Düsteres Verlangen – Die wahre Geschichte des jungen Victor Frankenstein von Kenneth Oppel

Von Frankenstein haben wir wohl schon alle gehört. Ein düsterer Typ, der versucht, in seinem Keller einen Menschen zu erschaffen: Frankensteins Monster.

In diesem Buch finden wir endlich heraus, welche Vorgeschichte Victor Frankenstein hat und was ihn antreibt. Victor, sein Zwillingsbruder Konrad und ihre Cousine Elizabeth leben zusammen im Schloss der Familie. Sie werden von Victors und Konrads Vater sowie ausgewählten Hauslehrern unterrichtet. Auch der in der Nähe lebende Henry Clerval gehört zu dieser Lerngruppe. Victor sieht sich im Schatten seines immerhin zwei Minuten älteren Bruders Konrad. Er hält ihn für besser, freundlicher, sanfter, schließlich lieben alle ihn. Victor selbst, ein impulsiver, leidenschaftlicher Typ, bringt die Leute eher gegen sich auf. Henry ist ein Feingeist, er profitiert von seiner großen Phantasie, schreibt sogar Theaterstücke. Alle drei lieben sie Elizabeth, die schöne, lebhafte und anziehende Ziehschwester der Brüder Frankenstein. Doch sie sieht Victor und Henry nur als „Brüder“ und liebt nur Konrad.

Als Konrad an einem eigenartigen heftigen Fieber erkrankt und seine Kräfte schwinden, beschäftigt sich Victor mit Heilungsmöglichkeiten. Schlechter als der Hausarztz kann er es auch nicht machen, denkt er sich. Denn der lässt den armen Konrad eigentlich nur zur Ader, was nicht gerade hilfreich ist. Konrad entdeckt in der „Dunklen Bibliothek“ des Schlosses ein Rezept für das Elixier des Lebens. Er ist davon besessen, es für Konrad herzustellen. Allerdings: Wenn Konrad lebt, dann ist Elizabeth für Victor verloren…

Dieser Roman ist wirklich richtig spannend. Die Figuren sind sehr sympathisch und ihr gemeinsames Bemühen, alle Zutaten für das Elixier zu besorgen, ist sehr aufregend. Schließlich müssen sie dafür mitten in der Nacht auf die höchsten Bäume klettern, in eine tiefe Höhle tauchen und zum Schluss sogar einen Teil von sich hergeben. Am sympathischsten war mir persönlich Henry. Er ist zaghafter als der abenteuerlustige Victor und die mutige Elizabeth. Seine Phantasie reiche ihm aus, er würde unten am Baumstamm stehen bleiben und wachen, er könne am Eingang der Höhle bleiben, alles andere könne er sich auch prima selber ausmalen. Doch am Ende der Geschichte wächst er regelrecht über sich hinaus und beweist Scharfsinn und Durchsetzungsvermögen. Er ist ein Antiheld, der sich zum Schluss beweist, ähnlich wie Neville Longbottom in den Harry-Potter-Romanen.

Das Ende der Geschichte war, angesichts der Dinge, die man ja schon über Frankenstein weiß, voraussehbar. Trotzdem blieb es bis auf die letzten Seiten spannend. Allerdings ist das nichts für Zartbesaitete, denn es geht mitunter recht blutig zu. Weil ich, wie Henry, über genügend Phantasie verfüge, hab ich diese Seiten schnell überblättert.

Da die Geschichte mit dem Ende des Buchs noch kein zufriedenstellendes Ende gefunden hat, nehme ich an, dass es Fortsezungen geben wird. Vermutlich zwei, denn Kenneth Oppel scheint Experte für Trilogien zu sein, wie seine beiden bisher veröffentlichten Reihen (WolkenpantherWolkenpiratenSternenjäger und SilberflügelSonnenflügelFeuerflügel) beweisen.

Interessant fand ich, dass der englische Titel „This Dark Endeavour“ soviel bedeutet wie „Dies dunkle Bestreben“ abgeändert wurde. „Verlangen“ verkauft sich wohl besser als „Bestreben“. Ich empfehle „Düsteres Verlangen“ allen Freunden von spannender Fantasy, die sich gerne auch mal gruseln.

Beltz & Gelberg Verlag
Preis: 16,95 €
Übersetzt aus dem Englischen von Gerold Anrich
ISBN 978-3-407-81121-9
1. Auflage 2012
384 Seiten
Gebundene Ausgabe
Ab 12 Jahren

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