Paradiessucher von Rena Dumont

Dumont_24164_MR1.indd„Das Paradies ist relativ“

Das sagte nicht Albert Einstein. Das dachte ich, nachdem ich „Paradiessucher“ von Rena Dumont gelesen hatte.
Es mag nach „Allgemeinplatz“ klingen, ist es aber nicht.
Rena Dumont beschreibt die Suche nach dem Paradies so, dass es für den Leser eine einmalige Erfahrung wird, denn auch wenn ihre 17-jährige Heldin Lenka dasselbe Schicksal mit unzählig vielen anderen Paradiessuchern teilt, zeigt uns ihre Geschichte, dass ein gemeinsames Schicksal nicht zwingend zu dessen undifferenzierten Ausgang führt. Lenka hat ein Ziel im Leben und das verfolgt sie hartnäckig: Sie lebt in der Tschekoslowakei der 80er Jahre und wünscht sich nichts anderes, als in den Westen zu flüchten. Für sie ist der Westen das Paradies.

Genau wie Lenka stammt Rena Dumont aus der Tschekoslowakei. In ihren Roman flossen eigene Erfahrungen, die sich mit Fiktion vermischten, und so entstand eine Geschichte, die mich von Anfang an überzeugte.
Lenka schafft es zusammen mit ihrer Mutter in den Westen, in das Paradies. Aber ob dieses Ziel tatsächlich das ersehnte Paradies ist…

Rena Dumont öffnet uns mit diesem Buch eine Tür zu einer für die meisten von uns unbekannten Welt. Durch Lenkas Augen sehen wir diese Welt, in der Flüchtlinge leben, mit eigenen Regeln und Gesetzen. Darüber erzählt uns Lenka mit einer Mischung aus Humor und Ironie. In einem Moment lacht man, im nächsten ist man von einer traurigen Szene berührt.
Lenka und ihre Mutter erleben teilweise unglaubliche Abenteuer, manche von ihnen ohne das Haus verlassen zu müssen, in dem sie leben. Harmlose und weniger harmlose Abenteuer -dabei spart Lenka nicht an schockierenden Details-, aber auch magische Momente, die unter die Haut gehen. Vor allem diese magischen Momente haben mir eine besondere Freude bereitet.

Auch wenn es banal klingt, das Paradies ist in der Tat relativ. Lenka schafft es aber, dieses Paradies für sich selber zu „ent-relativieren“. Sie tut, was sie tun muss, damit es ein echtes Paradies wird, ihr eigenes Paradies, für sie und für ihre Mutter, denn „sie haben es so gewollt“.

„Paradiessucher“ ist der gelungene Debütroman von Rena Dumont. Ein Roman, der bewegt und nachdenklich macht, und dessen Charaktere den Leser überzeugen, weil sie sich menschlich zeigen, mit ihren Stärken und Schwächen, weil sie Fehler machen, weil sie zweifeln und sich an kleinen Erfolgen erfreuen.
Lenkas Mutter hat mir gut gefallen. Sie würde ich gerne kennenlernen. Ich denke, wir würden uns gut verstehen.

Carl Hanser Verlag
Taschenbuch
304 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. Januar 2013
Preis: EUR 14,90
ISBN: 978-3446241640

2 Comments

  1. Nana said:

    Was für eine wundervolle Rezension! 🙂
    Ich werd‘ mich nun wohl auch auf die Suche machen – nach dem „Paradiessucher“ – bei der Buchhandlung meines Vertrauens! .smile. Begeisterung kann wahrlich anstecken..

    30. April 2013
    Reply
    • Aba said:

      Vielen vielen Dank!!!

      30. April 2013
      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.