Will & Will von John Green & David Levithan

An „Will & Will“ hatte ich wirklich große Erwartungen, ist es doch ein Buch von zwei ganz wunderbaren Autoren: John Green und David Levithan. Beide verstehen es jedes Mal aufs Neue mich mit ihren Büchern zu begeistern und mich für einige Stunden komplett hineinschlüpfen zu lassen. So war es auch beim ersten gemeinsamen Jugendbuch der beiden Autoren. Was mir besonders gefällt: Erwartungen habe ich immer an die Bücher, die ich lese, aber diese beiden haben es mal wieder bewiesen, dass Bücher noch weit über Erwartungen hinaus gehen können.

In „Will & Will“ geht es ganz grob um Freunschaft, Liebe, das Erwachsenwerden und all die damit verbundenen Probleme aber auch die schönen Seiten. Hinzu kommt die Thematik, wie es damit erst homosexuellen Jugendlichen geht, die es ja nicht gerade leichter haben. Oder etwa doch? Die beiden Autoren erzählen herrlich erfrischend aus dem Leben der jugendlichen Protagonisten, immer abwechselnd erfahren wir etwas vom einen Will Grayson und dann wieder vom anderen Will Grayson. Was mich immer wieder bei diesen Autoren erstaunt, ist, wie sehr sie sich in Situationen und Gefühle reindenken und diese dann in Worten wiedergeben können. Oft schreiben Autoren nur über eine Situation, aber sie wird dann nicht wirklich wahr – bei John Green und David Levithan meint man von echten Menschen zu lese und nicht nur eine erfundene Geschichte.

Besonders sympathisch war mir jetzt keine der Figuren, was aber vermutlich daran liegt, dass man so ziemlich alles über sie erfährt – alle netten und weniger netten Seiten. Dafür lernen sie viel dazu, bemerken auch eigene Fehler, selbst wenn es manchmal gar nicht so leicht ist diese zuzugeben und werden dadurch dann wieder liebenswert – vor allem aber greifbar und echt! Am sympathischsten fand ich wohl Tiny, den besten Freund vom einen Will Grayson. Tiny ist übrigens, nicht wie sein Name vermuten lässt, klein, sondern riesig und nicht gerade ein Leichtgewicht und manchmal ist es fast so, als würde er einen mit all seinen Ideen, Gedanken und Gefühlen erdrücken. Aber man muss ihn einfach mögen. Auch Jane ist eine tolle Figur – was es mit ihr auf sich hat, verrate ich an dieser Stelle nicht.

Inhaltlich möchte ich generell nicht so viel verraten, weil ich es bei solchen Büchern am besten finde, wenn man sie ganz für sich entdecken und mitfühlen kann. Auf jeden Fall schreibt Tiny im Buch aber ein Musical über die Liebe. Da wurde es mir dann manchmal doch zu kitschig und ich fand die Musical-Texte leider nicht so gut übersetzt, wobei ich nicht beurteilen kann, ob sie im Original genauso merkwürdig klingen. Während das Publikum im Musical jedenfalls völlig hingrissen ist, konnte ich mir das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen, weil ich mir dachte: wie wahnsinnig kitschig ist das denn bitteschön? Wie kann einen soetwas nur so mitreißen? Es kann auch nicht daran liegen, dass ich generell keine Musicals mag – doch, ich mag sie, aber keines kam mir bisher so kitschtriefend vor und das muss was heißen. Aber ich saß auch nicht dabei und sollte mir besser kein Urteil bilden 😉

Das wäre also eigentlich mein einziger, klitzekleiner Kritikpunkt an einem ansonsten großartigen und außergewöhnlichen Jugendbuch, mit noch tolleren Figuren, schrägeren Momenten und natürlich Will Grayson im Doppelpack, wobei die Tatsache, dass sie beide Will Grayson heißen, eigentlich gar nicht so wichtig fürs Buch ist. Beide erleben nur auf ihre Art und Weise die Jugend, die erste Liebe und alles, was damit zusammenhängt.

Wer mal nichts Klicheebeladenes lesen möchte, das schlimmstenfalls noch vor Gestaltwandlern nur so wimmelt, der sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. „Will & Will“ ist Jugendroman, den man Seite um Seite einfach genießen muss!

cbt Verlag
Originaltitel: Will Grayson, Will Grayson
Originalverlag: Dutton/Penguin, US
Aus dem Englischen von Bernadette Ott
Ab 13 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-570-16103-6
€ 14,99 [D]
Erscheinungstermin: 26. März 2012
–> Leseprobe

4 Comments

  1. Aba said:

    John Green und David Levithan: Bestimmt eine megagute Mischung!

    30. August 2012
    Reply
  2. Aba said:

    P.S.: Übrigens über den Teil über den Musicals musste ich lachen!

    30. August 2012
    Reply

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