Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen von Aimee Bender

In der Regel haben Buchtitel eher eine geringe bis gar keine Auswirkung darauf, ob ich ein Buch kaufe oder nicht. Der Inhalt muss gut klingen, der Schreibstil muss mir beim Anlesen gefallen und gegen ein hübsches Cover habe ich auch nichts einzuwenden. Nur Buchtitel sind mir bisher eher nicht und wenn doch, dann nach dem Lesen aufgefallen. Häufig stellt sich nach dem Lesen ja heraus, dass der Titel gar nicht zum Inhalt passt.

Ganz anders ist es bei „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“. Der wirklich großartige Buchtitel kam mir immer wieder in den Kopf und schnell war klar: dieses Buch musste ich lesen. Beim Lesen stellt man sehr schnell fest, dass er den Kern des Buches zu 100 Prozent trifft.

Dieser Roman über ein Mädchen, das im Essen schmeckt, was derjenige, der es zubereitet hat bei der Zubereitung gefühlt hat, ist wirklich zauberhaft. Schon allein die Idee zur Geschichte hat mich total begeistert. Man muss sich das nur mal vorstellen, wie interessant und zugleich unheimlich es wäre, zu wissen, was die Mutter, die Freundin oder der Koch im Restaurant beim Zubereiten des Essens gefühlt haben. Häufig kommen dabei nämlich Dinge zum Vorschein, die man lieber doch nicht gewusst hätte. So geht es auch Rose im Buch.

Abwesenheit, Traurigkeit, Verliebtheit, Schuldgefühle und all die anderen Emotionen von Menschen ständig im Essen zu schmecken kann schon sehr belastend sein. Deshalb steigt Rose daraufhin vorrangig auf Fertigprodukte und Chips um, aus denen sie zwar auch die Fabriken herausschmecken kann, in denen sie hergestellt wurden, aber das ist weitaus weniger schlimm, als dieses ständige Gefühlschaos ihrer Mitmenschen schmecken zu müssen. Davon wird ihr nämlich richtiggehend übel bis zur Unerträglichkeit.

Doch nicht nur Rose umgibt etwas ganz Sonderbares – auch der Rest der Familie hat ganz spezielle Eigenheiten. All diese Aspekte zusammen verleihen dem Buch seine Magie, lassen mitfühlen, trauern und vor Verblüffung staunen. Aimee Bender hat mit „Die besondere Traurigkeit von Zitronenkuchen“ ein wirklich einzigartiges Buch mit einer wunderbaren Sprache geschrieben. Wer in Sachen Literatur nur noch selten etwas wirklich Neues entdeckt, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Etwas derartiges habe ich wirklich noch nie zuvor gelesen und bin immer noch hin und weg.

Berlin Verlag
Aus dem Amerikanischen von Christiane Buchner und Martina Tichy
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
ISBN-13: 9783827009869
320 Seiten
Erscheinungstermin: 14. Mai 2011
Preis: 19,90€

Ein Kommentar

  1. Sabrina said:

    Ich habe den Anfang und Mittelteil des Buches geliebt, das Ende war dann aber nicht so mein Fall. Trotzdem fand ich das Buch insgesamt gut und die Ideen der Autorin sind wirklich toll.

    13. Januar 2012
    Reply

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