Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele von Suzanne Collins

Gleich zu Beginn möchte ich eine Behauptung aufstellen: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele ist wohl das spannendste Buch der letzten Jahre! Lassen das Cover und die gesamte Aufmachung – die übrigens wunderschön ist – vermuten, dass es sich um typische All-Age Fantasy handelt, liegt man damit völlig falsch. Dieses Buch stellt eine Welt dar, in der es kaum krassere Unterschiede zwischen Menschen, Lebens- und Verhaltensweisen geben könnte. Unter der Oberfläche brodelt es die ganze Zeit und genau dieses Temperament des Buches reißt den Leser so sehr mit.

Man stelle sich ein Land vor, das in 12 ganz unterschiedliche Bereiche – genannt Distrikte – eingeteilt ist. Distrikt 13 wurde bereits zerstört! Die Verhältnisse in den einzelnen Distrikten könnten unterschiedlicher kaum sein. Während in Distrikt 11 und 12 die Menschen am Hungertuch nagen, jagen gehen müssen, obwohl es verboten ist, und man das Gefühl hat, alles spielt im Mittelalter; lebt man anderswo mit mondernster Technik, die selbst für uns heute kaum vorstellbar ist. Die Autorin Suzanne Collins hebt von Anfang an diese krassen Differenzen hervor und als Leser empfindet man natürlich unweigerlich mit den ärmsten der Armen mit. Da kommen Väter in Kohleminen um und Kinder müssen plötzlich die ganze Familie allein ernähren und das unter solch widrigen Umständen – so auch Katniss!
Da haben wir auch schon die Protagonistin dieses Buches, die durch ihre Stärke, ihren Mut, aber auch ihre Mitgefühl und ihre Verletzlichkeit immer überzeugt. Trotzdem hat man nie das Gefühl ein überperektes Prinzesschen vor sich zu haben – niemals!

Wie der Titel Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele schon sagt, geht es in diesem Buch um Spiele um Leben und naürlich Tod. Es scheint, als würde sich der reiche und privilegierte Teil der Gesellschaft zunehmend langweilen, weshalb in jedem Jahr die sogenannten Hungerspiele stattfinden – ein Sepktakel, das vor allem durch seine Grausamkeit und Sensationslust hervorsticht. Und in jedem Jahr werden aus jedem Distrikt ein Junge und ein Mädchen ausgewählt, quasi per Losverfahren, die an diesen Hungerspielen teilnehmen müssen oder – der Ehre halber – auch teilnehmen wollen! Die „Auserwählten“ werden in ein abgegrenztes Areal gesperrt und müssen sich gegenseitig umbringen, denn nur wenn noch einer übrig bleibt, wird er zum Sieger gekürt und bringt seinem ganzen Distrikt Ehre und ein wenig Wohlstand ein. Aus Distrikt 12 hat schon jahrelang niemand mehr den Sieg davongetragen!

Wie man von Anfang an vermutet, trifft tatsächlich – wenn auch über Umwege – auf Katniss die schreckliche Wahl. Als männlicher Teilnehmer des 12. Distrikts muss zudem Peeta in dieses Todesspiel. Einst rettete er Katniss das Leben! Wie auch die anderen 22 Konkurrenten – alle Tribute genannt – müssen sie nun um ihr Leben kämpfen! Doch noch viel schlimmer ist: Um am Ende zu siegen, muss Katniss auch Peeta töten. Wie werden sich die beiden schlagen? Kommt es tatsächlich zu jener unverhofften Pattsituation, dass Katniss und Peeta vor der Entscheidung stehen, den jweils anderen zu töten?

Bereits zu diesem Zeitpunkt war ich total gebannt von dieser atemberaubenden und zugleich grausamen Geschichte. Ich habe mich unweigerlich gefragt, wer sich etwas so Furchtbares ausdenkt und wieso niemand rebelliert, sondern dieses Spektakel Jahr und Jahr begeistert verfolgt oder zumindest doch mit Schrecken ansieht. Die Lebenskämpfe der Tribute werden natürlich in aller Ausführlichkeit im Fernsehen ausgestrahlt, auch in den Momenten größter Verletzlichkeit, Trauer oder Angst!

Für Katniss und Peeta wird es auf jeden Fall eine Zeit des Schreckens und der Unsicherheit. Wie es sich lebt, mit der ständigen Gefahr, ein Messer im Rücken zu haben, verhungern oder verdursten zu müssen oder einen geliebten Menschen zu verlieren – das lässt Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele den Leser hautnah spüren. Man fühlt sich, als würde man selbst durch unwegsames Gelände laufen, sich verstecken, auf die „Gegner“ lauern oder endlich die rettende Nahrung oder Medizin finden! Es ist ein stetiges Hin und Her zwischen Anspannung und Erleichterung! In gewisser Hinsicht treibt Suzanne Collins also nicht nur ein Spiel mit den Figuren sondern auch mit den Lesern! Denn dieses Buch hält einen Gefangen und selbst am Ende fühlt man sich nicht sicher oder frei. Alles läuft geradewegs auf den zweiten Band Die Tribute von Panem – Gefährliche Liebe zu. Klar ist: Hat man das erste Buch gelesen, möchte und muss man sofort auch das zweite lesen!

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele überzeugt durch die unbändige Spannung, die einzigartige Story und natürlich all die unterschiedlichen Gefühle, die beim Lesen hervorgerufen werden. Und da kommen wirklich Emotionen aller Arten vor. Selten im Leben ist man – zum Glück – so aufgewühlt! Zugleich wurde ich nie den Gedanken los, dass Suzanne Collins mit diesem Buch mehr erreichen möchte, als eine atemberaubende Geschichte zu erzählen. Dieses Buch übt auf seine ganz eigene Weise Gesellschaftskritik aus – zwar scheint sie in dieser Form überzogen und auch nicht ganz so offensichtlich, doch sie ist meines Erachtens definitiv vorhanden und gerechtfertigt! Es wird gezeigt, wie extrem der Unterschied zwischen Arm und Reich werden kann, wenn man nur an sich selbst und den eigen Erfolg denkt. Leben die einen in mittelalterlichen Zuständen, schwelgen die anderen in größtem Luxus, und wer etwas davon abhaben möchte, der kann höchstens harte Strafen erreichen! Es setzt sich eine „Elite“ ab, die auch noch Befriedigung ihrer eigenen grässlichen Sensationslust such! Voller Begeisterung werden hier Menschen beobachtet und zur Schau gestellt, deren Leben mit größter Sicherheit fast vorbei sind. In ihren wehrlosesten Momenten kann sie jeder beobachten und das Ganze wird doch tatsächlich von einigen als Spiel angesehen – die Unterhaltungssendung des Jahres sozusagen! Hier wird ganz deutlich: Menschen können zutiefst grausam sein und das ganz ohne es selbst zu merken oder merken zu wollen.

Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele macht Eindruck und schockiert, ob der Rücksichts- und Mitleidlosigkeit vieler handelnder Figuren. Zugleich ist es ein Appell an die Menschlickeit und die Würde des Lebens! Perfekt versteht es die Autorin durch das Handeln und die Gespräche der Figuren all diese Aspekte zu unterstreichen und dem Leser knallhart vor Augen zu führen!

Dies ist ein in seiner Gesamtheit und Durchdachtheit perfektes Buch – grandios erzählt und ohne inhaltliche Fehler ist es weit mehr als nur ein spannendes Jugendbuch, sondern ob der Vielschichtigkeit absolut empfehlenswert!

Suzanne Collins: Die Tribute von Panem – Tödliche Spiele, Band 1, aus dem Amerikanischen von Sylke Hachmeister & Peter Klöss, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag,  17,90 €, 416 Seiten, August 2009, 978-3789132186, Oetinger Verlag, Hamburg

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