Die Welt, wie wir sie kannten von Susan Beth Pfeffer

Alle warten schon ganz gebannt darauf – ein Asteroid soll auf dem Mond einschlagen und natürlich will niemand dieses außergewöhnliche Naturschauspiel verpassen. Doch aus der Faszination wird schnell Angst! Denn es geschieht etwas Unerwartetes: Der Meteroid trifft den Mond, jedoch ganz anderes als erwartet, und plötzlich befindet sich der Mond nicht mehr in seiner gewohnten Umlaufbahn, sondern viel näher an der Erde? Unheimlich!

Doch trotz der Dramatik dieser Situation und der fortan extremen Nähe des Mondes zur Erde, weiß in diesem Moment noch niemand, dass das erst der Anfang des Schreckens ist. Denn was passiert, wenn zwei extrem schwere Körper sich nahe sind? Welche Wirkung hat der Mond z.B. auf die Wassermassen der Erde? Wir allen kennen Ebbe und Flut, und nun stelle man sich vor, wie sich diese durch die extreme Nähe zur Erde entwickeln.

In Tagebuchform erfährt man all das und die ganzen noch folgenden Entwicklungen, aus der Sicht der jugendlichen Miranda. Hat sie sich bis eben noch mit typischen Teenager-Problemen beschäftigt, die scheinbar lebenswichtig erschienen, geht es jetzt wirklich um Leben und Tod. Denn Miranda und ihre Familie erfahren am eigenen Leib, was es heißt, ohne Storm zu leben, wie Essen und Wasser immer knapper werden, wie man in Eiseskälte lebt, weil Aschewolken kein Sonnelicht durchlassen…

Tatsächlich hat diese Familie noch Glück – weite Teile der Erde werden von Vulkanausbrüchen, Tsnuamis, Erdbeben und ähnlichen Katastrophen zerstört. Zwar sitzen Miranda, ihre zwei Brüder und die Mutter der drei in einem kleinen amerikanischen Kaff fest, aber immerhin: Sie leben!

Extrem anschaulich sind die Schilderungen des Mädchens in ihrem Tagebuch. Man kann deutlich mitfühlen, wie aus der anfänglichen Hoffnung auf schnelle Besserung der Situation, Angst, Fassungs- und Hoffnungslosigkeit werden. Und immer wieder stellt sich – mal versteckt in den hintersten Gedanken und dann wieder ganz vordergründig – die Frage, ob ausgerechnet sie dieses Disaster überleben werden. Mit jedem Tag ohne Strom, frischem Essen, Wärme und Informationen sinkt natürlich auch der Glaube an eine normale Zukunft.

Die Bilder, die die Autorin Susan Beth Pfeffer hier vor dem inneren Auge des Lesers heraufbeschwört, sind wirklich schockierend. Die ganze Zeit über denkt man sich, dass das doch alles nicht wahr sein kann – das kann, ja, das darf nicht passieren! Und doch geschieht genau das in Die Welt, wie wir sie kannten. Hierbei überzeugen besonders die vier Protagonisten durch ihre Glaubwürdigkeit und Echtheit. Sie halten zusammen, halten es aber auch oft nicht miteinander aus. Gerade in so einer krassen Situation ist es noch schwerer, mit bestimmten Macken der anderen zurecht zu kommen, aber zugleich berührt und begeistert den Leser dieser ungemeine Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern. Es können noch so große, unvorstellbare Probleme kommen: Diese Vier halten zusammen!

So teilt sich Die Welt, wie wir sie kannten praktisch in zwei ganz eigene Universen: Das Universum der sich innig liebenden Familie und das Universum von Chaos, Tod und Angst. Und eben weil beides derart gut miteinander verknüpft wurde, ist dieses Buch auch so besonders und so eindrucksvoll. Deshalb sticht es aus dem neuen Trend von Weltuntergangsromanen und Dystopien heraus!

Die Welt, wie wir sie kannten enthält wirklich alles, was ein gutes Buch für Jugendliche und auch für Erwachsene braucht. Es ist spannend von Beginn an, wobei sich die Spannung stetig noch steigert; Gefühle kommen niemals zu kurz, sondern sind ein wesentlicher Teil des Buches und es ist dermaßen glaubhaft geschrieben, dass man selbst fast Angst bekommt. Werft doch mal einen Blick aus dem Fenster – seht ihr den Mond?

Susan Beth Pfeffer: Komm, Die Welt, wie wir sie kannten, übersetzt von Annette von der Weppen, gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 17,90 €, 410 Seiten, März 2010, 978-3-551-58218-8, Carlsen Verlag, Hamburg

Schreib als Erster einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.