Die Ballade der Lila K von Blandine Le Callet

Mit „Die Ballade der Lila K“ ist der französischen Autorin Blandine Le Callet ein besonderer und tiefsinniger Blick auf eine mögliche Zukunft gelungen. Die Geschichte des Mädchens Lila spielt hauptsächlich zur Zeit des beginnenden 22. Jahrhunderts. Und das Leben von Lila aber auch das Leben allgemein ca. 100 Jahre in der Zukunft wird hier alles andere als rosig geschildert.

Die Autorin hat eine düstere und eindrucksvolle Dystopie für Erwachsene geschrieben, die sich stark vom aktuellen Trend der Jugendbuchdystopie abhebt. Mit viel Gefühl fürs wirklich Wichtige nimmt sie sich ihrer Hauptfigur Lila an und bringt sie dem Leser immer näher. Dabei erhält er eine Schilderung ihres kompletten Gefühlsspektrums und Lebensweges – Stück für Stück erfährt man mehr über sie und zugleich mehr über die Lebensumstände, die in dieser Zukunftsvision herrschen.

Lila wurde in schon recht jungen Jahren von ihrer Mutter getrennt. Dieser wurden aus bestimmten Gründen, die ich hier der Spannung wegen nicht näher erläutern will, die Erziehungsrechte entzogen. Daraufhin kommt das Mädchen in ein Heim. Doch dieses Heim ist ganz anders als das, was man sich heute darunter vorstellen kann. Ständige Kameraüberwachungen und Überprüfungen der einzelnen Bewohner bis ins kleinste Detail sind an der Tagesordnung. Regelkonformität ist oberste Priorität, sonst besteht die Gefahr auch bei Volljährigkeit nicht aus dem Heim zu kommen bzw. direkt in eine psychiatrische Einrichtung überwiesen zu werden.

Doch Lila hat noch schlimmere Probleme – sie plagt ein unerklärlicher Ekel gegen ’normales Essen‘, scheut nahezu jeglichen menschlichen Kontakt und hält sich am liebsten in dunklen, engen Räumen auf. Da hilft es oftmals nur die Luft so lange wie möglich anzuhalten und alles über sich ergehen zu lassen. All das rührt aus Lilas Vergangenheit her, die es für den Leser und auch für Lila im Buch nach und nach zu entschlüsseln gilt, denn sie kann sich an kaum etwas erinnern. Nur 2 Dinge scheint sie wirklich zu wollen: ihre Mutter wiederfinden und dieses köstliche Essen aus ihrer Kindheit noch einmal probieren.

Blandine Le Callet hat mit „Die Ballade der Lila K“ einen ganz erstaunlichen Roman geschrieben, etwas in dieser Form hatte ich zuvor noch nicht gelesen. Die bedrückende Stimmung und das Leben im Heim, Lilas Ängste und Nöte werden so realistisch dargestellt, dass man sich beinahe in der selben Situation wie sie fühlt – bewacht, beobachtet, bevormundet! Und alles wird von der allgegenwärtigen Frage überdeckt: Wieso? Trotz der scheinbaren Hoffnungslosigkeit und Lilas Problemen sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden, erzählt dieses Buch eine Geschichte über den Mut sich selbst zu finden und zu sich zu stehen, nie die Hoffnung bei scheinbarer Chancenlosigkeit aufzugeben und die Kunst des Verzeihens.

Mit einer interessanten Hauptfigur und deren Lebensgeschichte, düsteren Visionen einer möglichen Zukunft sowie viel sprachlichem Feingefühl überzeugt „Die Ballade der Lila K“ auf ganzer Ebene! Lasst euch dieses Buch nicht entgehen und taucht ein in Lilas außergewöhnliche Lebenswelt!

Ullstein Verlag
Hardcover mit Schutzumschlag
Übersetzung: Aus dem Französischen von Patricia Klobusiczky
Originaltitel: La Ballade de Lila K
Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 27,90
ISBN-13: 9783550088711
Erscheinungsdatum: 09.03.2012

2 Comments

  1. Denise said:

    Sehr schöne Rezension 🙂 Das Buch ist somit gleich auf meinen Wunschzettel gelandet 😉

    7. Juli 2012
    Reply
  2. Katrin said:

    Das Buch hört sich klasse an…ab auf die Wunschliste! Schöne Rezi! LG

    8. Juli 2012
    Reply

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