Unbeugsame Frauen

Die Schriftstellerin Katja Maybach hat mit ihrem neuesten Roman „Die Stunde unserer Mütter“ eine Geschichte über eine große Freundschaft zwischen zwei Frauen und ihren jeweiligen Töchtern geschrieben, die mich tief berührt hat. Zwei Frauen, so mutig und aufrichtig, dass man einen großen Respekt für sie empfinden muss.

Mitten im Zweiten Weltkrieg sehen sich Maria und ihre Schwägerin Vivien dazu gezwungen, zusammen zu leben. Sie bewältigen den Alltag in den schwierigen Zeiten und versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, obwohl sie es alles andere als einfach haben: Marias Mann, wie fast jeder andere Mann im Deutschland der 40er Jahre, kämpft an der Front, und Viviens Mann riskiert sein Leben, indem er Juden versteckt.
Maria und ihre Tochter Anna, und Vivien und ihre Tochter Antonia sind charakterstarke Romanfiguren, an die ich lange denken werde. Den Nationalsozialismus nehmen sie nicht als selbstverständlich hin und das Konzentrationslager, das praktisch vor ihrer Tür liegt, ignorieren sie nicht, wie es sonst Millionen Deutsche getan haben.

Weiterlesen Die Stunde unserer Mütter von Katja Maybach

Aktuell historischer Roman Rezensionen Roman

atb_Pitch_Picasso_Isa.inddFür Fans der Belle Époque

Pablo Picasso ist einer der größten und berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts. Wer zu seinem Freundeskreis gehörte, erhöhte dadurch automatisch seinen Bekanntheitsgrad, und seine Ehefrauen und Geliebten kennt jeder, der sich halbwegs für sein Leben interessiert. Aber offensichtlich gab es Kapitel in Picassos Leben, die, trotz großer Bedeutung für ihn, es nicht in jeder Einzelheit bis in die Öffentlichkeit geschafft haben.

1915, nach dem Tod seiner Geliebten Eva Gouel, einer Frau, von der man kaum etwas weiß, schrieb Picasso an Gertrude Stein, seine Freundin und Vertraute: „mein Leben ist die Hölle“. Wer war Eva Gouel, diese Frau, für die Picasso so tiefe Gefühle empfunden hat?

Anne Girard hat ein Buch über Eva Gouel geschrieben, eine Frau, die einen besonderen Stellenwert in Picassos Leben erreicht hat. Weiterlesen Madame Picasso von Anne Girard

Aktuell historischer Roman Liebesroman Rezensionen Roman Unterhaltungsliteratur

9783352008474Ein erschütterndes Geheimnis

Denkt man an das 19. Jahrhundert, denkt man oft zwangsläufig an idyllische Zeiten, an auf glamourösen Alleen flanierende distinguierte Menschen, und romantische Liebesgeschichten. Meistens vergisst man die andere Seite der Medaille: die Armut, die in den florierenden Städten herrschte, und von der die obere Schicht profitierte.
Das beste Beispiel für dieses im 19. Jahrhundert weit verbreitete System ist die Industrie.

In ihrem beindruckenden Roman „Leonore und ihre Töchter“ spielt eine für die Zeit typische Fabrik eine wichtige Rolle. In Ratingen, in der Nähe von Düsseldorf, stand die „Baumwollspinnerei Cromford“, die das Leben der Figuren in diesem Roman bestimmt hat.
„Leonore und ihre Töchter“ ist eine bewegende Familiengeschichte. Gina Mayer erzählt uns darin über ein erschütterndes Geheimnis, das sich fast ein Jahrhundert lang wie ein roter Faden in der Geschichte der Familie eines Düsseldorfer Tuchhändlers zieht.

Gina Mayer beschreibt das Treiben in der Baumwollspinnerei während der Anfangszeiten der industriellen Revolution in Deutschland und die unvorstellbar schlechten Arbeitsbedingungen, unter denen ganze Familien ausgebeutet wurden. Die Darstellung der Weltausstellung 1900 in Paris, wo ein Teil der Handlung spielt und bei der passenderweise die technischen Errungenschaften dieser Zeit ein wichtiges Thema waren, lassen die progressiven Methoden der Baumwollspinnerei obsolet wirken. 1900, das Jahr, in dem dieser Roman endet, ist auch von der Autorin ein sehr gut gewähltes Jahr. Der Anfang eines neuen Jahrhunderts hat einen großen symbolischen Wert.

Gina Mayer hat es geschafft, dass ich, obwohl kein Technik-Anhänger, gespannt über die Arbeitsprozesse in einer früheren Fabrik lese, und auch über die modernen technischen Attraktionen in der Pariser Weltausstellung staune.
Aber was mich am meisten beeindruckt hat, und das ist keine Überraschung bei einem Roman von Gina Mayer, ist die Entschlossenheit, die ihre Figuren charakterisiert, Figuren, die immer wieder für Spannung und Überraschungen sorgen. Es sind Charaktere, die Entscheidungen treffen, die nicht immer die richtigen sind, die lieben und hassen mit ihrem ganzen Wesen. Gina Mayer weiß genau, das alles so zu vermitteln, dass der Leser sich so frei fühlt, sich sein eigenes Urteil über deren Handeln zu bilden. Eines haben Gina Mayers Geschichten gemeinsam: Sie geben keine moralische Richtung an. Manche ihrer Figuren denken und handeln, wie man es auch im wirklichen Leben macht, ihre Gedanken und Gefühle sind nicht immer rein und altruistisch. Und gerade das macht das Lesen so spannend, denn, was gibt es Interessanteres als die Antwort auf die Frage, was einen Menschen treibt.

„Leonore und ihre Töchter“ ist ein ergreifender Roman, an den ich lange denken werde. Schauplätze, Handlung und vor allem die Charaktere sind absolut nicht einfach zu vergessen.

Die „Baumwollspinnerei Cromford“ in Ratingen hat existiert. Sie war sogar die erste Fabrik auf dem europäischen Kontinent außerhalb Englands. Heutzutage beherbergt diese ehemalige Fabrik ein Industriemuseum, das ich hoffentlich eines Tages besuche, und während ich durch die Räume spaziere, werde ich an die Menschen denken, die in dieser Fabrik hart gearbeitet und Gina Mayer als Inspiration für ihren Roman gedient haben.

Rütten & Loening
Klappenbroschur
464 Seiten
Erscheinungsdatum: 12. September 2014
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3352008474

Aktuell historischer Roman Rezensionen Roman

titusmüllerDie Geschichte von Arif, dem Sohn eines arabischen Hauptmannes, und Savina, einer jungen Christin, spielt in Kappadokien um 800 nach Christus. Da ein Krieg zwischen den Christen und den Muslimen herrscht, muss Savinas Volk sich in Höhlen vor den arabischen Nomaden verstecken. Für Savina ist es unerträglich unter der Erde zu leben, ohne den Himmel zu Gesicht bekommen zu können, und so schleicht sie sich eines Nachts hinaus zur Oberfläche – wo sie sofort dem jungen Arif begegnet. Schnell müssen die beiden merken, dass sie sich in Vielem geirrt haben. Arif ist nicht die mordende Bestie, wie Savina immer von den Arabern gedacht hatte. Und Savina ist keine gottlose Zurückgebliebene, wie Arif erkennen muss.

Gegen jede Vernunft verlieben sich die beiden Jugendlichen ineinander. Doch wie soll ihre Liebe existieren können, wo ihre Völker so verfeindet sind? Insbesondere jetzt, wo Arifs Vater droht in die Schlacht gegen Savinas Stadt zu ziehen… Weiterlesen Der Kuss des Feindes von Titus Müller

Aktuell historischer Roman Jugendbuch Rezensionen

knochenhausIm zweiten Band der ‚Die schimmernden Reiche‘- Saga von S. R. Lawhead findet Kit Livingstone eine Fortführung seiner abenteuerlichen Reisen durch Zeit und Raum.

Nach Cosimos und Sir Henrys fürchterlichem Tod machen sich Mina, Giles und Kit nun zu dritt auf die Suche nach Arthur Flinders-Petries sagenumwobener Karte. Dabei ist der bösartige Lord Burleigh ihnen mit seiner Gefolgschaft immer sehr dicht auf den Fersen! Wer wird zuerst die Karte finden können und damit unermessliche Macht erlangen? Das Schicksal der gesamten Welt könnte davon abhängen.

Nachdem mich der erste Band, Die Zeitwanderer, doch sehr mitreißen konnte, musste ich leider feststellen, dass Das Knochenhaus nicht ganz meinen Erwartungen entsprach. Das Lesen dieses Buches gestaltete sich für mich als langwierig und zäh, weil der Schreibstil etwas zu ausschweifend wurde. Besonders die letzten Seiten habe ich teilweise nur überflogen, weil ich mir keine ellenlange Beschreibung antun, sondern endlich zur eigentlichen Handlung kommen wollte. Der Schluss hat sich sehr vom ersten Band unterschieden. Während der Cliffhanger in Die Zeitwanderer meine Neugier weckte und mich dazu anregte den Folgeband zu lesen, hatte das Ende des zweiten Bandes den gegenteiligen Effekt. Weiterlesen Die schimmernden Reiche- Das Knochenhaus von Stephen R. Lawhead

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511YHLL2H7L._SL500_Imperium der Kokosnuss

Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Deutschland im 19. Jahrhundert eine Kolonialmacht war. Auch wenn von kurzer Dauer -nur ein paar Jahrzehnte- war Deutschland eines der größten (flächenmäßig) Kolonialreiche Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mehr als 20.000 Deutsche wanderten vor dem ersten Weltkrieg aus. Ihr Ziel war eine dieser Kolonien oder Schutzgebiete, im Koffer die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Einer von diesen Auswanderern war August Engelhardt, ein echter Aussteiger, ein Idealist. Seinen Traum hat er auf einer kleinen Insel im Pazifik verwirklichen wollen. Der Nudist und strenge Vegetarier hat sogar das „Imperium der Kokosnuss“ gegründet. Für Engelhart war die Kokosnuss der echte Stein der Weisen.

Der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht hat die Geschichte um August Engelhardt neu geschrieben.
Die meisten Figuren (wenn nicht doch alle) in Krachts Roman „Imperium“ um den Aussteiger Engelhardt haben existiert. Kracht verleiht ihnen ein neues Leben und die meisten werden nicht gerade als ehrenwert dargestellt. Weiterlesen Imperium von Christian Kracht

2012 Aktuell Gegenwartsliteratur historischer Roman Rezensionen Roman

Die junge Bretonin Ismae hat schon als junges Mädchen ein schweres Schicksal zu tragen: Als Baby im Mutterleib sollte sie abgetrieben werden, doch überlebt mit schweren Narben übersät. Ihre Mutter stirbt früh und ihr gewalttätiger Vater ist ihre einzige Familie. Als er sie für ein paar Münzen an einen ebenso brutalen Mann verheiratet, ist Ismae entsetzt.

Ihr gelingt die Flucht ins Kloster. Doch es ist nicht irgendein katholischer Orden, sondern der Orden des Heiligen Mortain. Er war im alten Glauben der Gott des Todes und gilt nun als Heiliger des Todes. Die Schwestern des Ordens werden in der Kunst des Tötens ausgebildet. Ismaes Gabe ist, gegen jedes Gift immun zu sein, und so darf sie der kräuterkundigen Schwester des Klosters beim Anmischen von Giften helfen.

Gleich bei ihrem ersten Auftrag lernt Ismae den bretonischen Adeligen Duval kennen. Er übt eine geheimnisvolle Anziehungskraft auf sie aus. Außerdem scheint er als Einziger ihre Tarnung zu durchschauen. Schade nur, dass Ismae die Klosterstunden über den Einsatz weiblicher Reize versäumt hat, als sie Tränke gemischt hat. Bei Duval kämen sie ihr sicher gut zu Pass. Ismae wird an den bretonischen Hof zu der jungen Herzogin der Bretagne, Anne, geschickt. Es gibt zahlreiche Personen, die auch Interesse am bretonischen Thron haben oder sogar gegen die Unabhängigkeit der Bretagne von Frankreich intrigieren. Dort trifft Ismae Duval wieder, der in die Ränke um den Thron verstrickt zu sein scheint. Als das Kloster Ismae den Befehl gibt, Duval zu töten, muss Ismae sich entscheiden… Weiterlesen Grave Mercy – Die Novizin des Todes von Robin LaFevers

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Dies ist eine Gastrezension von Maren (12) – vielen Dank!

Ein Fund, eine Reise durch die Zeit und das Leben steht auf dem Spiel.

Wie immer denkt sich die 17-jährige Caitlin, Cat genannt, nichts dabei, als sie sich den Halsreifen um den Hals bindet. Was soll denn dabei schon schiefgehen? Aber ein Zauberspruch auf einem alten, zerfetzten Stück Leder, das sie zufällig findet, kann alles ändern…
Plötzlich befindet sie sich auf einem ihr unbekannten Marktplatz mitten bei einer Hexenverbrennung. Was sie erlebt, kann sie einfach gar nicht wahrhaben. Aber es ist wahr. Sie ist im 17. Jahrhundert gelandet und muss einer Hexenverbrennung beiwohnen. Nicht genug, dass sie dabei zugucken muss, wie unschuldige Menschen ermordet werden, sie weiß auch nicht, wie sie zurückkommen soll.

Als Junge verkleidet macht sie sich dann auf den Weg, um nach der Lösung für ihr Problem zu suchen. Aber das ist nicht ganz so einfach, denn dann lernt sie die gleichaltrige Dorothea kennen, die ein Geheimnis hat, vor dem sich Cat hüten muss. Offensichtlich verbindet dieses Geheimnis die beiden Mädchen. Außerdem würde das auch alles schneller gehen, wenn der Kupferreif um ihren Hals nicht immer enger werden und er ihr nicht die Luft rauben würde. Weiterlesen Purpurmond von Heike Eva Schmidt

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Es ist nun einige Zeit vergangen, seit Jessamine sich von ihrer Krankheit erholt hat und ihre große Liebe Weed spurlos verschwunden ist. Natürlich ist nichts mehr wie früher ohne ihren geliebten Weed. Außerdem kennt sie nun das wahre Gesicht ihres Vaters und weiß um seine bösen Machenschaften, was sie zusätzlich belastet. Genau diesen Zeitpunkt wählt der böse Giftprinz, Oleander, aus, um Jessamine einen schlimmen Plan in den Kopf zu pflanzen: Sie soll ihren eigenen Vater vergiften. Bei diesem einen Mord soll es nicht bleiben, denn Oleander hat Großes vor und Jessamine soll ihm dabei helfen. Sonst wird sie Weed nämlich nie wieder sehen! Doch wird Weed überhaupt in der Lage sein sie noch zu lieben, nach all ihren Sünden? Und ist Oleander noch aufzhalten?

Während Die Posion Diaries 1 noch sehr ruhig und schleichend waren, ändert sich das Tempo in der Fortsetzung der Trilogie drastisch. Jessamine ist nun fast das komplette Gegenteil zu ihrem früheren Ich. Sie ist wild, skrupellos und bereit alles zu tun, um zu ihrem Weed zu gelangen. Dadurch ist das gesamte Buch einnehmender und interessanter. Zudem gibt es viel mehr Handlung in diesem Teil, was ebenfalls eine Verbesserung zum ersten Band darstellt. Weiterlesen Die Posion Diaries 2 von Maryrose Wood

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Hanni erlebt mit 15 Jahren den Beginn des zweiten Weltkriegs – ihre Welt und ihr Leben wird sich für immer ändern: Bald wird ihr großer Bruder Jürgen knapp zwanzigjährig eingezogen, danach Hannis Vater und ihr kleiner Bruder Alfred würde auch so gern gegen den Feind kämpfen.

Die zurückgebliebene Familie besteht aus Oma, Mutti, Hanni und Alfred, und natürlich Bobby, dem Hund. Sie wursteln sich so einigermaßen durch, doch sind heilfroh, als sie einen französischen Kriegsgefangenen bekommen können. Der soll ihnen so manch schwere Arbeit abnehmen. Statt eines großen starken Mannes kommt aber Philippe zu ihnen, ein schmächtiger junger Mann, der gern Musik studieren möchte.

Er ist ausgehungert und erst gar nicht in der Lage, einen Kartoffelacker anzulegen. Aber Oma und Mutti füttern ihn heraus und pflegen ihn auch gut, als er krank wird. Nach und nach entwickelt sich ein sehr gutes Verhältnis zwischen Philippe und Hannis Familie. Sogar der 12-jährige Alfred, der ja in der Hitlerjugend reichlich mit Vorurteilen gegen Ausländer im allgemeinen und Franzosen im Besonderen versorgt wird, beginnt Philippe zu mögen. Schließlich kann der auf Blättern pfeifen, bringt ihm das Schwimmen bei und kann sogar die französische Gebrauchsanweisung für Alfreds neue Kamera lesen! Alfred macht die Erfahrung, dass alle, auch Franzosen, Menschen sind, mit Müttern, mit Talenten, mit Humor und mit Persönlichkeit. Weiterlesen Au revoir, bis nach dem Krieg von Gudrun Pausewang

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