Das Wunder von Treviso von Susanne Falk

Das Dorf Treviso liegt in Norditalien, in Venetien. Es ist nicht zu verwechseln mit der Stadt Treviso in Venetien, die der Verwaltungssitz der Provinz Treviso ist. Im Dorf Treviso ist nie etwas los: Es gibt einen kleinen Supermarkt; ein Lokal, in dem man nur Nudeln mit Tomatensoße essen kann; eine schlechte Weinhandlung; einen Friseur; einen Markt am Samstag; eine Kirche, eine Grundschule und eine öffentliche Toilette. Einen Blumenladen gab es auch mal, aber der hat zugemacht.

Will man Blumen kaufen, muss man nach Castello della Libertá. In Castello ist auch sonst mehr los als in Treviso. Denn dort war zumindest einmal der Duce auf der Durchreise an andere, wichtigere Orte und hat immerhin drei Gläser Milch getrunken. Kein Wunder, dass diese Tatsache in Castello kräftig vermarktet wird: mit einem Duce-Hotel und einem Duce-Kuchen. Leider ist der Nachbarort Treviso völlig unbekannt. Daran wird sich auch nie etwas ändern, das wissen alle dort. Außer vielleicht ein Wunder?

Just so ein Wunder kreiert der Priester Antonio gemeinsam mit dem Holzschnitzer Salvatore. Eine alte Madonnenstatue aus den Beständen der Kirche wird präpariert, so dass sie per Fernbedienung dicke rote Tränen weint…

Und schon ziehen internationale Touristenströme nach Treviso, Fremdenzimmer werden eingerichtet, der Supermarkt wird aufgestockt mit Plastikkrempel aus Fernost und siehe da, eine Blumenhandlung macht auch noch auf. Sogar die Toilette wird neu gestrichen. Zunächst sind alle zufrieden mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, den es im Dorf gibt. Doch die Konkurrenz im Nachbardorf schläft nicht. In Castello wird man misstrauisch und strengt Nachforschungen an, auch der Vatikan will sich mit diesem Wunder näher beschäftigen. Außerdem macht der große Betrieb in Treviso auch viel Arbeit und die schöne Muße von früher ist dahin…

Ich habe „Das Wunder von Treviso“ sehr gern gelesen, und es übte eine große Faszination auf mich aus: „Wie kann das nur ausgehen?“, fragte ich mich mehr als einmal. Priester Antonio ringt mit seinem Gewissen, muss er doch für ein gutes Ende des Madonnenwunders sorgen, mit der das Dorf, der Vatikan und er selbst leben können. Auch eine zarte Liebesgeschichte fehlte nicht, denn als der Priester sich beim Tragen der Madonnenstatue einen Hexenschuss holt, kommt seine Schwester Maria, um ihn zu pflegen. Von jeher hegte sie eine Vorliebe für die Oper „Der Barbier von Sevilla“ und verguckt sich bald in Trevisos Friseur Luigi. Sie war auch gleich meine Lieblingsfigur, denn sie verfügt über großen Tatendrang, hat einen wachen Geist und viel Organisationstalent. Einen Erpressungsversuch erstickt sie im Keim und braucht dazu nur 3 Stunden, innerhalb derer sie noch einen Verwandtenbesuch unternimmt, sich neue Schuhe kauft und auf dem Markt einkaufen geht. Leider spielte sie nicht die Hauptrolle, von ihr hätte ich gern mehr erfahren!

Dieses witzige Buch empfehle ich all denen, die sich schon immer gefragt haben, was es wohl mit diesen weinenden Madonnen auf sich hat, von denen man immer mal wieder hört, Italien-Freunden und Fans von unterhaltsamen Romanen.

Kindler Verlag
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
256 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.07.2011
Preis: 16,95 €
ISBN: 978-3-463-40600-8

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