Kategorie: Jungsecke

Die Akademie der Abenteuer - Das Erbe des Rings 4Drei Jahre nach Veröffentlichung des letzten Bandes „Das Schiff aus Stein“ gibt es ihn: den vierten Band aus der wunderbaren Reihe „Akademie der Abenteuer“. Hier geht es um eine Gruppe von Freunden, die alle fasziniert von der Vergangenheit sind. Filine, die Belesenste, interessiert sich vor allem für das alte Ägypten. No, der Bastler, versteht viel von Technik, Werkzeugen und der Herstellung verschiedenster Gegenstände. Rufus, aus dessen Perspektive die Handlung meist erzählt wird, zeichnet gern, hat viel Intuition und begreift Zusammenhänge oft „im Traum“. Oliver, auch künstlerisch begabt, ist schon so lange bei der Akademie, dass er sämtliche Geheimgänge und besonderen Orte gut kennt.

Sie alle sind Schüler der Akademie der Abenteuer. Es handelt sich um ein zauberhaftes Internat, das sich der Erforschung der Geschichte verschrieben hat. Die Lehrer haben Spezialgebiete wie Kampfkunst, Malerei oder Kochkunst und teilen ihr Wissen gerne, vorausgesetzt, man fragt sie danach. Da hier die Schüler keinen festen Stundenplan haben, sondern für sich oder in einer Gruppe an Projekten forschen, sind sie natürlich oft auf die sachdienlichen Hinweise ihrer Lehrer angewiesen. Spannend wird das Lernen ganz besonders, wenn die Vergangenheit in einer sogenannten „Flut“ regelrecht lebendig wird. Dann sind die Schüler mittendrin im Geschehen und erforschen die Geschichte. Schweifen sie ab, folgen sie der falschen Fährte, verblasst die Flut. Geschieht dies zu häufig, kann auch die Flut komplett scheitern. Das ist besonders schade, weil man dann nicht das ersehnte Artefakt aus der Vergangenheit erhält, der in der Gegenwart nur als winziges Bruchstück vorhanden ist. Klingt komplizierter als es ist!

Die Schülerin Coralie ist ihre mit allen Wassern gewaschene Gegenspielerin: Während für die meisten Schüler und Lehrer die Forschung und die Erkenntnis im Vordergrund stehen, ist Coralie äußerst materialistisch. Wertvolle Gegenstände, die sie aus der Vergangenheit mitbringt, lässt sie gewinnbringend verkaufen. Sie und ihre Familie häufen Reichtum an und teilen nicht die hohen Ziele der Akademie.

In diesem Band begegnen Filine, No, Rufus und leider auch Coralie in der Vergangenheit einem Jungen, der nach Willen seiner Eltern König werden soll. Er selber möchte gar nicht diese Macht ausüben. Wenn es aber doch sein muss, dann nur zu seinen eigenen Bedingungen. Er will für sein Volk Gutes bewirken und für Gerechtigkeit sorgen. Rufus entdeckt so manche Gemeinsamkeit mit diesem idealistischen Jungen. Auch Rufus‘ Mutter hat Pläne für Rufus, mit denen er so gar nicht einverstanden ist. Sie wähnt ihn bereits auf einer
Eliteschule für Hochbegabte und will, dass er später einen guten Job bekommt, in dem er möglichst gut verdient. Seit Rufus‘ Vater die Familie verlassen hat, zählt für Rufus‘ Mutter nur noch Profit. Sie hat keine Zeit mehr für Rufus und sie ist gar nicht mehr so fröhlich wie früher. Nicht mal ihre roten Locken dürfen sich noch so kringeln wie damals, sondern sehen aus wie aus Stein gemeißelt.

Viele Handlungsstränge sind schon in Band 1 angelegt worden, nun endlich lösen sich in Band 4 einige Verstrickungen. Allerdings hatte ich erwartet, dass dies der letzte Band der Reihe sein würde. Doch auf den letzten Seiten zeigt sich, dass die Geschichte durchaus weitergehen und genauso spannend bleiben könnte… Eine für mich unerwartete, aber äußerst willkommene Wendung!

Wie alle Bände zuvor hat mir auch „Das Erbe des Rings“ sehr gefallen. Ich muss aber zugeben, dass ich dieses Buch manchmal nicht ganz so gebannt gelesen habe wie die Vorgängerbände. Zwar waren die Figuren faszinierend, die Beschreibungen der magischen Orte und Dinge in der Akademie Phantasie anregend und die Handlung spannend wie eh und je. Jedoch störten mich die ideenlastigen Gespräche und Gedankengänge einiger Personen. Ja, hier soll eine Botschaft vermittelt werden: Geld und Status sind nicht so wichtig wie Ideen oder soziales Miteinander. Ich denke, ein geschicktes Lektorat hätte diese etwas langatmigen Diskussionen kürzen können, ohne dabei den Inhalt zu vernachlässigen. Bei der Gelegenheit hätte man auch die ein bisschen häufiger als normal auftretenden Rechtschreibfehler orten können. Abgesehen von dieser kleinen Nörgelei gefiel mir das Buch sehr gut. Ich werde es sogleich an meine beiden Söhne (13 und 16 Jahre alt) weiterreichen, denen es bestimmt auch viel Freude machen wird. Denn das ist das Tollste an der „Akademie der Abenteuer“: Auch Jungs lesen die Geschichten mit Begeisterung, denn sie sind voller Spannung, Magie und Abenteuer.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

wakeup>>Frag einen Experten.
Er wird dir sagen, dass diese Gesichte
unmöglich möglich sei.
Hast du übrigens mal gelesen,
was die Experten am Tag vor Fukushima sagten,
was unmöglich möglich sei?<<

Josh lebt mit seinen Eltern sehr umweltbewusst: Sie wohnen in einem Öko-Haus, fahren Bus- und Bahn und recyclen. Doch natürlich weiß Josh, dass sie trotzdem nicht viel gegen die Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung anrichten können. Ökokratie bedeutet für ihn viel Gerede und keine Taten.

Schließlich lernt er über seine Schulkameraden Sybille und Frederike – seinen heimlichen Schwarm – den Profihacker Filinto kennen. Filinto ist nicht nur gutaussehend und computertechnisch talentiert, sondern ebenfalls der Meinung, dass Ökodiktatur die einzig wahre Lösung für den Planeten ist. Zusammen gründen Josh, Sybille, Frederike und Filinto die Öko-Hacker-Gruppe ‚Wake Up!‘, um endlich etwas bewirken zu können.

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Bevor du gehst

„Bevor du gehst“ von James Preller fiel mir zuerst durch das schlichte und sehr gelungene Design des Covers aus. Ich habe es schon oft erlebt, dass Bücher, die äußerlich eher zurückhaltend wirken und nicht mit großen Motiven und Farben auffallen wollen, mich besonders begeistern konnten. Zudem passt es wunderbar zur nachdenklichen und auch bedrückenden Seite des Buches.

James Prellers Idee zu diesem Jugendroman ist sehr interessant und lässt auf einen emotionalen und intensiven Stoff hoffen. Einen solchen hat er auch tatsächlich geschaffen, macht es dem Leser jedoch etwas schwerer, diesen auch an sich ran und auf sich wirken zu lassen. Das größte Problem hierbei ist, dass die Hauptfigur Jude mir zu fast jedem Zeitpunkt im Buch ungewöhnlich fremd und für mich undurchschaubar blieb. Die Geschichte bringt eine gewisse Schwere mit sich, die sich nicht abschütteln lässt. Nun kann ich dem Autor das aber nicht verübeln, denn es ist ihm sprachlich wirklich unglaublich gut gelungen, diese bedrückende Stimmung zu vermitteln und wirklich auf mich zu übertragen. Nur setzte sie etwas zu früh ein, als es eigentlich noch gar keinen Grund für diese Stimmung gab. Doch vielleicht ist es die ganz eigene Art des Autors auf eine schlimme Situation im Buch hinzuleiten?

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Die Scanner (1)„Die Scanner“ von Robert M. Sonntag ist ein Jugendroman, der über ein außergewöhnliches Thema erzählt. Viele der aktuellen Neuerscheinungen spielen in der Zukunft, doch in keiner davon stehen Bücher, Leser, Autoren und all die anderen Menschen, die damit zu tun haben, im Mittelpunkt. Bei diesem Buch ist das ganz anders!

Robert M. Sonntag versetzt seine Leser in eine relativ nahe Zukunft. Und doch hat sich im Jahr 2035 im Bezug auf Bücher sehr viel verändert. Liest aktuell eher noch ein geringer Anteil der Leser elektronische Bücher – E-Books – so ist es in dieser Zukunftsvision unnormal, wenn man gedruckte Bücher liest. Der riesige Ultranetz-Konzern schickt seine Buchagenten überall hin aus, um noch Menschen aufzuspüren, die Printbücher lesen und ihnen diese für teils sehr hohe Summen abzukaufen. Danach werden die Bücher gescannt und für alle kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das interessante an dieser Geschichte ist wohl, dass es gar nicht so abwegig ist, dass wir uns immer mehr in eine solche Richtung entwickeln. Aktuell stehen gedruckte Bücher noch sehr gut da, doch wer weiß schon, wie es in 22 Jahren aussehen wird? Auch der Wunsch nach kostenloser Verfügbarkeit von Texten immer und überall wird größer. Dabei wird aber oft genug vergessen, dass Autoren, Verlage und Co. für ihre Arbeit auch bezahlt werden möchten. Tut das niemand, würde es wohl auch keine neuen Geschichten mehr geben. Und mal ehrlich – wäre das nicht echt traurig?

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Das Labyrinth erwachtImmer auf der Suche nach spannenden Jugendthrillern und Dystopien, die nicht kitschig sind, habe ich vor einer Weile Rainer Wekwerths aktuellen Jugendroman „Das Labyrinth erwacht“ entdeckt. Der Titel und das aufregende Cover machten mich neugierig, denn Geschichten, in denen Labyrinthe eine Rolle spielen, haben eine magische Anziehung auf mich. Scheinbar ausweglose Situationen und Spannung sind da vorprogrammiert!

Der Autor wirft seine Leser dann auch direkt ins Geschehen und in ein aufregendes Abenteuer. Für die jugendlichen Protagonisten geht es dabei um nicht weniger als Leben oder Tod. Besonders gefiel mir, dass wir es mit sehr unterschiedlichen Figuren zu tun haben, die nun plötzlich aufeinander angewiesen sind und zugleich auch eine Gefahr darstellen. Manche sind sympathisch, andere total nervig und wieder andere kann man sehr schwer einschätzen. Schnell wird klar, dass diese Geschichte wohl keinen guten Ausgang nehmen wird. Die Jugendlichen können nur weiterkommen und einen Ausweg aus ihrer gefährlichen Lage finden, indem nach und nach einer von ihnen zurückbleibt und es nicht schafft.

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Brother SisterSieht man sich „Brother Sister“ vom US-amerikanischen Autor Sean Olin genauer an, so vermittelt das Cover schon einen guten Eindruck von der Stimmung des Buches: 2 Geschwister, die sich sehr nahe stehen und doch sieht man dem Mädchen die Sorge und Unsicherheit an. Es fühlt sich nicht wohl in seiner Haut und ist dann doch wieder angewiesen auf seinen Bruder und kann ihn zugleich nicht sich selbst überlassen.

Diese Beschreibung trifft ziemlich gut auf die Beziehung der beiden Geschwister in diesem dramatischen Jugendroman zu. Will und Ashley haben in ihrem jungen Alter schon viel mitmachen müssen. Ihr Vater hat sie vor einigen Jahren verlassen, worüber Ashley bis heute nicht hinweg gekommen ist und ihre Mutter ist Alkoholikerin. Will fühlt sich als älterer Bruder nun verantworlich für alles, vor allem für seine Schwester. Zugleich ist er mit seiner Rolle aber total überfordert und kommt auch mit gleichaltrigen Jugendlichen nicht zurecht. Er ist ein Außenseiter und seine einzige wirkliche Bezugsperson ist Ashley. Sie hingegen möchte ein ganz normales Mädchen sein und ihrer kaputten Familie ein Stück weit entfliehen. Ashley möchte tun, was Mädchen in ihrem Alter eben so machen – ausgehen, gemütliche Abende zusammen mit den anderen verbringen und unbeschwert sein. Doch dieses Glück bleibt ihr nicht vergönnt…

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Der Junge, der es regnen ließMit „Der Junge, der es regnen ließ“ ist dem in Schottland aufgewachsenen Autor Brian Conaghan ein außergewöhnliches und tiefgründiges Jugendbuch gelungen. Als Leser wird man auf eher ungewöhnliche Weise in die Handlung eingeführt. Aus Sicht von unterschiedlichen Personen – Schülern und Lehrern – lernt man die eigentliche Hauptfigur des Buches kennen: Clem!

Clem muss aufgrund des Jobverlusts seines Vaters von Irland ins schottische Glasgow ziehen. Ihn stört das nicht wirklich, er freut sich sogar ein bisschen auf diesen Neuanfang. Doch die neue Schule bietet für den gebildeten und nachdenklichen Jungen, mit dem für Schottland ungewöhnlichen Namen Clem, keinen leichten Start. Die anderen Schüler akzeptieren ihn nicht oder wollen zumindest nichts mit ihm zu tun haben. Sein merkwürdiger Akzent, sein Name, sein Interesse für Literatur – all das lässt ihn als Außenseiter dastehen.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

7038-01-Retrum.inddAls Christian seinen Zwillingsbruder bei einem Motorradunfall verlor, erlosch gleichzeitig sein Lebenswille. Die Schule, seine Klassenkameraden, seine Eltern, die nun geschieden sind – nichts ist mehr von Bedeutung für ihn. Der einzige Ort an dem er sich wohlfühlt ist der Friedhof.

Genau dort trifft er auch auf Retrum, eine Gruppe von drei Jugendlichen, die nichts geringeres als den Tod verehren! Chris ist von ihnen – vor allem von der hübschen Alexia – so sehr fasziniert, dass er die Aufnahmeprüfung auf sich nimmt, um zu ihnen zu gehören.

Doch die vier Jugendlichen lassen außer Acht, dass man mit dem Tod nicht spielen sollte…

Dieses Buch hat mich eindeutig unentschieden zurückgelassen. Einerseits gab es tolle Elemente, die mich wirklich gefesselt haben und deren Auflösung ich sehnsüchtig erwartet habe. Vor allem das Mysterium um Alexia konnte meine Neugier erwecken.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Krimi und Thriller Rezensionen

WunderOft lese ich Bücher und mag sie sehr gern. Doch selten lese ich ein Buch und kann nicht anders, als es wirklich zu lieben! „Wunder“ liebe ich!

Die US-amerikanische Autorin Raquel J. Palacio hat mit ihrem Buch „Wunder“ ein echtes Buchwunder geschaffen. Ich habe es aufgeschlagen und wollte nur mal kurz reinlesen, doch nach nur ein paar Seiten war ich schon mitten in der Welt von August, liebevoll Auggie genannt, angekommen. Bereits auf der ersten Seite entdeckte ich großartige Sätze, die mich als Leserin vollkommen begeistert zurückgelassen haben. Ihr müsst wissen, dass August schon seit seiner Geburt ein entstelltes Gesicht hat. Viele Operationen hat er hinter sich, doch das ändert nichts daran, dass die Entstellung bleibt.

August selbst sagt über sein Aussehen nur so viel und das reicht auch vollkommen aus:

„Ich heiße übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe.
Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.“

Immer wieder habe ich im Buch solche kleinen Stellen entdeckt, die mich zum Nachdenken brachten und mich häufiger schwer schlucken ließen. Denn wenn wir ehrlich zu uns sind, geht es sicher den meisten von uns so, dass wir uns im Umgang mit Menschen, die einfach etwas anders aussehen, oft sehr schwer tun. Das passiert nicht mal absichtlich, sondern unterbewusst und doch wird es von Menschen wie Auggie wahrgenommen.

Aktuell Jugendbuch Jungsecke Rezensionen

Nicht drücken!Siri, ihre Freundin Ivana und ihr Klassenkamerad Ole erleben hier ein wirklich unglaubliches Abenteuer. In ihrem Ort taucht eine Frau im Kimono auf und bringt zwei merkwürdige Kästchen mit Knöpfen mit, auf denen die Warnung „Nicht drücken!“ steht. Natürlich drücken die Kinder auf die Knöpfe und schon ist absolut alles anders: Die Hunde schnurren, auf Kühen wird geritten, alle Mädchen sind begeisterte Fußballerinnen, die Jungs dagegen Cheerleader, Bauarbeiter achten auf ihre schlanke Linie und die schicke Tante Petra vom Nagelstudio hat plötzlich einen Tattooladen. Das ist erstmal sehr lustig, aber irgendwann wollen Siri, Ivana und Ole alles wieder wie vorher haben.

Die Kimonofrau und ihre 2 Schwestern, die alle genau gleich aussehen, könnten alles wieder normal zaubern. Aber das wollen sie nur machen, wenn die Jungs gegen die Mädchen Fußball spielen – und gewinnen! Das ist aber gar nicht so einfach, denn die Mädchen sind verdammt gut, die Jungs spielen nicht gerne Fußball und die Kimonodrillinge trainieren die Mädchen wie die Profis. Dass die 3 Frauen auch noch Schiedsrichterinnen beim Spiel sind, ist auch nicht sooo gut. Ob die drei Freunde es schaffen, alles wieder normal zu kriegen? Ist es überhaupt toll, wenn alles wieder wie immer ist?

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