Die Scanner von Robert M. Sonntag

Die Scanner (1)„Die Scanner“ von Robert M. Sonntag ist ein Jugendroman, der über ein außergewöhnliches Thema erzählt. Viele der aktuellen Neuerscheinungen spielen in der Zukunft, doch in keiner davon stehen Bücher, Leser, Autoren und all die anderen Menschen, die damit zu tun haben, im Mittelpunkt. Bei diesem Buch ist das ganz anders!

Robert M. Sonntag versetzt seine Leser in eine relativ nahe Zukunft. Und doch hat sich im Jahr 2035 im Bezug auf Bücher sehr viel verändert. Liest aktuell eher noch ein geringer Anteil der Leser elektronische Bücher – E-Books – so ist es in dieser Zukunftsvision unnormal, wenn man gedruckte Bücher liest. Der riesige Ultranetz-Konzern schickt seine Buchagenten überall hin aus, um noch Menschen aufzuspüren, die Printbücher lesen und ihnen diese für teils sehr hohe Summen abzukaufen. Danach werden die Bücher gescannt und für alle kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das interessante an dieser Geschichte ist wohl, dass es gar nicht so abwegig ist, dass wir uns immer mehr in eine solche Richtung entwickeln. Aktuell stehen gedruckte Bücher noch sehr gut da, doch wer weiß schon, wie es in 22 Jahren aussehen wird? Auch der Wunsch nach kostenloser Verfügbarkeit von Texten immer und überall wird größer. Dabei wird aber oft genug vergessen, dass Autoren, Verlage und Co. für ihre Arbeit auch bezahlt werden möchten. Tut das niemand, würde es wohl auch keine neuen Geschichten mehr geben. Und mal ehrlich – wäre das nicht echt traurig?

Im Buch regt der Autor ganz geschickt zum Nachdenken über dieses Thema an, ohne zu offensichtlich darauf hinzuweisen. Wie die Hauptfigur Rob nähert man sich immer mehr den Problemen, die eine solche Zukunft mit sich bringen würde. Doch Rob, der als Buchagent sein Geld verdient, ist natürlich schon sehr von Ultranetz und den Ideologien der Firma beeinflusst. Da braucht es erst einige sogenannte Radikale, um ihn in eine andere Denkrichtung zu leiten. Menschen, die ihre Bücher nicht abgeben wollen oder sogar Bibliotheken führen, werden in „Die Scanner“ nämlich gejagt. Hinweise darauf, wo sie zu finden sind, werden mit immensen Geldsummen belohnt.

Die Scanner (2)

Doch Robert M. Sonntag beschäftigt sich nicht nur mit dem Thema „Bücher“. Er zeigt auch auf, wie sehr die ständige virtuelle Vernetzung im Jahr 2035 – hier geschieht das in einer wirklich extremen Form – mehr und mehr dafür sorgt, dass echte zwischenmenschliche Kontakte rar werden. Die Figuren im Buch haben zum Teil tausende virtuelle Freunde und schmücken sich damit, doch selbst die eigene Freundin haben sie noch nie im echten Leben getroffen. Lieber lassen sie sich die perfekte Partnerin anhand von Genen, finanziellem Status usw. automatisch auswählen, als den persönlichen Kontakt in den Vordergrund zu stellen. Schnell wurde mir als Leserin klar, was für eine traurige Welt das wäre, in der es gleichermaßen an echten Beziehungen, aber auch an echten Lebensmitteln und Ähnlichem mangelt.

Dieses kleine Buch hat es wirklich in sich. Immer wieder entdeckt man neuen Stoff, der zum Überlegen ud Grübeln bringt. Nicht selten stellt man sich die Frage, ob wir uns wirklich auf eine solche Zukunft hinentwickeln und falls ja, ob wir nicht etwas dagegen tun sollten. Der Autor macht das ganz geschickt und lässt einen nicht mehr los, auch wenn ich mir manchmal noch etwas mehr Emotionen gewünscht hätte. Doch bedenkt man, in was für eine zukünftigen Welt wir hier gelandet sind, dann wäre zu viel Emotionalität auch nicht angebracht.

Mit „Die Scanner“ ist Robert M. Sonntag ein kluger und fesselnder Jugendroman gelungen, der mit spannenden Ideen überzeugt. Er führt einem vor Augen, was wirklich wichtig im Leben ist.

Fischer KJB
Hardcover mit Schutzumschlag
Preis: 12,99€
ab 14 Jahren
ISBN: 978-3-596-85537-7

5 Comments

  1. Sandra said:

    Ein Buch zum Nachdenken über eine Zukunft, die gar nicht so abwegig ist, das klingt spannend. Stefanie Leo von den Bücherkindern war auch schon so begeistert von „Die Scanner“, nach deiner Rezension verstehe ich auch, wieso! Moment, Geburtstag hatte ich erst.. Weihnachten ist noch so weit weg, gibt’s nicht noch ein Fest dazwischen, wo man sich was wünschen kann? Midsommer? Erdmännchentag oder sowas? 🙂 *lesenmöcht*

    Liebe Grüße
    Sandra

    10. Juni 2013
    Reply
    • Dani said:

      Man sollte sich doch an jedem Tag etwas gutes tun, oder? Ich denke, das Buch würde dir auf jeden Fall gefallen. Ist mal was ganz anderes!

      10. Juni 2013
      Reply
  2. Bianca said:

    Ein toller Lesetipp, danke. Von dem Buch habe ich vorher noch nie was gehört.

    15. Juni 2013
    Reply
  3. readeralex said:

    Im Netz bin ich schon häufiger über das Buch gestolpert, aber noch nie in einer Buchhandlung in der Hand gehabt. Scheint nicht mainstreamtauglich zu sein ;-). Es hört sich auf jeden Fall total interessant an. Bestimmt eins von den Büchern, die bei Gelegenheit den Weg auf meinen SUB finden.
    LG Alex

    20. Juni 2013
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  4. Joachim said:

    Schade, dass ich erst jetzt auf diese Rezension aufmerksam geworden bin. Scheinbar ein spannendes Buch zu einem auf alle Fälle spannendem und vor allem aktuellen Buchthema. In der Zeit seit erscheinen dieser Rezension bis zu diesem Kommentar ist doch die Entwicklung genau in der geschilderten Richtung weiter gegangen. Das sollte zu denken geben. Auch wenn man mal die Augen auf macht und bewusst betrachtet wie wir miteinander kommunizieren. Immer häufiger sieht man Grüppchen von jungen und jüngeren Personen, die statt sich von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten lieber miteinander chatten.
    Noch hat das eBook nicht den alles überlagernden Durchbruch geschafft. Aber kostenlos und jeder Zeit verfügbar soll schon heute jeder Text sein. Aber woher kommen die Texte? Wer schafft sie? Und was braucht es alles bis sie von Lesebegeisterten in Händen gehalten werden? Da ist noch viel Luft für Aufklärung, Information und Kommunikation. Und Konzerne wie Ultranetz sind eigentlich keine Utopie mehr wenn wir uns selbst gegenüber mal ehrlich sind und die Augen aufmachen um zu sehen was um uns herum passiert. Und wollen wir das dann wirklich so?

    29. März 2015
    Reply

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