Imageproblem von Anja Hilscher

Mut gegen negative Schlagzeilen

Der Islam hat ein Problem, und zwar ist das ein „Imageproblem“. Das behauptet Anja Hilscher.
Anja Hilscher ist eine Exotin. Die deutsche Lehrerin ist zum Islam konvertiert. Eine Entscheidung, die ihr Leben geändert hat.

Als deutsche Muslima ist sie in einer privilegierten Lage, die es ihr ermöglicht, das Leben aus zwei Perspektiven zu betrachten: aus der einer ganz gewöhnlichen deutschen Frau und aus der eines Mitgliedes einer (mittlerweile wachsenden) Minderheit der islamischen Religionsgemeinschaft.

Anja Hilscher fühlt sich nicht selten als Fremde im eigenen Land. Der Grund: ihre selbstbewusste und offene Botschaft an ihre Mitmenschen. Sie trägt ein Kopftuch und so signalisiert sie ganz deutlich, dass sie zum Islam steht. Und das in einem Land, in dem der Islam nicht gerade einen guten Ruf genießt. Und genau um diesen Ruf geht es in Anja Hilschers Erstlingswerk „Imageproblem“.

Der Zweck dieses Buches ist, dieses Islam-Image durch Aufklärung aufzupolieren. Keine einfache Aufgabe!
In unserer westlichen christlich geprägten Gesellschaft hat der Islam kein gutes Standbein. Kein Wunder, denn das Bild dieser Religion wird von Fanatikern, Terroristen und zwangsverheirateten Frauen bestimmt. Ein Bild, das mit Hilfe der Medien, schnell und effektiv verbreitet wird. Anja Hilscher möchte mit ihrem Buch „Imageproblem“ einen Beitrag leisten, um das verzerrte Bild des Islams zu korrigieren. Denn der wahre Islam ist alles andere als starrsinnig, dogmatisch und frauenfeindlich.

Beim Lesen dieses Buches habe ich mehrere Erfahrungen gleichzeitig machen können. Als Erstes ist mir natürlich die Titelseite aufgefallen: sehr schöne Farben und Aufmachung. Und der Untertitel: „Das Bild vom bösen Islam und meine bunte muslimische Welt“. Dann das Lesen. Bald habe ich gemerkt, dass dieser Untertitel und das Äußere dieses Buches nicht ganz so zum Inhalt zu passen scheinen. Da der Islam keine böse Religion ist, das wusste ich schon, und Anja Hilscher bemüht sich, dies auch zu belegen. Leider… ist wenig „Buntes“ drin, wenig Alltag, und das passt, meiner Meinung nach, nicht zum Titelbild und -text. Anja Hilschers Zweck, das falsche Bild des Islams zu revidieren, tut dies aber keinen Abbruch. Indem sie eine direkte und offene Sprache benutzt, schafft sie es zu schildern, und vor allem, was sogar noch wichtiger ist, zu vermitteln, dass der Islam eine tolerante Glaubensrichtung ist.

Trotz der persönlichen Motivation zur Entstehung dieses Buches, ist „Imageproblem“ ein Sachbuch zum Thema Islam. Für mich persönlich wäre ein Glossar sehr hilfreich gewesen, um eine flüssige Lektüre zu gewährleisten.

Die für mich beste Erfahrung aber war die Person Anja Hilscher selbst.
Sie ist eine sehr sympathische Frau, die sehr bemüht ist, Kontakt zu ihren Lesern zu halten. Sie teilt gerne ihre Erlebnisse mit und ist das beste Beispiel dafür, dass man seinen Glauben mit Freude und frei von Zwängen leben kann (und sogar muss!).

Frau Hilschers Mut, offen über ihre Religion zu reden, über eine Religion, die momentan einen sehr schlechten Ruf hat und permanent in den Medien präsent ist, muss man belohnen. Und das tut man am besten, indem man ihr Buch liest und sich eine eigene Meinung über ihre Ansichten bildet. Man muss ihr nicht in allem zustimmen, aber ich denke, das ist gerade das Reizvolle daran!

Gütersloher Verlagshaus
Gebundene Ausgabe
160 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. April 2012
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3579065762

Schreib als Erster einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.