Schon lange hat John Green keinen neuen Roman mehr veröffentlicht. Nach dem riesigen Erfolg von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, das am 20. Juli 2012 auf Deutsch erschien, müssen Fans und Leser nun schon beinahe 5 Jahre auf Nachschub warten. Auch ich warte gespannt, was in Zukunft noch alles von John Green kommt. Für die Wartezeit hatte ich mir ein einziges älteres Buch des Autors aufgehoben: „An Abundance of Katherines“.

In letzter Zeit hatte ich immer häufiger Lust, mal wieder was von John Green zu lesen. Aber die Lesezeit mit 14 Monate altem Kleinkind ist aktuell knapp und auf das englische Buch im Regal hatte ich auch nicht so recht Lust. Da kam mir die Idee, dass ich mir doch einfach das Hörbuch bei Audbile runterladen und so entspannt beim Kochen, Aufräumen und Co. hören könnte. Gesagt, getan!

Schnell war ich in der Geschichte rund um Colin, Hassan, die verschiedenen Katherines und Lindsey drin und viel zu schnell war sie auch schon wieder vorbei. Insgesamt 5 Stunden und 2 Minuten durfte ich die Freunde in der Hörbuchfassung von „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ begleiten und habe jede Minute davon genossen. Es war schön mal wieder in eine Geschichte von John Green eintauchen zu dürfen, mit seinen jungen Romanhelden mitzufiebern und seinen ganz besonderen Humor zu genießen. Dem Autor ist hier ein Coming-of-Age-Roman mit glaubhaften Figuren gelungen, die nicht perfekt aber alle für sich besonders sind. Das mag ich an Johns Greens Geschichten sehr, dass jede Figur auch wirklich etwas zur Story beiträgt und nicht nur schmückendes Beiwerk ist.

Colin ist eine liebenswerte, nerdige Hauptfigur – einst ein Wunderkind, das sich schon mit 2 Jahren selbst das Lesen beibrachte – ist aus ihm nun doch kein Genie geworden. Als ewig Verlassener, der dem Wunderkindstatus entwachsen ist, bricht für ihn nach der Trennung von Katherine XIX. eine Welt zusammen. Er stellt sich selbst in Frage, weil er das Gefühl hat, nichts besonderes zu sein. Um nicht völlig den Boden unter den Füßen zu verlieren, wagt er mit Hassan einen Trip, der zu viel mehr wird als nur einer Reise, um sich etwas von seinem Liebeskummer abzulenken. Der Junge, für den alles möglichst berechenbar sein soll, wagt sich in ein spontanes Abenteuer und schnell muss er feststellen, dass das Leben und die Liebe nicht berechenbar sind, egal wie viele Theoreme er aufzustellen versucht. Ob am Ende auch eine dauerhafte Beziehung auf ihn wartet und ob Nr. 20 auch Katherine heißen wird, das sei an dieser Stelle nicht verraten.

Andreas Fröhlich hat mir als Sprecher für „Die erste Liebe (nach 19 vergeblichen Versuchen)“ super gefallen. Er bringt die nötige Jugendlichkeit mit und man lässt sich gern von seiner Stimme durch die Geschichte treiben. Für jede Situation trifft er den richtigen Ton, egal ob ernst, fröhlich, lustig oder nachdenklich. Das alles zusammen macht ein gelungenes Hörerlebnis eines Jugendromans, der authentisch aus dem Leben ganz normaler Jugendlicher erzählt.

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Die Kinder der „Grundschule Kirchreihe“ freuen sich über die Buchspende von Dani.

Vielen Dank, liebe Dani!

Diese Bücher können die Kinder ab sofort in der Schulbücherei ausleihen.

 

 

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Viele Frauen waren sicher schon mal in der misslichen Lage von ihrem Mann sitzen gelassen zu werden. Auch für Constanze kommt das in „Die Mütter-Mafia“ vollkommen unerwartet und mit allen Nebenwirkungen: sie ist plötzlich allein mit ihren zwei Kindern, eines davon – Nelly – stark pubertierend; sie muss umziehen, ins Haus der ehemaligen Schwiegermutter und dann sind da auch noch neue Nachbarn, neue Bekanntschaften anderer Eltern im Kindergarten und und und …

Constanze hat es also echt nicht leicht, und warum ihr Mann sie verlassen hat, das ist ihr ja mal gleich klar – da muss eine andere dahinter stecken, eine jüngere Frau! Er bestreitet das, aber nach einer Weile kommt doch heraus, dass es sie gibt: die Neue – Paris! Was für ein Name!!! Blond, gutaussehend, schlank, jung …

Während Constanze also mit den neuen Nachbarn kämpft, neue Freundschaften knüpft und plötzlich merkt, was es heißt allein über die Runden kommen zu müssen, vergnügt sich ihr Ex anderweitig. Um Anschluss zu finden, schließt sich Constanze zusammen mit zwei neuen Freundinnen einer Gruppe von Müttern an, die sich regelmäßig treffen und autauschen. Doch für Constanze ist das der reine Wahnsinn und Zickenkrieg pur. Was sich daraus wohl entwickeln wird? Und wie schafft sie es jetzt so allein klar zu kommen?

„Die Mütter-Mafia“ war eine locker leicht zu hörende Geschichte, die sich neben dem Sport super als Unterhaltung und Ablenkung eignete. Kerstin Gier hat ein tolles Gespür dafür, Alltagssituationen aufzudecken und mit ein paar kleinen Tricks zu etwas Besonderem zu machen. Besonders bedeutet in diesem Fall entweder lustig oder liebenswert. Denn eines sind die Figuren – zumindest die eine Hälfte auf Constanzes Seite – definitiv: sympathisch, chaotisch und einzigartig. Deshalb hat mir das Hören auch große Freude gemacht.

Die Story ist zwar nicht atemberaubend spannend oder bedeutsam, aber sie ist unterhaltsam und geht, so witzig und scheinbar stellenweise oberflächlich sie auch ist, doch auf Dinge wie Gerechtigkeit und Treue ein, die für jeden von uns wichtig sind. Daher ist es für nebenbei ein super Hörbuch, das absolut zur Entspannung und zum ein oder anderen Schmunzeln beiträgt.

Mirja Boes finde ich als Sprecherin für „Die Mütter-Mafia“ wunderbar, denn sowohl ihr Stimme als auch ihre Persönlichkeit passen perfekt zur Geschichte. Man könnte sie sich gut auch in einer Filmrolle als Constanze vorstellen – dieses Gefühl vermittelt sie über die komplette Zeit des Hörbuch hinweg, wodurch die Geschichte sehr realistisch wirkt.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
Sprecher: Mirja Boes
Spieldauer: 04 Std. 12 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2008

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Die Technik, gerade bezüglich Computern, entwickelt sich mit einem rasenden Tempo. Was gestern noch nicht möglich war, ist in ein paar Monaten vielleicht kein Problem mehr und es wird zur Zeit daran geforscht. Etwas ganz und gar Unerwartetes passiert Mike in „Rafael 2.0“. Rafael, das ist bzw. das war sein Bruder, denn er ist kürzlich an einer genetisch bedingten Krankheit verstorben, der auch schon seine Mutter erlag.

Nachdem nun also seine Mutter und sein Zwillingsbruder tot sind, ist Mike verständlicherweise total niedergeschlagen und in tiefer Trauer versunken. Hinzu kommt noch, dass sein Vater scheinbar kaum noch Zeitt für ihn hat und nur mit sich selbst beschäftigt ist. Aber er ist doch noch da – er lebt! Sieht er das denn nicht? Schon bald aber soll Mike herausfinden, womit sich sein Vater beschäftigt hat. Zusammen mit Rafael hat er vor dessen Tod ein ausgetüfteltes Computerprogramm entwickelt, das es in dieser Form noch nie gab. Eine lern- und kommunikationsfähige Kopie von seinem Zwillingsbruder ist es, die Mike auf dem PC seines Vaters entdeckt.

Nach dem ersten Entsetzen und der Bestürzung über diese Erfindung, lässt sich Mike doch auf das Programm ein, das er jetzt Raf 2 nennt, denn sein Bruder, so viele Ähnlichkeiten sie auch haben mögen, ist das nicht. Doch dann verschwindet Brian – Mikes Vater – und alles geht drunter und drüber. Wer steckt hinter dieser Verschwörung und was hat das alles mit Raf 2 zu tun? Mike muss schnellstens eine Lösung finden, braucht jedoch auch Hilfe – und das ist gar nicht so leicht, wenn man plötzlich scheinbar niemandem mehr trauen kann. Eine Verschwörung nimmt ihren Lauf, die eine immense Spannung und Sogwirkung erzeugt.

Karl Olsberg ist mit „Rafael 2.0“ eine tolle Geschichte geglückt, die zugleich modern und doch realistisch, aufregend und ernsthaft ist. Er schafft es hervorragend Themen wie Trauer und technischen Fortschritt in eine Krimihandlung für Jugendliche zu packen, die durchaus auch Erwachsene zu begeistern weiß. Besonders toll daran ist, dass er mit diesem (Hör)buch auch die männlichen Leser erreichen und mehr als nur zufrieden stellen wird. Denn es hat wirklich alles, was sich junge Leser ab 13 Jahren fernab von den üblichen Liebesgeschichten und Fantasy wünschen können.

Zunächst dachte ich, dass ich mich an Patrick Möllekens Art das Hörbuch zu sprechen nicht richtig gewöhnen könnte, aber das war falsch gedacht. Seine Stimme ist jugendlich und hat zugleich etwas träumerisch-nachdenkliches, was wunderbar zur Figur des Mike passte. Er zieht den Hörer ganz tief in die Gedankenwelt des Jungen hinein und lässt ihn so – nahezu am eigenen Körper – spüren, wie es Mike ergeht. Die Kombination aus Sprecher und Inhalt war hier also wirklich großartig, sodass ich „Rafael 2.0“ unbedingt empfehlen kann.

Einzig das Ende hat mich nicht komplett überzeugt, was ich jedoch nicht allzu schlimm fand, denn ich bin gern bereit mir darüber meine eigenen Gedanken zu machen und es mir eventuell für mich realistischer auszumalen. So viel Freiraum lässt es doch allemal.

Download-Version von Audible.de zum Preis von 10,95€ bzw. 9,95€ im Abo
ab 13 Jahren
Autor: Karl Olsberg
Sprecher: Patrick Mölleken
Spieldauer: 04 Std. 45 Min. (gekürzt)
Audioinhalt: Hörbuch
Anbieter: Lübbe Audio
Veröffentlicht: 2011

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