Nacht von Elena Melodia

Über den Inhalt des Romans Nacht kann ich erstmal nur raten: Vergesst was euch der Klappentext sagt und vergesst was innen auf dem Umschlag steht. Denn auf eine extrem romantische Teenager-Lovestory kann man da lange warten, auf Kitsch begegnet man hier schon gar nicht.

Es geht viel mehr um die mysteriösen Morde, die die siebzehnjährige Alma schon Tage vorher in ihren Albträumen erlebt. Gleichzeitig verändert sich auch ihr Privatleben dadurch drastisch, vor allem ihre Clique wird stark auf die Probe gestellt, da irgendwie jede ein Geheimnis zu haben scheint. Das größte Geheimnis stellt jedoch der Mitschüler Morgan für Alma dar, denn er weiß viel mehr über Alma als sie selbst. Und die Nacht ist gefährlich! Viel mehr hat man es hier also mit einem Mystery-Krimi zu tun, in einer düsteren Stadt, mit düsterer Stimmung und immerwährendem Regen.

Mit Alma ist man an eine sehr pessimistische Hauptfigur geraten, die ihr Selbstbewusstsein damit pusht, dass sie mit ihrer Schönheit gelegentlich der Männerwelt den Kopf verdreht. Ihre Heimatstadt scheint sie sehr zu hassen, eigentlich das Leben im Ganzen und nichts hat für sie einen wirklichen Reiz. Um ehrlich zu sein, hat sie nur wenige gute Eigenschaften, aber dennoch versteht man sie nach einer Zeit und fühlt mit ihr mit. Wegen des Klappentextes hatte ich das Bild einer naiven Vierzehnjährigen, die allseits beliebt ist, das Alphatier markiert und das hoffnungslos in den Mädchenschwarm verliebt ist im Kopf. Mir kommt es lächerlich vor, genau das in den Klappentext zu schreiben, was überhaupt nicht auf Alma bzw. dieses Buch zutrifft. Es kommt ja mal vor, dass ein Buch nicht ganz so ist, wie es beschrieben wird, aber dass man so krass einen falschen Eindruck erwecken kann, hätte ich nicht gedacht. Die Zielgruppe wird absolut verfehlt.

Die meisten der Figuren sind sehr gut herausgearbeitet und besonders Morgan konnte mich faszinieren! Den Schreibstil fand ich unkompliziert, angenehm zu lesen und flüssig. Die Story ist im Grunde auch sehr gut, doch ich habe mich das ganze Buch über gefragt: Worum geht es denn jetzt eigentlich genau? Um Drachen? Eine Sekte? Um übersinnliche Fähigkeiten? Geheimnisvolle Männer mit Hüten? Worauf will denn die Autorin jetzt hinaus? Wo sind die Antworten?

Und dieser Punkt könnte viele abschrecken: Nach den vollen vierhundert Seiten erhält man leider keine Antworten, sondern nur noch mehr Fragen. Das Buch endet mit einem fiesen Cliffhanger, weil man überhaupt keine Antworten, nicht einmal einen kleinen Trostspender bekommt. Enttäuschung ist da vorprogrammiert, gerade weil man immer noch nicht weiß mit was für einem Buch man es zu tun hat. Im Nachhinein kommt dann so ein Moment: ‚Wofür waren denn jetzt die vielen Lesestunden?‘. Als Leser hätte ich gerne wenigstens eine ‚Belohnung‘ bekommen, die den Durst stillt.

Aus Angst vor noch mehr Fragen und noch weniger Antworten verging mir auch die Lust auf eine Fortsetzung. Jedenfalls gibt es genügend Potenzial und ich hoffe, dass die Autorin das voll ausnutzt.

Wer der Meinung ist, dass er sich das zumuten kann, darf sich ruhig an Nacht trauen, doch der Rest sollte da etwas vorsichtiger sein. Trotz der Kritikpunkte würde ich dem Buch gut gemeinte 3 1/2 von 5 Sternen geben.

Pan Verlag
Übersetzt von Karin Diemerling
Gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten
Preis: 16,99€ [D]
ISBN: 978-3-426-28333-2
Originaltitel: Buio
Originalverlag: Fazi Editore
Ab 14 Jahren

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