Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt von Ulrike Sterblich

20121127172658.2225..375x570Liebeserklärung an West-Berlin

Nachdem ich in letzter Zeit so viele Bücher über das Leben in der ehemaligen DDR gelesen habe, fragte ich mich immer wieder, wie das Leben in der einst berühmtesten „Insel“ im deutschen Sprachgebiet gewesen ist: West-Berlin. Ja, West-Berlin war, genau genommen, eine Insel.
Die Antworten auf meine Fragen stehen in Ulrike Sterblichs Buch „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt“.

In ihrem Buch erzählt die West-Berlinerin in kurzen Kapiteln über ihr Leben auf der Insel, die von einer Mauer umgeben war, und vermittelt uns das Besondere daran, in so einer einmaligen Stadt groß geworden zu sein. Denn Berlin war in der Tat einmalig in der Welt. Aber auch in so einer einzigartigen Stadt wie Berlin gab es einen ganz normalen Alltag, und auch davon berichtet Ulrike Sterblich in ihrem Buch.
Wer das Glück hatte, West-Berlin in den 70er und 80er Jahren erleben zu dürfen, wird seinen Spaß haben beim Wiedererkennen der für die damalige Jugend angesagten Orte, Lokale und sonstige Treffpunkte.

Ulrike Sterblichs Liebe für ihre Stadt habe ich ganz deutlich gespürt. Genauso wie ihre Sehnsucht nach dieser halben Stadt, wenn sie weit weg davon war.
Ihre Kindheitserinnerungen beschreibt sie in einer lockeren Sprache und mit viel Humor. Aber auch von liebenswerten und berührenden Szenen dürfen wir Zeugen sein, wie wenn sie über ihre Familie erzählt. Eine in Berlin altansässige Familie, die ich während des Lesens schätzen gelernt habe.

Eine sehr schöne Ergänzung zu den Erzählungen sind die Kartenabschnitte von West-Berlin am Anfang von jedem Kapitel und die Erläuterungen am Ende derselben zu für die Autorin wichtigen Bauten und Sehenswürdigkeiten. Somit ist dieses Buch nicht nur eine Liebeserklärung an West-Berlin sondern auch ein Reiseführer der besonderen Art.

Ich kann es nicht erwarten, bis ich das nächste Mal in Berlin sein kann. Ich werde diese Stadt mit anderen Augen sehen und „Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt“ wird mein Reisebegleiter sein.
Ich freue mich schon darauf.

rororo
Taschenbuch
368 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2012
Preis: EUR 9,99
ISBN: 978-3499628405

4 Comments

  1. fireez said:

    … und ab auf den Wunschzettel 😀
    Immerhin lebe ich heute im damaligen Westberlin, da ist so ein literarischer Abstecher dann besonders interessant.

    LG fireez

    22. Januar 2013
    Reply
  2. Aba said:

    Das freut mich!

    22. Januar 2013
    Reply
  3. Ich habe das Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen. Ich bin einer der im Buch beschriebenen doppelt stigmatisierten. Denn ich kam 1985 nach West-Berlin und war somit schon damals ein Wessi. Einer eben aus Wessiland. Vortrefflich beschrieben. Aber bei allem Stigma – es bringt ein bisschen Heimat zurück. Wirklich gut als Reiseführer, da die Kapitel immer knackig kurz gehalten sind. Ein Blick in die Seele des Westberliner Ureinwohners der Achtziger Jahre. Toll.

    18. Februar 2013
    Reply
    • Aba said:

      Vielen Dank!

      18. Februar 2013
      Reply

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