Der Poet der kleinen Dinge von Marie-Sabine Roger

„Eine Woche vergeht schnell. Aber mehr ist auch nicht nötig, um ein Leben zu ändern“

Kennen Sie noch die kleinen Außerirdischen aus der kleinen US-Stadt Roswell? Nein? Aber an E.T. können Sie sich bestimmt erinnern…
Alex meint, Gérard sieht aus wie E.T., aber der Name „Roswell“ passt besser zu ihm, also nennt sie ihn einfach Roswell. Roswell ist erwachsen, aber hilflos wie ein Baby, denn er ist schwer behindert. Langsam erobert er das Herz der Einzelgängerin Alex: mit seiner kindlichen Naivität, seiner ehrlichen Begeisterung für die einfachsten Dinge im Leben und mit seinen Gedichten.

Und da sind auch Cédric und Olivier (der „Zackenbarsch“), die ganz unzufrieden mit ihren Leben sind. Zwei Freunde, die am Liebsten gemeinsam rumgammeln, um alle Verantwortungen aus dem Weg zu gehen.

Das Schicksal führt diese vier nicht ganz der gesellschaftlichen Norm entsprechenden Menschen zusammen, und daraus ist ein Märchen entstanden. Die Figuren: Aschenputtel (Roswell), die böse Stiefmutter (Roswells Schwägerin Marlène), die liebe Fee (Alex) und die zwei Kröten (Cédric und der Zackenbarsch), die ohne es zu merken, in Prinzen verwandelt werden.

Mit dieser, auf den ersten Blick gar nicht zauberhaften Besatzung, erzählt die wunderbare französische Schriftstellerin Marie-Sabine Roger mit „Der Poet der kleinen Dinge“ eine märchenhafte Geschichte, die mich zu Tränen gerührt hat.

Aus der Sicht von Alex und Cédric erzählt Marie-Sabine Roger über deren Erlebnisse in einer düsteren und absterbenden Kleinen Stadt in der französischen Provinz. Zwei verschiedene Perspektiven, manchmal sogar vom selben Ereignis. Der Leser bekommt also zusätzlich den vollen Durchblick in der Gedankenwelt der zwei Hauptfiguren.

Und Marlène… die frustrierte Marlène, deren Leben sich um Roswell dreht, oder sogar drehen muss, auch wenn sie es nicht will, aber sie hat keine andere Alternative, als ihre „Stiefmutter-Rolle“ zu spielen. Ich liebe diese Geschichten mit solchen markanten Figuren wie der bösen, ignoranten Marlène. Sie geben Erzählungen eine gewisse „Würze“. Marlène ist das „Extra-Bonbon“ in dieser Geschichte.

Es ist ein pures Vergnügen, Marie-Sabine Roger zu lesen. Sie schafft es, das Herz der Leser zu erreichen, und das mit Persönlichkeiten, deren Haupteigenschaft ist, dass sie ihren Platz in einer bürgerlichen, durchschnittlichen Gesellschaft nicht gefunden haben. Man muss sie lieben, sie haben es verdient, glücklich zu sein.

Wer dieses Buch liest, ertappt sich selbst beim Träumen, beim Träumen von einer besseren Welt, einer schöneren Zukunft. Dazu passt auf jeden Fall der französische Originaltitel „Vivement l’avenir“ viel besser.

„Der Poet der kleinen Dinge“ ist ein Buch, das glücklich macht. Zumindest mir ist es so ergangen.

Marie-Sabine Roger ist eine in Frankreich sehr bekannte Kinder- und Jugendbuchautorin. „Der Poet der kleinen Dinge“ ist ihr zweiter Roman für Erwachsene. Ihr erstes Buch in diesem Genre, „Das Labyrinth der Wörter“ (original „La Tête en friche“), wurde 2010 weltweit ein Bestseller und im selben Jahr erfolgreich verfilmt. In den Hauptrollen zwei Legenden der französischen Leinwand: Gisèle Casadesus und Gérard Depardieu.

Hoffmann und Campe
Gebundene Ausgabe
240 Seiten
Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2011
Preis: EUR 18,99
ISBN: 978-3455400953

3 Comments

  1. Katrin said:

    Tolle Rezi! Mir ist dieses Buch noch nicht aufgefallen, werde aber jetzt mal drauf achten. LG

    5. Februar 2012
    Reply
  2. Anne said:

    Oh…das hört sich toll an. Hab das Buch letzens schon im Laden entdeckt und wurde magisch davon angezogen. 😀 Schöne Rezi!

    9. Februar 2012
    Reply
    • Aba said:

      Danke!

      10. Februar 2012
      Reply

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