Die Flammende von Kristin Cashore

Kristin Cashores Talent, Gefühle und damit Figuren lebendig werden zu lassen, ist es, das mich so sehr bei ihren Büchern fasziniert. „Die Beschenkte“ war bereits ein großartiger Jugendroman über Mut, Freundschaft, Liebe und Gerechtigkeit. All das hat auch „Die Flammende“, und außerdem erzählt das Buch eine ganz neue, einzigartige Geschichte. Abermals nimmt die Autorin den Leser mit in eine fremde Welt, die während des Lesens schon bald zur eigenen wird und deren Figuren man lieben lernt.

Die Handlung dieses zweiten Romans ist einige Jahrzehnte vor „Die Beschenkte“ angesiedelt und abermals geht es um einen Ort, der durch Machtspiele und Intrigen für kaum jemanden sicher ist. Zwischen den Königreichen  in den Dells bahnt sich ein Krieg an und Fire – die Flammende – ist eine wichtige „Spielfigur“ darin. Die 17-Jährige ist ein menschliches Monster, nur sind Monster bei Kristin Cashore nicht das, was man sich überlicherweise darunter vorstellt. Monster gibt es in jeder Tierart, doch Fire ist das einzige menschliche Monster. Sie unterscheiden sich von „normalen“ Lebewesen durch ihre außergewöhnliche Schönheit und Farbenpracht. Zudem haben sie auf Menschen wie Tiere eine immense Anziehungskraft. Doch Fire kann noch mehr: Sie spürt die Gedanken und Emotionen der Menschen um sich herum und kann sogar Einfluss auf deren Gedanken, Handlungen und Gefühle nehmen. Auch ihr Vater Cansrel konnte das, nutze seine Gabe aber gegen andere aus. Nur Fire liebte er wirklich.

Fire will nicht so werden wie ihr Vater und versucht sich möglichst verdeckt zu halten, hat sich sogar geschworen, nie das Bewusstsein anderer Menschen zu beeinflussen. Doch bald muss sie ihre Einstellung überdenken, als das Reich des jungen Königs Nash in einen Krieg zu geraten droht, in dem sich, so scheint es, alle anderen gegen ihn und sein Königreich verbündet haben So reist Fire an Nashs Hof, lernt dessen Bruder Brigan, aber vor allem auch neue Freunde kennen. Fires Aufgabe soll es nun sein, herauszufinden, was die Gegner des Königreichs vorhaben, doch das stellt sich als komplizierter als vermutet heraus. Trotz der Furcht vor dem kommenden Krieg, entwickelt sich für Fire auch viel Positives. Plötzlich sind Freunde und vor allem die Liebe dort, wo sie sie eigentlich nie vermutet hätte. Doch wird alles gut gehen?

Wie Lady Fire persönlich scheint Kristin Cashore eine unbeschreibliche Wirkung auf ihre Leser zu haben. Es ist, als lege sie einen Bann auf sie, der sie immer tiefer und eindringlicher in die Geschichte hineinzieht und darin verwickelt. Fire ist schon bald keine Fremde mehr für den Leser, sonder ein Mensch – wenn auch ein Monster – aus Fleisch und Blut, mit dem man gern Freundschaft schließen, den man trösten und mit dem man zusammen sein möchte. Gleiches gilt für die vielen anderen liebenswerten Personen im Buch: Musa, Mila, Brigan … .

Die Gefühle, die das Buch „Die Flammende“ heraufbeschwört, sind so wirklich und ehrlich, weil Kristin Cashore ihre Figuren bedacht, aber nicht emotionslos handeln lässt. Sie gehen nicht kopflos vor Liebe durchs Leben, sondern denken auch an das höhere Wohl und nicht nur an sich selbst, versinken zwar manchmal in Selbstmitleid, rappeln sich dann aber doch wieder auf und kämpfen für ihr Glück: Sie sind stark, voll Gefühl und echt! Genau deshalb leben diese Bücher auch so. Zwar spielen sie in einer fremden Welt aber doch könnte man meinen, man müsste sich nur auf den Weg machen und schon wäre man dort.

Diese zwei Bücher lassen mich mit großer Hoffnung zurück, dass es noch viel viel mehr von dieser jungen talentierten Autorin zu lesen geben wird. Im September dieses Jahres wird erstmal die englischsprachige Ausgabe von „Bitterblue“ erscheinen. Es geht jetzt also einige Jahre nach „Die Beschenkte“ weiter, und mit wem als Hauptfigur, das wissen alle Leser des ersten Buches ja auch schon. Ich freue mich jedenfalls sehr darauf, denn Bitterblue war mir von Anfang an sympathisch. Einmal mehr, da bin ich mir sicher, können wir uns auf eine spannende, liebevolle Geschichte über eine starke Frau freuen!

Carlsen Verlag
übersetzt von Katharina Diestelmeier
Gebunden mit Schutzumschlag
15 x 22 cm
512 Seiten
ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-58211-9
€ (D) 19,90

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