Imperium von Christian Kracht

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Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Deutschland im 19. Jahrhundert eine Kolonialmacht war. Auch wenn von kurzer Dauer -nur ein paar Jahrzehnte- war Deutschland eines der größten (flächenmäßig) Kolonialreiche Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mehr als 20.000 Deutsche wanderten vor dem ersten Weltkrieg aus. Ihr Ziel war eine dieser Kolonien oder Schutzgebiete, im Koffer die Hoffnung auf ein besseres Leben.
Einer von diesen Auswanderern war August Engelhardt, ein echter Aussteiger, ein Idealist. Seinen Traum hat er auf einer kleinen Insel im Pazifik verwirklichen wollen. Der Nudist und strenge Vegetarier hat sogar das „Imperium der Kokosnuss“ gegründet. Für Engelhart war die Kokosnuss der echte Stein der Weisen.

Der Schweizer Schriftsteller Christian Kracht hat die Geschichte um August Engelhardt neu geschrieben.
Die meisten Figuren (wenn nicht doch alle) in Krachts Roman „Imperium“ um den Aussteiger Engelhardt haben existiert. Kracht verleiht ihnen ein neues Leben und die meisten werden nicht gerade als ehrenwert dargestellt.

Allgemein bekannt ist die Tatsache, dass Kolonialmächte die Tendenz aufwiesen, ihre Kolonien und Schutzgebiete auszubeuten. Deutschland war keine Ausnahme. Kracht schildert in seinem Roman manche Zustände, die auch, wenn vielleicht teilweise aus seiner Fantasie entsprungen, mit Sicherheit aber an der Realität angelehnt sind.
Hauptfigur des Romans „Imperium“ ist August Engelhardt. Ein Engelhardt, der der objektiven Realität nicht entsprach, erfüllte sicherlich die Vorstellungen von einem Aussteiger, die viele Außenstehende hatten: Jemand, der nicht zurechnungsfähig war… ein Verrückter einfach, eine tragikomische Figur.

Beim Lesen von „Imperium“ wurde mir klar, dass die beste Bedingung, um erfolgreich bis zum Ende des Buches anzukommen, gute Nerven und Durchhaltevermögen sind. Der Lebenslauf des Krachtschen Engelhardts ist der Lebenslauf eines Versagers auf der ganzen Linie, eines Mannes, der sogar bis über seinen Tod hinaus versagt hat. Und Kracht spart nicht an schockierenden Details, um den Untergang bildlich darzustellen.

Gewinner gibt es im „Imperium“ nicht… nur Verlierer. Aber wenn ich es mir genauer überlege, gibt es doch nur einen Gewinner. Aber da dieser immer im Laufe der Geschichte der Gegenwart Vorteile aus allem gezogen hat, ist mir dessen Triumph erst im Nachhinein bewusst geworden.

Wer sich auf Anhieb nicht vorstellen kann, um welchen „Gewinner“ es sich handelt, muss dieses Buch bis zum Ende lesen.

Kiepenheuer & Witsch
Gebundene Ausgabe
256 Seiten
Erscheinungsdatum: 16. Februar 2012
Preis: EUR 18,99
ISBN: 978-3462041316

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