Stich ins Wespennest von D. E. Stevenson

„Ich brauchte Geld“

Arme Barbara Buncle! Ihre gut situierten Eltern, inzwischen verstorben, sorgten dafür, dass sie von den Dividenden leben konnte, denn in der postviktorianischen Provinz wird nicht gerne gesehen, wenn eine Tochter aus gutem Hause einer Arbeit nachgehen muss. Leider reichen die Dividenden mittlerweile nicht mehr zum Leben… denn Barbara Buncle lebt in den 30er Jahren und die Wirtschaftskrise kennt kein Pardon.
Also muss sich Barbara etwas einfallen lassen, um an Geld zu kommen. Ihre Haushälterin zu entlassen wäre eine Schande, ein Publikmachen ihrer schweren finanziellen Lage, und selbst arbeiten, undenkbar.

Die Lösung zu diesem Dilemma ist schnell gefunden: Barbara schreibt ein Buch.
Aber da sie der Meinung ist, dass sie keine Fantasie besitzt und nur über das schreiben kann, was sie kennt, wird ihr Buch eine Chronik über das Leben der Bewohner des kleinen englischen Dorfes Silverstream, in dem sie lebt.
Unter einem Pseudonym veröffentlicht sie das Buch.
Und das hat große ungeahnte Folgen!

1934 veröffentlicht D. E. Stevenson „Miss Buncle’s Book“ (auf Deutsch „Stich ins Wespennest“, im November 2011 neu veröffentlicht), das zu seiner Zeit ein großer Erfolg wurde.

„Stich ins Wespennest“ ist eine herrliche Satire des bürgerlichen Lebens in der englischen Provinz der 30er Jahre.

Während die Welt durch die Wirtschaftskrise zwischen zwei Weltkriegen erschüttert wird, leben die Bewohner Silverstreams ihr ruhiges Leben, das plötzlich durch das Erscheinen eines von vielen Bewohnern als skandalös empfundenen Buches ins Wanken gerät.

Dorothy Emily Stevenson (1892-1973), schottische Schriftstellerin, stammt aus einer berühmten Familie, zu der auch Robert Louis Stevenson („Die Schatzinsel“) gehörte. Das bürgerliche Leben war ihr überhaupt nicht fremd und sie scheint, mit ihrer Beschreibung der unterschiedlichen Figuren in ihrer Geschichte den Nagel auf dem Kopf getroffen zu haben: Die Persönlichkeiten sind authentisch, jede auf ihre Art unterhaltsam und jede von ihnen erweckt im Leser bestimmte Gefühle, genau so wie die Autorin es offensichtlich bezweckt hat.
Und genau das ist so schön!
Man freut sich und leidet mit den „Guten“ und entwickelt eine Abneigung gegen die „Bösen“ und jubelt jedes Mal, wenn sie eine Niederlage einstecken müssen.

D. E. Stevenson schafft es mit ihrem wunderbaren frischen Erzählstil, dass der Leser schon ab der ersten Seite in die Geschichte eintaucht. Situationskomik und Schlagfertigkeit bilden den roten Faden in diesem oh so schönen Buch.

Dass das richtige Gefühl auch in die deutsche Sprache übertragen wurde, ist der Verdienst des Übersetzers Thomas Stegers.

Als Beispiel folgende Szene (einfach klasse!). Barbara Buncle stellt sich ihrem Verleger vor. Als er sie fragt, warum sie das Buch geschrieben hat, was sie motiviert hat und was sie dabei empfunden hat, antwortet Barbara „Ich brauchte Geld“.
Keine langen Vorträge über Inspiration, Idealismus oder himmlische Eingebungen.
„Stich ins Wespennest“ ist eine Lektüre für böse trübe Wintertage.
Schon nach wenigen Seiten bekommt man gute Laune!
Das Cover allein ist ein Blickfang und fällt sofort ins Auge.

Zu diesem Buch schrieb D. E. Stevenson eine Fortsetzung: „Miss Buncle Married“, von der es keine Übersetzung ins Deutsche gibt.
An dem Buch wäre ich sehr interessiert, weil es von dem Leben von Barbara Buncle nach ihrem Erfolg als Buchautorin handelt, und dem Titel nach zu urteilen, auch über ihr Leben als verheiratete Frau erzählt.

„Stich ins Wespennest“ ist ein schönes Buch mit Gute-Laune-Garantie und einer angenehmen nachhaltigen Wirkung.

Manhattan
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
Erscheinungsdatum: 7. November 2011
Preis: EUR 17,99
ISBN: 978-3442546879

3 Comments

  1. Katrin said:

    Wunderschöne Rezi!
    Ich bekomme sofort Lust es zu lesen.
    LG

    22. Januar 2012
    Reply
    • Aba said:

      Das ist ja die Idee!
      Danke!!!!

      22. Januar 2012
      Reply
      • Katrin said:

        Hhhhhmmmm? 🙂

        22. Januar 2012
        Reply

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