Unter allen Beeten ist Ruh‘ von Auerbach & Keller

Vom Regen in die Traufe

Ich liebe solche „Pech-Heldinnen“ wie Pippa Bolle. Ganz normale Frauen, keine erfolgreichen Geschäftsfrauen oder „Managerinnen“, die ihr Leben perfekt im Griff haben (und alle Menschen drum herum auch), obwohl diese „Normalen“ sich das eigentlich wünschen würden, so zu sein, aber in Wirklichkeit sind sie gar nicht dazu geboren. Natürlich haben sie ihre Ziele, lassen sich aber gerne von allen möglichen Sachen und Ereignissen ablenken. Sie sind in ihrer chaotischen Art und Weise liebenswert und auf jeden Fall sind sie ganz sympathisch.

Es ist auch klar, dass sie ständig in katastrophale Situationen geraten, als würden sie danach suchen!

Und so gerät Pippa Bolle in eine „verrückte Schrebergarten-Gesellschaft“.

Nach der Trennung von ihrem italienischen Frauenheld-Ehemann versucht Pippa wieder Fuß zu fassen. Ihre Eltern, eine englische Rose und eine Berliner Schnauze, helfen da, wo sie können: Sie gewähren ihr Unterkunft in ihrer großräumigen Wohnung in der Transvaalstraße 55, einem von Mietwohnungssuchenden sehr begehrten Mehrfamilienhaus im belebten Berliner „Afrikanischen Viertel“.

Pippa versucht ihren Erfolg als Übersetzerin… die Ruhe für ihre Arbeit findet sie nicht in der lebhaften Umgebung ihrer Familie: Immer wieder muss sie an den Festivitäten teilnehmen, die ihre Mutter im Hinterhof veranstaltet, immer wieder wird sie von ihrer Familie in Anspruch genommen, für die das Wort „Privatsphäre“ ein Fremdwort zu sein scheint.

Als der Vater ihrer Freundin Karin jemanden sucht, der auf sein Häuschen während einer längeren Europareise aufpasst, wittert Pippa ihre große Chance: Das besagte Häuschen liegt in einer Schrebergartenkolonie auf einer kleinen Havelinsel! Wenn das nicht die perfekte Gelegenheit ist, um endlich die ersehnte Ruhe zu erlangen, um ihre Arbeit zu erledigen!

Aber… die Idylle trügt… bald nach ihrer Ankunft auf die Insel merkt Pippa, dass auch so ein kleiner Fleck auch eine Welt für sich ist… und was für eine!

Und statt als Übersetzerin zu arbeiten, beschäftigt sich Pippa lieber als Insel-Detektivin, denn es passieren ganz merkwürdige Sachen während ihres Aufenthaltes…

„Unter allen Beeten ist Ruh’“ vom Autorinnenduo Auerbach & Keller ist Pippa Bolles erster Fall und eine schöne unterhaltsame Geschichte mit lustigen, originellen und skurrilen Persönlichkeiten, alle zusammen wie die Akteure in einer Komödie wirkend.

Wenn man das Bedürfnis nach guter einfacher Unterhaltung hat, kann man ruhig zu diesem Buch greifen. Ich zumindest habe es die ganze Zeit mit einem Dauerlächeln im Gesicht gelesen. Ab und zu hat mich ein bisschen gestört, dass die Autorinnen stellenweise zu oft bei den Dialogen die Sätze unvollendet ließen, aber im Ganzen haben die beiden einen flüssigen und netten Schreibstil, und darum geht es bei so einer „Wohlfühllektüre“.

Aus Pippa wurde ich aber nicht ganz schlau. Über ihr Aussehen und ihr Alter konnte ich mir kein richtiges Bild machen. Und auch wenn sie im Buch als modern und locker beschrieben wird, sieht die Figur auf dem (übrigens sehr schönen) Cover eher altbacken aus (falls die abgebildete Dame Pippa sein soll).

Auch der Name Pippa ist gewöhnungsbedürftig. Aber spätestens nach der Hochzeit von Will und Kate dürfte das kein Problem mehr sein.

Dieses Buch habe ich sehr gerne gelesen und ich freue mich auf weitere Geschichten rund um Pippa!

List
Taschenbuch
400 Seiten
Erscheinungsdatum: 15. April 2011
Preis: EUR 8,99
ISBN: 978-3548610375

Ein Kommentar

  1. Hans said:

    Nachdem ich die Ruhrpott-Krimis um Maggie Abendroth von Minck & Minck und dann die Loretta-Luchs-Krimis von Edda Minck mit großem Vergnügen gelesen habe, hatte ich Appetit auf mehr von dieser Autorin.

    Eigentlich hätte mich aber bereits das hanebüchene Pseudonym „Auerbach & Keller“ warnen sollen. – Die erste Pippa-Bolle-Geschichte war noch einigermaßen erträglich, obwohl die Charaktere einerseits klischeehaft (Bruder bei der Polizei) und andererseits mehr als an den Haaren herbeigezogen waren (Oma in England). Der Plot – na ja.

    Die Folgebände, mal verzweifelt anglophil („Dinner for one…“) und mal verzweifelt frankophil („Tote Fische…“) mit zufällig auftretenden deutschen und englischen Kriminalkommissaren an den jeweiligen fremden Schauplätzen und alle möglichen anderen Ungereimtheiten ließen dann aber endgültig mein Lächeln einfrieren und lösten stattdessen Kopfschütteln aus.

    Reim Dich oder ich freß Dich, dieses Arbeitsmotto scheint die beiden Autorinnen, die dann zu allem Überfluß auch noch a la Alfred hitchcock selbst in den Plot einstiegen, befeuert zu haben.

    Brenda, trenn Dich von Frau Keller oder Frau Auerbach, ich meine von Frau Mügge-Lauterbach und beschere uns eine neues Loretta-Luchs-Abenteuer. Oder auch Maggie Abendroth; das liegt noch was drin.

    Eure Pippa Bolle ist so glaubwürdig wie Ronald McDonald und gehört dahin, wohin auch Ronald McDonald entsorgt wurde: in die Mottenkiste.

    Hans.

    21. Juni 2015
    Reply

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