Die Stadt der verschwundenen Kinder von Caragh O’Brien

Dystopien sind zur Zeit wirklich in Trend. Dementsprechend skeptisch beginne ich mittlerweile Bücher dieses Genres, gerade wenn sie als Jugendbuch ausgewiesen werden. Von „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ wurde ich durchweg positiv überrascht. Es ist eine Dystopie für Jugendliche und in diesem Fall kann man das Buch auch wirklich an Jugendliche empfehlen, denn anders als Panem und Co. ist es nicht übertrieben brutal, darunter leidet die Spannung aber kein bisschen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht das Mädchen Gaia. Seine Mutter ist Hebamme in einer ärmlichen Region außerhalb der sogenannten Enklave. Die Menschen in der Enklave haben ein gutes Leben, genug zu Essen und einen hohen Lebensstandard. Außerhalb sieht es anders aus: Kleidung, Nahrung und alles, was sonst lebensnotwendig ist, ist stark begrenzt. Nur durch harte Arbeit gibt es Zugeständnisse durch die Enklave. Im Falle von Gaia und ihrer Mutter heißt das, dass sie die ersten 3 Babys, die jeden Monat geboren werden, direkt nach der Geburt an die Enklave abgeben müssen. Weigern sie sich oder hintergehen sie die Enklave, werden sie mit dem Tod bestraft.

Mittlerweile ist Gaia so alt – 16 Jahre -, dass sie auch allein Babys zur Welt bringt und der Enklave ausliefert. Doch plötzlich werden ihre Eltern von der Enklave festgenommen und Gaia ist auf sich gestellt. Sie stellt sich immer mehr die Frage, ob es eigentlich richtig ist, was sie da jeden Monat tun: unschuldigen Müttern ihre Kinder wegnehmen und an Fremde abgeben, nur für ein bisschen mehr Essen und Wasser? Gaia macht sich auf in die Enklave, um ihre Eltern zu retten und Antworten zu finden – natürlich ist das strengstens verboten!

Zwar spielt „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ mehrere Hundert Jahre in der Zukunft und dennoch macht das Buch zeitweise den Anschein eines historischen Romans und zwar eines sehr spannenden historischen Romans. Die Lebensverhältnisse außerhalb der Enklave sind sehr schlecht und alles ist durch ein totalitäres System geprägt. Käme nicht immer mal wieder die Jahreszahl vor, zu der dieses Buch spielt, würde man es wohl gedanklich eher in der Vergangenheit ansiedeln.

Zugleich ist dieser Jugendroman eine aufregende Zukunftsvision, die eben nicht vollkommen unmöglich scheint. Genau das macht auch den Reiz des Buches aus, denn zwar erscheint einem die komplette Handlung unwirklich, aber wer kann schon wissen, was in einigen 100 Jahren passiert? Es handelt sich schließlich nicht um einen Fantasyroman.

„Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist eine mitreißende Jugenddystopie, die ohne übertriebene Gewalt auskommt und dennoch durchweg spannend bleibt. Es wird eine Geschichte über das Ausnutzen von Macht über andere Menschen, aber auch Liebe und Freundschaft erzählt, und darüber, sich selbst zu finden und zu bemerken, was wirklich wichtig im Leben ist. Caragh O’Brien ist hier ein toller Auftakt zu einer Serie gelungen, auf deren Fortsetzungen ich schon gebannt warte. Laut Verlag soll Band 2 am 20. Februar 2012 mit dem Titel „Das Land der verlorenen Träume“ erscheinen. Das Cover seht ihr rechts abgebildet. Die Originalausgabe kommt unter dem Titel „Prized“ im November dieses Jahres in zwei unterschiedlichen Aufmachungen raus.

 

 

 

 

 

 

 

Heyne fliegt Verlag
Originaltitel: Birthmarked
Originalverlag: Roaring Brook Press
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
464 Seiten, 13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-453-52800-0
€ 16,99 [D] | € 17,50 [A] | CHF 26,90
Erscheinungstermin: 24. Januar 2011

2 Comments

  1. Sabrina said:

    Sehr schöne Rezension.

    Ich habe das Buch (die englische Version mit der Schrift) schon länger auf meiner Wunschliste und will es mir jetzt endlich zulegen. Ich brauche keine übertriebene Gewalt in meinen Dystopien, da sollte Birthmarked doch gut zu mir passen.

    25. August 2011
    Reply
  2. […] Die Stadt der verschwundenen Kinder von Caragh O’Brien 2. Numbers – Den Tod vor Augen von Rachel Ward 3. Across the Universe von Beth Revis 4. […]

    9. Oktober 2011
    Reply

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