin“.

Frau Bakir Brader ist definitiv eine Mutmacherin. Das konnte ich selber erleben. Ich hatte das Vergnügen, sie während eines Festivals für den Frieden kennen zu lernen, das sie mitorganisiert hat. Nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihre Präsenz motivieren und inspirieren.

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17505229208„Jeder Mensch möchte herausfinden, wer er ist“

Auch wenn sich viele Wissenschaftler und Philosophen diesem Thema widmen, finde ich persönlich, dass das Bedürfnis, alles über sich selber zu wissen, zur Natur des Menschen gehört, es ist wie ein Axiom und einer der Grundsätze für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen. Das Herausfinden bedeutet auch, sich identifizieren zu können, mit dem, was man entdeckt, oder sich bewusst zu distanzieren.

Jennifer Teege hat eines Tages eine furchtbare Entdeckung gemacht, für deren seelische Verarbeitung sie Jahre gebraucht hat. Sie ist die leibliche Enkelin von Amon Göth, einem sadistischen Nazi-Verbrecher, vor allem aus dem Film „Schindlers Liste“ bekannt.

Ich habe Jennifer Teege zum ersten Mal in einem Fernsehinterview gesehen. Sie wurde mir sofort sympathisch und ihre Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Noch während die Sendung lief, habe ich ihr Buch, das sie zusammen mit der Journalistin Nikola Sellmair geschrieben hat, bestellt. Dieses Buch, in dem sie ihre Geschichte erzählt, und das mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt wurde, hat mir sehr gut gefallen.

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Die Wahrheit uebers Kinderkriegen von Livia GoernerSchwangerschaftsratgeber und Co. gibt es wie Sand an Meer. Doch was soll man bei der Fülle all dieser Bücher lesen, wo finde ich wirklich gute und hilfreiche Tipps und wieso schreibt eigentlich jedes Buch etwas anderes? Es ist gar nicht so leicht, die für sich passende Lektüre in der Schwangerschaft zu finden, die die nötigen Informationen liefert und gleichzeitig ein positives, bestärkendes Gefühl gibt.

„Die Wahrheit übers Kinderkriegen“ ist kein Ratgeber, sondern vielmehr ein Erfahrungsbericht aus Sicht einer Hebamme, die seit vielen Jahren in diesem Beruf tätig ist. Livia Görner greift darin die wichtigsten Themen rund um die Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit danach auf und gibt Empfehlungen, die aus ihrer langjährigen Berufserfahrung resultieren.

Besonders positiv empfand ich dabei die direkte und schnörkellose Art der Autorin über diese Themen zu schreiben und zu informieren. Der esoterische Hauch, der so manchem Buch zur Schwangerschaft und Geburt beiwohnt, ist nämlich so gar nicht mein Fall und bleibt einem hier komplett erspart. Wegen soetwas muss man sich bei Livia Görner absolut keine Gedanken machen, sondern darf sich über ein wunderbar ehrliches Buch freuen, das den ein oder anderen vielleicht auch mal ärgern wird, weil er anderer Meinung ist. Mir hat genau das gefallen und selbst ich habe mich manchmal erwischt, wie ich bei der Lektüre feststellte, dass man sich viel zu oft um total unwichtige Nebensächlichkeiten Gedanken macht, statt einfach die Schwangerschaft zu genießen und nicht jedem dahergelaufenen Babytrend nachzurennen.

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Um Leben und ToderAuch wenn ich persönlich nie in einem medizinischen Beruf arbeiten könnte, finde ich solche Tätigkeiten und die Menschen, die diese ausüben, unglaublich faszinierend. Genau deshalb habe ich zum Buch „Um Leben und Tod“ gegriffen, das der Hinrchirurg Henry Marsh verfasst hat. Darin berichtet er aus seinem Berufsleben und über ein ganz besonderes Organ: das menschliche Gehirn!

Von Beginn an wird die Faszination des Autors für seinen Beruf und das Gehirn deutlich. Dabei wählt er eine sehr geschickte Aufteilung für sein Buch und widmet jedes Kapitel einer anderen Erkrankung des Gehirns. Innerhalb des jeweiligen Kapitels erfährt man detaillierte, dabei aber keinesfalls langweilige Hintergründe der jeweiligen Krankheit sowie ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Henry Marsh gelingt es dabei, den Leser bei Laune zu halten, indem er medizinische Fakten mit wahren Fällen kombiniert und ihn so hautnah in seine Tätigkeiten einbezieht. Das ist in diesem Fall definitiv nichts für schwache Nerven. Wer sich mit konkreten OP-Beschreibungen schwer tut, für den dürfte dieses Buch also eher nichts sein. Wer aber neugierig ist und genaue Einblicke in die besonderen Fähigkeiten und Tätigkeiten eines Gehirnchirurgen von Marshs Klasse erhalten möchte, dem kann ich „Um Leben und Tod“ nur empfehlen.

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41k42xJKttLEinfach nur Menschen…

Dass große Schriftsteller auch nur Menschen sind, vergessen Verehrer oft. Dass ihr Leben nicht immer glamourös und sorglos ist, kann man sich kaum vorstellen.
Viele Schriftsteller, die in den 30er Jahren im deutschen Sprachraum lebten, sahen sich gezwungen, diesen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer Ideologien zu verlassen.
Stefan Zweig und Joseph Roth haben trotzdem versucht, während ihres Exils das Leben zu genießen und die Erinnerungen an die Heimat auszublenden. In dem atmosphärischen kleinen Badeort Ostende haben sie sich mit anderen heimatlosen Kollegen getroffen und bei einem flüchtigen Urlaubsgefühl auf die Rückkehr in die Heimat gehofft.

In seinem Buch „Ostende: 1936, Sommer der Freundschaft“ erzählt Volker Weidermann über einen Sommer im Leben von Stefan Zweig und Joseph Roth, von zwei Freunden, die nicht unterschiedlicher sein konnten.

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wo-bist-du-motek-080272030Überraschend berührend

Wenn ein Israeli sich auf die Suche nach seinen Wurzeln in Deutschland begibt, kann es für mich nur interessant werden, vor allem wenn diese Suche in Berlin stattfindet.
Dieser Israeli ist Ilan Goren, als Europakorrespondent nach Berlin geschickt worden, kurz nachdem seine halbdeutsche Mutter gestorben war.
In Berlin wartet auf ihn nicht nur aufregendes Material für Reportagen, sondern auch das Erbe seiner Großmutter: das Tagebuch seines polnischen Ur-Großvaters, der genau wie er nach Berlin ging, um Neues zu erleben, und als Jude auch einiges zu erzählen hatte.
In diesem Tagebuch findet Ilan seine Wurzeln, die Geschichte seiner Ahnen.
Während Ilan ein Berliner Abenteuer nach dem anderen erlebt, liest er in seiner Freizeit das Tagebuch seines Ur-Großvaters. Und was er dabei erfährt, übertrifft seine ganzen Vorstellungen.

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insightImageEin Sachbuch mit dem gewissen Unter-haltungsfaktor

Über die Geschichte der Menschheit haben schon unzählige Autoren geschrieben. Deswegen müsste man sich wundern, wenn gerade ein Buch, das den Titel „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ trägt, zum Bestseller wird.

Wenn ein Sachbuch von vielen Menschen gelesen wird, liegt es daran, dass der Autor es geschafft hat, den Stoff, der sein Spezialgebiet ausmacht, so gut und verständlich zu vermitteln, dass die Leser das Gefühl haben, etwas lernen zu können, ohne gelangweilt zu werden. Und genau das ist Yuval Noah Harari mit seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ gelungen.
Erstaunlicherweise habe ich dieses Buch mit großem Interesse gelesen, auch wenn ich mit der Materie vertraut war. Das war ausschließlich dem Unterhaltungswert des Buches zu verdanken.

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