Das Land der verlorenen Träume von Caragh O’Brien

Bereits der erste Band der Reihe um das Mädchen Gaia – Die Stadt der verschwundenen Kinder – hatte mich tief in seinen Bann gezogen. Gerade ist bei Heyne fliegt endlich der 2. Band „Das Land der verlorenen Träume“ erschienen und dieses Buch hat es wirklich in sich. Gleich von Beginn an war ich noch mehr von der Geschichte begeistert, als schon beim Vorgänger. Caragh O’Brien hat ein großartiges Talent, den Leser in eine für ihn neue Welt zu versetzen und sie dabei ganz real erscheinen zu lassen!

Nach ihrer schnellen Flucht im Band 1 ist Gaia zu Beginn dieses Romans an ihrem körperlichen Ende angelangt. Noch schlimmer steht es um ihre Schwester Maya, die mehr tot als lebendig ist. Ihre Suche nach dem toten Wald hätte sie beinahe beide umgebracht. Doch sie werden von Chardo Peter gefunden und nach Sylum gebracht. Tatsächlich lebte dort einst Gaias Großmutter.

Das Leben in Sylum wird für Gaia nicht leicht, denn man nimmt ihr Maya weg und sie muss lernen damit zu leben, dass hier die Frauen bestimmen. In Sylum werden überdurchschnittlich wenige Mädchen geboren, sodass das Volk nach und nach auszusterben droht. Entsprechend hoch ist der Druck für die Bevölkerung und seine Matrarch, die ranghöchste Frau. Gaia findet das ganze System schrecklich und will sich nicht unterordnen. Zugleich nimmt sie aber ihre Arbeit als Hebamme wieder auf und versucht mehr über Sylum und das merkwüdige Ausbleiben von Mädchengeburten herauszufinden. Kann Gaia in Sylum glücklich werden und den dort lebenden Menschen helfen?

Die Bücher von Caragh O’Brien sind im aktuellen Hype der Dystopien eine absolute Entdeckung und Wohltat. Hat man das Gefühl, jede Dystopie gleiche der anderen und die Autoren lassen sich nichts wirklich Neues mehr einfallen, ist das hier ganz und gar nicht der Fall. Besonders die Bedeutung von Kindern für die Gesellschaft im Buch finde ich sehr interessant. Es wird ganz deutlich, wie wichtig Kinder für einen gesunde und funktionierende Gesellschaftsform sind.

Als Leser hat man Gaia sicher bereits im ersten Buch sehr ins Herz geschlossen, doch in der Fortsetzung ist sie einem noch näher. Entsprechend fühlt und leidet man mit ihr in jeder Situation mit und kann ihre Rebellion gegen Ungerechtigkeiten und ihren Willen glücklich zu leben förmlich in sich selbst spüren. Das 16-jährige Mädchen ist zugleich stark, klug, aber auch zerbrechlich und unsicher – für jugendliche Leserinnen ist sie bestimmt ein Vorbild. In ihrem jungen Alter musste sie bereits so viel durchmachen und erleben und trotzdem gibt sie niemals auf! Dass sie zudem nicht frei von Schwächen ist, macht sie besonders sympathisch.

Auch die Liebesgeschichte in „Das Land der verlorenen Träume“ gefällt mir sehr gut, da diese – gerade im Gegensatz zu vielen aktuellen Jugendbüchern – nicht so durchschaubar und weniger kitschig ist. Hierbei bemerkt man ganz deutlich den Einfluss der Regeln und Bräuche in Sylum auf Beziehungen zwischen Männern und Frauen. Glaubhaft erzählt die Autorin von Gaias innerem Konflikt in dieser heiklen Situation!

Caragh O’Briens dystopische Jugendbuchreihe ist ein mitreißendes Abenteuer für Jugendliche und Junggebliebene. Sie fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und lässt den Leser mit großen Erwartungen und Vorfreude auf die nächste Fortsetzung zurück.

Heyne fliegt Verlag
Originaltitel: Prized
Originalverlag: Roaring Brook Press
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
464 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-26728-2
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 24,50
Erscheinungstermin: 20. Februar 2012

2 Comments

  1. […] 1. Die Stadt der verschwundenen Kinder von Caragh O’Brien 2. Numbers – Den Tod vor Augen von Rachel Ward 3. Across the Universe von Beth Revis 4. Das Land der verlorenen Träume von Caragh O’Brien […]

    4. März 2012
    Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.