Mucksmäuschentot von Gordon Reece

Shelley und Ihre Mutter Elizabeth sind Mäuse – nicht so wie Minnie Mouse, die Freundin von Mickey Mouse. Nein, sie sind eigentlich Menschen, die sich aber so benehmen wie Mäuse: Sie huschen unauffällig durch ihr Leben. Wenn jemand sie grob behandelt, verschwinden sie schnell in ihrem Mauseloch und sie haben immer Angst.

Shelley war ein normaler Teenager, bis ihre einstigen Freundinnen sie nach allen Regeln der Kunst quälen: Mit Worten, mit kleinen Schubsern, und mit arger Gewalt, bis sie ihr Gesicht anzünden.

Zutiefst verletzt ziehen sich Shelley und ihre Mutter noch mehr zurück. Sie siedeln aufs Land um, weit weg von den Quälgeistern. Endlich ist das Leben wieder schön für die beiden. Sie lesen, musizieren und kochen leckere Sachen. Alles ist gut.

Bis ein Einbrecher ihre Idylle zerstört, just an Shelleys 16. Geburtstag. Als er sogar Shelleys Geschenk von ihrer Mutter mitnehmen will, reißt Shelleys Geduldsfaden. Ihr Leben und das ihrer Mutter ändert sich von Grund auf und für immer. Mehr kann ich leider nicht erzählen oder ich würde den grenzenlosen Lesegenuss an „Mucksmäuschentot“ verderben.

Ich habe diesen absolut spannenden und packenden Thriller in nur 2 Tagen ausgelesen, obwohl ich eigentlich gar keine Zeit hatte. Shelley schildert das Geschehen komplett aus ihrer Sicht und klingt manchmal regelrecht wehleidig. Es ist sehr quälend, über Shelleys und Elizabeths Leben als „Mäuse“ zu lesen. Sie lassen sich aber auch alles einfach gefallen, ohne auch nur einmal aufzumucken. Man schreit ihnen förmlich zu: „Nun sagt doch mal etwas dagegen! Das müsste ihr nicht ertragen!“ Gerade als ich dachte, dass ich es nun aber wirklich nicht mehr mit diesen beiden schlappen Mäuschen aushalte, wendete sich das Blatt und die Spannung steigerte sich ins Unermessliche. Man fiebert mit und hofft inständig auf einen guten Ausgang.

Was mir auch sehr gefiel, dass die „Mäuse- und Katzenmetaphern“ wirklich bis auf die letzte Seite durchgehalten werden – meisterhaft gemacht! Außerdem wird erzählt, dass Shelley sich nunmehr mit Hauslehrern auf ihr Examen vorbereitet. Als Thema hat sie Macbeth von Shakespeare. Auch Macbeth ist ein eher sanfter Mensch, in dessen Leben Gewalt eindringt, und Shelley kann sich zunehmend in seine Psyche einfühlen.

Ich empfehle dieses wunderbare Buch allen Freunden von wirklich gut geschriebenen Thrillern. „Mucksmäuschentot“ ist ein wenig blutig, aber nicht so, dass es Alpträume erzeugt. Die wenigen Gewaltszenen werden nicht um ihrer selbst ausgekostet, sondern sind notwendig für die Handlung.
Interessanterweise ist dies das erste Jugendbuch von Gordon Reece, er scheint bisher hauptsächlich Kinderbücher geschrieben und illustriert zu haben. Ich bin gespannt auf weitere Bücher von ihm, denn dieses hat mich total gefesselt.

Fischer FJB Verlag
Klappenbroschur
Preis: 13,99€
352 Seiten
ISBN 978-3-8414-2133-3
Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg

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