Worte sind nicht meine Sprache von Aidan Chambers

507_cover_worte_sind_nicht_meine_sprache_02Keine klare Botschaft

Karl, ein sehr junger Mann, verliebt sich in Fiorella, ein Mädchen, das den Beweis seiner Liebe in schriftlicher Form von ihm verlangt. Leider kann dieser junge Mann nicht mit Worten umgehen. Aus Angst, seine Angebetete zu verlieren, bittet er einen Schriftsteller, für ihn die Briefe zu schreiben, in denen er seine Gefühle für dieses Mädchen ausdrückt.
Das klingt wie „Cyrano de Bergerac“! Und gerade deswegen habe ich mich für „Worte sind nicht meine Sprache“ von dem britischen Autor Aidan Chambers interessiert. Diese Thematik ist zeitlos und bietet Stoff für interessante Geschichten.
Auf diesen Roman habe ich mich gefreut.

Nach dem vielversprechenden Anfang, in dem der Autor Humor und Originalität beweist, nimmt die Handlung einen ganz anderen Kurs, als der von mir erhoffte. Nicht die Briefe an Fiorella bilden den Schwerpunkt der Geschichte sondern die ungewöhnliche Freundschaft, die zwischen Karl und dem Schriftsteller entsteht.
Auch wenn ich mich mit dieser Tatsache anfreunden konnte, haben mich die Beweggründe für die Entstehung dieser Freundschaft nicht ganz überzeugen können.
Karl entwickelt sich sehr schnell zur Hauptfigur dieses Romans. Er wird zum Objekt der Begierde, alle kämpfen um seine Aufmerksamkeit, und der Kult, der um ihn gemacht wird, war für mich nicht einleuchtend. Seine Gefühle, Kindheitstraumata und Lebensziele werden zerpflückt und analysiert, leider in so einer sachlichen Art, die mein Herz nicht erreicht hat.

Karl führt lange und eintönige Monologe mit einer anspruchsvollen Sprache, die, meiner Meinung nach, nicht zum Tenor der Hauptthematik passt: Karl behauptet immer wieder, weder mit der gesprochenen noch mit der geschriebenen Sprache umgehen zu können. Dazu kommt es, dass er immer bestimmt, was er von sich preisgibt und nimmt sich das Recht, über andere zu urteilen, und deren Liebe zu ihm auf die Probe zu stellen. Dieses Verhalten war für mich zu einseitig, sogar scheinheilig und belehrend.

Dass Aidan Chambers ein lieber Mensch ist, davon bin ich überzeugt. Und dass er in seinem Buch eine Botschaft an die Jugend vermitteln möchte, davon bin ich auch überzeugt. Respekt und Akzeptanz sind, so habe ich es verstanden, Grundlagen dieser Botschaft, die meines Erachtens schwer zu entschlüsseln ist, weil sie in umständlichen, monotonen und altklugen, gar weltfremden Texten verpackt ist.

Der englische Titel dieses Romans lautet „Dying to know you“, der für mich viel passender als der deutsche Titel ist. Denn es geht darum, Karls Persönlichkeit um jeden Preis zu ergründen, was nicht so einfach ist…

Knesebeck
Gebundene Ausgabe
304 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2013
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 16,95
ISBN: 978-3868735079

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