Hilf mir, Jaques Cousteau von Gil Adamson

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„Wisst ihr, dass ich schon mal Mastodon gegessen habe?“, fragt mein Großvater.

„Hilf mir, Jaques Cousteau“ von der mit zahl- reichen internationalen Preisen ausgezeichneten kanadischen Autorin Gil Adamson ist eine Geschichtensammlung, deren Mittelpunkt eine ganz merkwürdige -und vielleicht sogar verrückte- Familie ist.
In etwas mehr als ein Dutzend kurzen Geschichten erzählt Hazel über ihre Familie, die aus einem Haufen Exzentrikern besteht. Und wie es bei Exzentrikern normalerweise ist, leben sie kein gewöhnliches Leben und sorgen oft für ein abwechslungsreiches Umfeld, manchmal in- teressant, aber nicht selten anstrengend.

Durch Hazels Augen sehen wir ihre Familie und ihre Nachbarn, die auch einen gewissen Einfluss auf sie haben (nicht immer in bewusster Form… aber wer hat nicht schon mal heimlich seine Nachbarn beobachtet?). Durch Hazel erfahren wir über deren Geheimnisse, denn Hazels besondere auditive Wahrnehmung lässt sie sogar durch Wände hören. So ist sie in der Lage, das Bild ihrer Familie für sich zu vervollständigen, und Erklärungen für das Verhalten mancher Menschen oder für bestimmte Situationen zu finden, die zunächst nur als rätselhaft, unbegreiflich oder gar mystisch einzustufen wären.

Gil Adamson erzählt die Geschichten um Hazels Familie mit einem schrägen und teilweisen melancholischen Humor. Jedes der Mitglieder dieser meistens schrillen Familie kommt für eine surreale Welt auf, in der sich Hazel bewegen muss.
Manchen Szenen in dieser Welt sind für das Kind Hazel äußerst exklusiv. Nicht jedes Kind hat die Gelegenheit, so etwas in der eigenen Familie zu erleben. Andere Situationen wiederum verursachen (trotz super entwickelten Hörsinn) Zweifel in ihr, weil sie damit überfordert ist, und weil sie das Handeln ihrer Mitmenschen nicht begreifen kann.

Trotz alledem ist in dieser ungewöhnlichen Familie ein starker Zusammenhalt erkennbar, der für Hazel auch Teil dieses Mysteriums ist, das ihre Familie umgibt. Für Hazel kommt ganz am Ende des Buches die Erleuchtung, die Lösung für alle Rätsel. Und diese kommt in Form einer fast banalen Situation, einer Momentaufnahme, die die mittlerweile fast erwachsene Hazel in der Lage ist aufzufassen. Und für mich ist es fast der schönste Moment im ganzen Buch und ein liebevoller Abschluss.

Auch wenn „Hilf mir, Jaques Cousteau“ eine Sammlung kurzer Geschichten ist, verleihen dem Buch deren chronologischer Aufbau und das konstante und regelmäßige Erscheinen der Haupt- und Nebenfiguren einen Roman-Charakter.

„Hilf mir, Jaques Cousteau“ wurde ursprünglich 1995 zum ersten Mal in Kanada veröffentlicht. Die aktuelle deutsche Ausgabe ist eine Übersetzung der kanadischen Neuveröffentlichung des Jahres 2011.

C. Bertelsmann Verlag
Gebundene Ausgabe
192 Seiten
Erscheinungsdatum: 8. Juni 2012
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3570100721

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