Sommerhaus, jetzt! von Oliver Geyer

Ein Traumhaus, 13 Eigentümer

Oliver Geyer hatte einen Traum: ein eigenes Wochenendhaus an einem See. Nicht zu weit weg von der Großstadt, denn ganz darauf verzichten möchte er auch nicht. Diesen Traum teilte er mit 12 Freunden; gut – diesen Traum teilt fast jeder eigentlich mit der halben Menschheit, es sind ja auch nicht wenige auf der Welt, die von einer Sommer- oder Ferienresidenz träumen. Oliver Geyer hat sich aber zusammen mit seinen 12 Freunden den Traum verwirklicht, indem sie gemeinsam ein Haus gekauft haben.
Man könnte denken, da ist Chaos vorprogrammiert… und… das stimmt auch. Chaos ist die Devise!

Aber ist so ein Unternehmen überhaupt möglich? Müssen die Teilnehmer dieser „Traum-Realisierungsgesellschaft“ zwingend über eine besondere Bereitschaft zu Kompromissen verfügen?
Die Antworten auf diese Fragen gibt uns Oliver Geyer in seinem Buch „Sommerhaus, jetzt!“, das er sicherlich während seiner zahlreichen Mußestunden auf der Gartenbank vor dem Traumhaus geschrieben hat.

Oliver Geyers Buch ist ein detaillierter Bericht über dieses außergewöhnliche und abenteuerliche Projekt. Er beschreibt mit viel (Galgen)Humor Erfolge und Niederlagen während der Realisierung des Projektes „Sommerhaus“. Der Humor ist offensichtlich ein wichtiger Bestandteil seines Berichtes. Und während der Leser sich in der Lektüre vertieft, wird ihm immer deutlicher, warum das so ist: Hätte Oliver Geyer alles todernst genommen, wäre er bestimmt nicht in der Lage gewesen, so lange auszuhalten, bis das Ergebnis so harter Arbeit sichtbar wurde. Denn der Erwerb des Hauses war doch nicht das ersehnte Ziel, sondern der Anfang eines langen komplizierten Weges: Das Haus musste saniert und renoviert werden… bei 13 Bauherren (und -frauen) kein leichtes Unternehmen.

An Oliver Geyers Schreibstil muss man sich gewöhnen.
Was am Anfang als etwas zu übertriebene Schlagfertigkeit empfunden wird, wird bei fortgeschrittener Lektüre ein Medium zum Verstehen und Begreifen der ganzen Situation, in der der Erzähler sich befindet: des absoluten unbegabten Handwerkers, der seinen Platz im Konzept „Sommerhaus“ sucht.
Folgen dieser Ungeschicklichkeit sind sehr lustige Szenen, bei denen man lachen muss, obwohl Mitleid auch im Spiel ist.

Ein für mich sehr schöner Aspekt dieses Projektes war die „Begegnung zweier Kulturen“ Unsere Sommerhaushelden haben ihren Hauptwohnsitz in Berlin und stammen überwiegend aus dem westlichen Teil Deutschlands. Das ausgewählte Wochenendhaus liegt eine Stunde Fahrt weit von Berlin, also in Brandenburg. Man spürt die Unterschiede, nicht nur zwischen Stadt- und Landbewohnern, sondern auch das latente Misstrauen, das, sogar nach mehr als 20 Jahren Mauerfall, zwischen West- und Ostdeutschen vorhanden ist.
Ob und wie diese Differenzen aufgehoben wurden und was für einen gesellschaftlichen Rang Oliver Geyer und seine Freizeit-Mitbewohner in diesem brandenburgischen Fleck erreicht haben, kann man auch in „Sommerhaus, jetzt!“ erfahren.

Vielleicht hören wir bald wieder von Oliver Geyer und seinen Mitbewohnern? Ich würde mir einen Bildband wünschen! Mit vielen Fotos von der Gegend und vor allem natürlich von dem Sommerhaus!

Blanvalet
Broschiert
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. März 2012
Preis: EUR 12,99
ISBN: 978-3764504274

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