Immer Ärger mit Opa von Brigitte Kanitz

Nele Lüttjens ist Anfang 30 und lebt seit dreizehneinhalb Jahren in München. Als Großstädterin fühlt sie sich ausgesprochen wohl, trägt schicke Designerkleidung und isst und trinkt nur vom Feinsten. In die heimatliche Lüneburger Heide ist sie in der ganzen Zeit kaum gekommen, hat doch damals ihre große Liebe Karl Küpper statt ihrer die blonde Heidekönigin geküsst.

In die wunderbare Großstadtidylle platzt Neles Opa Herrmann, der ihr dringend etwas erzählen will. Leider verstirbt der über neunzig Jahre alte „Heidjer“ (so heißen die Eingeborenen aus der Lüneburger Heide) noch im Treppenhaus. Schade eigentlich, dass Nele nun nicht weiß, was er ihr unbedingt erzählen wollte. Opa wird ordnungsgemäß im Krematorium in München eingeäschert. Nicht ganz ordnungsgemäß schnappt sich Nele seine sterblichen Überreste und überführt sie persönlich Richtung Norden. Pech nur, dass sie die Asche zwar eingetuppert und mit Adresse versehen hat, aber dann im ICE verschusselt.

In der Lüneburger Heide ist die verlorene Asche gar nicht mal Neles Hauptproblem. Nein, in Familie Lüttjens stimmt noch so manches nicht. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Familienmitglieder nicht viel miteinander kommunizieren. Da liegt einiges im Argen. Nach und nach kommt Nele mit Opas Hilfe über den Tod hinaus auch hinter das letzte und das allerletzte Familiengeheimnis. Nebenbei fühlt sie sich zwischen dem sympathischen Rechtsanwalt Paul Liebling und der Jugendliebe Karl hin- und hergerissen. Und die Lüneburger Heide ist dann doch nicht so schrecklich, wie Nele feststellt. Es gibt zumindest immer viele leckere Sachen zu essen und zu trinken. Merke: Es muss nicht immer Sushi sein.

„Warmherziges Lesevergnügen mit Gute-Laune-Garantie!“ verspricht ein sonnengelber Aufkleber auf dem Buch allen Lesern von „Immer Ärger mit Opa“. Das trifft es ziemlich genau, denn obwohl das Buch witzig und unterhaltsam geschrieben ist, wirkte es nie albern oder aufgesetzt auf mich. Die Familienprobleme werden nicht bagatellisiert oder lächerlich gemacht, sondern nach und nach aufgedeckt und erklärt. Alle Familienmitglieder waren mir sympathisch, obschon Oma Grete wirklich Haare auf den Zähnen hat. Meine Lieblingsfigur? Sicherlich Neles schwuler kleiner Bruder, der als Friseur Karriere gemacht hat und dessen viele zufriedene Kunden ihm gern den einen oder anderen Gefallen tun, z.B. Bahndaten preisgeben oder ihm Pferde leihen, wenn er gerade mal welche braucht.

Ein Rätsel war mir allerdings der Buchumschlag, auf dem ein älterer Herr an einer Bushaltestelle steht, in der Hand eine pinkfarbene Stehlampe. Hat das Symbolcharakter? Ist das Opa Herrmann, der Licht ins Dunkel bringen soll? Ich bin ratlos.

Ich empfehle das „Immer Ärger mit Opa“ allen, die eine unterhaltsame, aber nicht flache Lektüre suchen, für die Ferien, für ein verregnetes Wochenende, für eine Zugfahrt oder einfach so.

Blanvalet Verlag
Taschenbuch, Broschur
320 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-37869-2
€ 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50
Erscheinungsdatum: 8. Juni 2012

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