Ab jetzt ist Ruhe von Marion Brasch

Aus der Sicht der kleinen Schwester

Marion Brasch hat mir mit ihrem Debütroman   „Ab jetzt ist Ruhe“ unglaublich genussvolle Lesestunden beschert.
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes: Es ist die Geschichte einer Familie jüdischer Abstammung in der DDR, aus der Sicht der „kleinen Schwester“ erzählt. Eine Familie, die es nicht ganz so einfach hatte, trotz der Privilegien, die sie genossen hatte, denn der Vater war ein hoch angesehener Funktionär.
Warum diese Familie so war wie sie war, was deren Mitglieder bewegt hat, mit welchen Konflikten sie leben musste und mit welchen Vorurteile sie konfrontiert wurde, erfahren wir in diesem wunderschönen Buch von Marion Brasch.
Aber auch sehr viel Schönes lesen wir, denn nicht alles war negativ, nicht in dieser Familie, auch nicht in der DDR.

Marion Brasch schafft es mit ihrem Erzählstil, dass der Leser in ihre Geschichte eintaucht. Man fühlt mit dieser kleinen Schwester und man kann sich sehr gut ihre Welt vorstellen. Man begleitet sie auf ihrem Weg, der sie immer wieder zu ihrer Familie zurückführt, auch wenn sie sich oft das Gegenteil gewünscht und vorgenommen hat.

Während der Lektüre dieses Buches habe ich oft gelacht, dann wurde ich mal traurig, mal habe ich Hoffnung daraus geschöpft, mal war ich entsetzt und dann wieder solidarisch. Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, es fiel mir immer sehr schwer, Pausen während der Lektüre einzulegen. Es ist ein Buch, das eine (hauptsächlich) wahre Familiengeschichte erzählt, und das mich gefesselt und berührt hat, weil ich gespürt habe, dass die Melancholie in dieser Familie das überwiegende und gemeinsame Gefühl im Laufe deren Werdeganges war.

Etwas Interessantes in diesem Buch ist die Tatsache, dass die Meisten der Figuren keine Namen bekommen haben. Mir hat es Spaß gemacht, immer wieder zu überlegen, wer sich hinter der jeweiligen Beschreibung versteckt… und man erlebt so manche Überraschung…

„Ab jetzt ist Ruhe“ hat bei mir Eindruck und gleichzeitig eine Leere hinterlassen. Der Roman hat mich auch etwas traurig und nachdenklich gemacht…
Es war so ähnlich wie nach einem schönen Film, nach dessen Ende man noch lange im Kinosaal sitzen bleibt, den Abspann sehend, mit der Hoffnung, dass noch etwas kommt, das einem sagt, die Geschichte ist doch nicht zu Ende, aber irgendwann sind die Lichter an und man merkt, man ist ganz allein und das Leben geht weiter. So kann ich den Moment beschreiben, nachdem ich die letzte Seite gelesen und das Buch zugeklappt hatte.

Ich danke Marion Brasch für dieses Buch.
Ein Buch, das sie für ihre Tochter geschrieben hat und das wir auch lesen dürfen.

Fischer
Gebundene Ausgabe
398 Seiten
Erscheinungsdatum: 17. Februar 2012
Preis: EUR 19,99
ISBN: 978-3100044204

Ein Kommentar

  1. Katrin said:

    Wow! Eine wunderschöne Rezi…ich muss dieses Buch lesen!
    LG

    31. März 2012
    Reply

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