Wir zwei allein von Matthias Nawrat

Liebe oder Qual?

Matthias Nawrat hat mit „Wir zwei allein“ ein Buch geschrieben, das sehr gut schildert, was passieren kann, wenn zwei Menschen, die nicht unterschiedlicher sein können, und zusätzlich sehr unzufrieden mit ihren Leben sind, zusammen kommen und dabei denken, dass sie in einander verliebt sind. Das hört sich eigentlich ziemlich pathetisch an… ist es auch.

Ein Mann verliebt sich in eine Frau, von der er sich ziemlich sicher ist, dass sie seine Gefühle nicht erwidert; träumt von ihr und malt sich ein gemeinsames Leben aus. Bis eines Tages diese Frau ihn überrascht, indem sie ihm zeigt, dass sie eine Nacht mit ihm verbringen will. Was danach passiert, könnte sehr gut ein Kapitel des Psychologie-Klassikers „Grundformen der Angst“ von Fritz Riemann bilden.

Matthias Nawrat hat seine Geschichte vor den Kulissen des Schwarzwaldes spielen lassen. Seine Beschreibungen der Landschaft sind liebevoll und teilweise sogar leidenschaftlich. Seine Protagonisten sind mit der Heimat verbunden und vermitteln diese Liebe zum Schwarzwald.

Matthias Nawrats Schreibstil hat mich aber als Leserin nicht erreichen können. Ich habe auf jeden Fall seine poetischen Fähigkeiten anerkannt. Ich habe mich aber leider beim Lesen sehr konzentrieren müssen, weil ich immer versucht habe, mit dieser poetischen Sprache zurecht zu kommen. Ich werde immer schnell mit Metaphern überfordert. Erschwerend fand ich, dass der Protagonist (ein Ich–Erzähler) uns seine „Traumwelt“ sehr ausführlich schildert, was dem Roman oft eine surrealistische Note verleiht.

Wenn wir Einblicke in die reale Welt des Protagonisten und seiner Angebeteten haben, dann treffen wir zwei Menschen, die total unfähig sind, ihre Gefühle auszudrücken: ein Mann mit, meiner Meinung nach, schizoiden Zügen und eine Frau, die, so wie ich das laienhaft beurteilen kann, manisch-depressiv ist. Die ganze Atmosphäre wirkt dadurch träge, lethargisch, schwer. Die sparsamen Dialoge tun ihr Bestes dazu, um das Ambiente noch düsterer zu machen.

Wer wissen möchte, wie weit ein Mann gehen kann, um eine Frau bei sich zu behalten, wie viel er ertragen, dulden und schweigen kann, und wie viel eine Frau diesem Mann zumuten kann, ohne von ihm verlassen zu werden… der ist mit diesem Buch gut beraten. Auch diejenigen Leser, die Poesie zu schätzen wissen, werden Ihre Freude an diesem Roman haben.

Auch ich habe diesem Buch etwas Positives abgewinnen können: Ich habe mir vorgenommen, in den Schwarzwald zu fahren. Ich möchte gerne die Gegend sehen und versuchen, die Liebe der Romanfiguren zu dieser Landschaft zu verstehen.

Matthias Nawrat hat 2011 den ersten Preis beim MDR-Literaturwettbewerb für seine Kurzgeschichte „Arkadiusz Protasiuk“ erhalten.

Nagel & Kimche
Gebundene Ausgabe
192 Seiten
Erscheinungsatum: 27. Februar 2012
Preis: EUR 17,90
ISBN: 978-3312004973

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