Mercy – Erweckt von Rebecca Lim

“And if I die before I learn to speak
Can money pay for all the days I lived awake
But half asleep?”
(Primitive Radio Gods, Seite 5)

Es ist Mercys Schicksal, immer wieder in einem neuen Körper aufzuwachen, den sie bewohnt, mit nur wenigen Erinnerungen an all die Menschenkörper, die sie zuvor bereits bewohnt hat, zwei Jahrhunderte schon. Souljacking, „Seelenraub“ nennt sich das – doch sie weiß nicht, wofür sie damit bestraft werden soll. Nicht einmal ihren Namen weiß sie, Mercy ist nur der Name, den sie sich selbst gegeben hat. In ihrem jetzigen Leben ist die Lela Neill, die in einem schäbigen Café arbeitet und das Studium abbrechen musste, um ihre todkranke Mutter zu pflegen. Sie erinnert sich nur vage an die Menschen, deren Körper sie zuvor bewohnt hat, was aber nur an der großen Anzahl liegt. Versucht sie sich jedoch, an ihr letztes Leben als Carmen Zappacosta zu erinnern, durchfährt sie ein Blitz und eine Explosion aus Wut und Schmerz – als ob sie sich nicht erinnern dürfte.

In Mercys Träumen erscheint ihr immer wieder Luc, für sie „das schönste Wesen der Schöpfung“ und ihr Geliebter vor langer Zeit, der sie wiederfinden will, was aber immer wieder von „den Acht“ verhindert wird. Damit er sie finden kann, soll sie nun den Menschen Ryan Daley suchen, den sie in ihrem letzten Leben als Carmen Zappacosta kennenlernte („Gefangen“).

Bevor jemand zu diesem Buch greifen will, empfiehlt es sich unbedingt, vorher den ersten Teil gelesen zu haben. Die Geschichte ist dann zwar immer noch verwirrend, aber dann findet man sich wenigstens besser in Mercys Welt zurecht. Ich hatte mich so sehr auf das Wiedersehen von Ryan und Mercy gefreut, weil ich die beiden liebe und gespannt war, wie es mit ihnen weitergeht, aber eines darf man nicht vergessen (und das kann man von den Inhaltsangaben nicht wissen), nämlich dass Luc eigentlich Mercys große Liebe ist und dass alles, was sie möchte, ist, wieder mit ihm vereint zu sein und nach Hause gehen zu können. Luc ist mir unsympathisch, weil ich ihn sehr egoistisch und engstirnig finde und weil er einen verborgenen Zug der Grausamkeit an sich zu haben scheint, und ich hoffe sehr, dass Mercy sich von ihm abwenden und sich für Ryan entscheiden wird, aber das wird ein sehr langwieriger Prozess.

Inhaltlich ist „Erweckt“ allerdings nicht so überzeugend wie „Gefangen“. Ich war selbst verblüfft, wie gut der erste Teil mir gefallen hatte, weil mich Jugendfantasybücher sehr selten überzeugen, aber Mercy stellte sich als überraschend sympathisch heraus und der Inhalt – die Suche nach Ryans vermisster Schwester Lauren – als erstaunlich packend. Als Lela hat Mercy allerdings nur nach Ryan gesucht und Lelas Mutter gepflegt, während sie in diesem schäbigen Café mit ausschließlich unfreundlicher Kundschaft arbeitete; besonders ereignisreich war es also nicht. Auch fand ich sie sehr naiv und blind, dass sie „das Verbrechen“, das im Klappentext genannt wird, nicht vorausgesehen hat.

Viele Fragen bleiben offen: Wer sind „die Acht“? Wo ist der Ort, den Mercy „zu Hause“ nennt? Und vor allem natürlich: Warum ist es ihr Schicksal, immer wieder neue Körper bewohnen zu müssen? Ich bin neugierig und gespannt auf die Antworten, die hoffentlich mit den Folgebänden kommen werden, und es ist toll, dass die Veröffentlichungen der Fortsetzungen so dicht aufeinanderfolgen.

Fazit: 2,5 von 5 Sternen. Aber ich bin überzeugt, dass Band 3 und Band 4 sich  wieder steigern werden.

Ravensburger Buchverlag
Aus dem Englischen von Ilse Rothfuss
gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
256 Seiten
Originaltitel: Exile
Erscheinungstermin: Februar 2012
Preis: 14,99€ [D]
ISBN: 978-3-473-36829-7

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