Das Tal Season 1.1 – Das Spiel von Krystyna Kuhn

Ein Tal, eine Eliteschule, viele hochbegabte Jugendliche, ein dunkler See und ein mächtiges Geheimnis: Das sind die Grundlagen des Grauens! Denn eins ist ab der ersten Seite von Das Tal – Das Spiel klar – dieses Buch ist nicht harmlos, es steckt voller Geheimnisse, Anspielungen, Mystik und Angst! Von Beginn an, weiß die Autorin Krystyna Kuhn zu fesseln und das über normale Maßstäbe hinaus.

Es beginnt damit, dass die Geschwister Julia und Robert Frost zum Grace College gebracht werden. Denn auch die Beiden sollen ab sofort auf dieses – angeblich einzigartige – Elite-College tief verborgen in den kanadischen Bergen gehen. Und bereits hier spürt der Leser eine extreme, unergründliche Angst bei den Geschwistern. Als würde mit jedem Meter, dem sie dem College näher kommen, eine mächtige und uralte Gefahr heraufbeschworen, der Julia und Robert einfach nicht entrinnen können.

Einem Psycho-Thriller gleich baut die Autorin die Spannung auf und als Leser braucht man schon Nerven wie Drahtseile, um nicht ab und zu aufgrund des Grusel-Effekts das Buch zu schließen und erstmal durchzuatmen. Denn Das Tal – Das Spiel bietet keine ruhigen Minuten oder gar Verschnaufpausen – weder für den Leser, noch für die Figuren. Man wird sofort tief in die Geschichte reingezogen und kommt selbst nach dem Ende nicht mehr heraus. In diesem Moment ist man dann froh, dass es noch mehrere Fortsetzungen geben wird und zugleich schleicht sich schon die nächste Gänsehaut im Nacken an. Eines ist nämlich ganz sicher: Der Thrill-Faktor dieses ersten Bandes ist so hoch, dass es definitiv nicht harmlos weitergehen kann. Besonders das Ende des Buches lässt einen unruhig und voller Fragen und Erwartungen zurück. Zwar ist Das Tal – Das Spiel an sich abgeschlossen, aber doch bleiben genügend Handlungsstränge für viele weitere Bände offen.

Nach Julias und Roberts Ankunft im Grace fällt es ihnen schwer sich einzuleben. Da gibt es etwas in der Vergangenheit der beiden, das ihnen ein Leben, egal an welchem Ort, wirklich schwer macht. Am Grace College – diesem düsteren und scheinbar ausweglosen Ort – ist jedoch alles noch schlimmer. Beide Geschwister werden von Alpträumen geplagt, sie können sich nicht richtig einleben und stehen erstmal als Außenseiter da, obwohl sie nur zwei unter vielen neuen Schülern sind. Krystyna Kuhn macht hier immer wieder Andeutungen, spielt mit der Furcht der Geschwister und des Lesers und verrät doch lange lange Zeit fast nichts. Ihr Talent, den Leser mit Möglichkeiten nervös zu machen, ist fantastisch! Sie bringt die Gedanken des Lesers in Wallung und lässt bei ihm das Gefühl zurück, er müsse selbst einen Fall aufdecken. Anfangs geht es vor allem noch darum, herauszufinden, was so Schreckliches in Julias und Roberts Vergangenheit passiert sein muss. Etwas unsagbar Grauenhaftes muss da geschehen sein, denn beide Geschwister tragen eine Maske mit sicher herum, die aufzudecken ein fataler Fehler sein könnte. Doch das ist noch nicht alles…

Richtig gruselig wird es, als die neuen Studenten sich auf eine geheime Bootshaus-Party schleichen – im Hauptgeschehen stehen hier Robert und seine 3 Zimmergenossen (David, Benjamin und Chris) sowie Julia und ihre drei Zimmergenossinnen (Katie, Debbie und Rose). Während alle anderen sich scheinbar amüsieren, springt Robert in den See und schwimmt los wie ein Verrückter. Niemand weiß, was in ihn gefahren ist, doch eins ist klar – er muss wahnsinnig geworden sein, oder aber etwas gesehen haben. Es gewittert nämlich und der See – wirkte er vorher auch noch so tot – ist nun voller Strudel und Strömungen. David springt ihm hinterher und soviel sei gesagt: Es wird ein Kampf ums Überleben. Später stellt sich heraus, das Robert ein Mädchen auf den Klippen gesehen hat, das angeblich ins Wasser gesprungen und nicht mehr aufgetaucht ist. Er wollte sie retten, konnte jedoch niemanden finden. Keiner der anderen glaubt Robert, denn schon vorher neigte er ja zu Aplträumen und verrückten Fantasien. Und doch ist in dieser Nacht ein Mädchen spurlos verschwunden, und zugleich kann es nicht das Mädchen sein, das Robert hat springen sehen. Warum? Hier sollte man nun wirklich selber in das Buch Das Tal – Das Spiel eintauchen…

An dieser Stelle angekommen, ist die Spannung wirklich zum Zerreißen und nimmt bis zum Ende hin stetig zu. Immer kommen neue Aspekte hinzu und mindestens genauso viele Geheimnisse. Was hat es nur mit diesem Ort auf sich? Was verbrigt dieses abgeschottete Tal? Wieso findet man es nicht auf Google Maps? Warum sind im See keine Fische? Alles an diesem Ort ist merkwürdig und erschreckend. Doch zugleich finden Julia und Robert – fast ohne es zu bemerken – auch Freunde. Dennoch behagt ihnen die Atmosphäre am Grace College weiterhin nicht – trotzdem sind sie nicht mehr allein. Die Frage ist nur: Wem können sie wirklich trauen? Denn ihre Vergangenheit sitzt ihnen im Nacken und niemand darf ja davon erfahren, doch da gibt es mindestens ein Problem…

Ganz ehrlich gesagt: Dieses Buch ist grandios! Es ist so viel besser als das ewige Thriller-Einerlei, denn es kommt ohne Massen an Blut und Gewalt aus. Trotzdem jagt es dem Leser Schauer über den Rücken und liest sich aufwühlender als jeder Psycho-Thriller. Nie ist man sich wirklich sicher, ob es sich noch um einen normalen Thriller handelt, oder ob hier doch etwas Unerklärliches lauert, eine Art Fantasy- oder Mystery-Geschichte, die nur noch hervorbrechen muss. Gerade dieses Unwissen, was da vor sich geht, macht den Reiz und zugleich den Horror von Das Tal – Das Spiel aus. Mit Sicherheit nämlich dreht es sich hier nicht um ein Kinderspiel, auch wenn „Das Spiel“ im Titel fast schon eine Verharmlosung darstellt. Besagtes „Spiel“ ist kein Kinderkram und lässt sicher selbst ältere Semester erschauern. Da verspürt auch der erwachsene Leser das Bedürfnis, nachts nochmal richtung Fenester zu leuchten und sich zu vergewissern, dass dort niemand steht und nur auf den passenden Moment wartet…

Das Tal – Das Spiel ist der gelungenste Serienauftakt, den ich seit langem gelesen habe. Von dieser Reihe darf man sicher noch viel erwarten und gespannt darauf sein, was in Zukunft Schauerhaftes am Grace College vor sich geht. Es ist ein einzigartig aufrüttelndes und greifbares Buch, das doch stets etwas im Verborgenen lässt. Greift man nach der einen Lösung, steht schon wieder die nächste Frage bevor. Wirklich prickelnd!

Krystyna Kuhn: Das Tal Season 1.1 – Das Spiel, Klappenbroschur, 9,95 €, 299 Seiten, Mai 2010, 978-3401064727, Arena Verlag, Würzburg

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