Chucks von Cornelia Travnicek

Hauptsache wir sind nicht allein

Eigentlich ist Mae eine ganz Liebe, auch wenn sie schon als junges Mädchen ein wildes Leben auf den Straßen Wiens führte, auch wenn sie sogar oft mit der Straßenbahn schwarz gefahren ist und sie ihre Mutter sehr lange nicht besucht hat.
Mae will leben, sie lässt sich nicht unterkriegen und ist sogar bereit, über ihr Leben und ihr eigenes Verhalten zu reflektieren… aber vor allem: Sie ist nicht gerne allein.

Mae ist die junge Heldin von „Chucks“, dem ersten Roman der auch jungen und sehr sympathischen österreichischen Autorin Cornelia Travnicek.

In „Chucks“ erklärt Mae dem Leser ihre innere Welt. Aber auch wenn sie in dieser Geschichte die Erzählerin ist, ist es nicht so einfach, sie zu verstehen.
Sie stellt uns Leser vor einer Aufgabe: Aus vielen Puzzleteilen muss man Maes Geschichte rekonstruieren. Die Lektüre erfordert Aufmerksamkeit, um zwischen den Zeilen die wichtigen Details zu erkennen, die uns den Weg zu Maes Herz frei machen. Aber auch Mae erobert unser Herz. Sie ist mutig, sie ist ehrlich und sie besitzt einen „Niedlichkeitsfaktor“, den sie zu ihrem Vorteil einsetzt, nicht nur bei den Menschen, denen sie begegnet. Auch außerhalb des Buches, bei uns Lesern, wirkt ihr Charme, ohne Zweifel.

Cornelia Travnicek hat eine schöne Geschichte rund um ein Mädchen und seinen Weg ins Erwachsenenwerden geschrieben. Und dieser Weg ist für dieses Mädchen alles andere als einfach. Auf der Suche nach Vorbildern landet es auf der Straße, kommt in Berührung mit Drogen und… mit dem Gesetz.

Der aufmerksame Leser wird am Ende die Seele Maes ergründen können und ihre Beweggründe verstehen, denn Cornelias Travniceks Schreibstil erfordert Mitarbeit und auf jeden Fall Offenheit. Sie bedient sich von kurzen und prägnanten Schlüsselworten, -sätzen und -szenen, die viel mehr sagen können als lange Kapitel oder ausführliche Beschreibungen von Situationen.
„Chucks“ ist eine Geschichte, die berührt und Mut macht. Und eine Liebesgeschichte ist dieser Roman auch, aber nicht unbedingt eine der gewöhnlichen Art, und auf jeden Fall mit einer überraschenden Wende.

Ich bin eine dieser Leserinnen, die aktiv wirken möchte bei der Zusammensetzung von Puzzelteilen in einer Handlung, in einem Buch zurückblättert, überlegt, zwischen den Zeilen liest, interpretiert. Dazu verleitet „Chucks“. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen und es hat mir Spaß gemacht „mitzumachen“.
Mein Lieblingssatz: „Das bin ich, sind wir, im Endeffekt: nicht gerne allein“.

Eine schöne Geschichte mit nachhaltiger Wirkung.
Sehr empfehlenswert.
Wegen der angesprochenen Thematik und der klaren, zum Teil schnörkellosen und gleichzeitig poetischen Sprache, auch Jugendlichen zu empfehlen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass dieses Buch im Schulunterricht einsetzbar ist.

Und warum dieser Roman den originellen Titel „Chucks“ hat… Einfach lesen und selber herauskriegen!

Deutsche Verlags-Anstalt
Broschiert
192 Seiten
Erscheinungsdatum: 5. März 2012
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3421045263

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