Die nachhaltige Pflege von Holzböden von Will Wiles

Die nachhaltige Pflege von Holzboeden von Will WilesRichtig raffiniert und echt britisch

Kennen Sie Mr. Bean? Lachen Sie, wenn Sie an ihn denken oder spüren Sie eine Abneigung gegen ihn? Ich glaube, Mr. Bean gehört zu diesen Berühmtheiten, die man entweder liebt oder hasst.
Ich gehöre zu denen, die großen Spaß mit Mr. Bean hat, und als ich „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ von Will Wiles gelesen habe, musste ich an ihn denken. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Buch so einen „lieben oder hassen Effekt“ auf die Leser hat.
Die Ähnlichkeit mit dem englischen Komödien-Antiheld war aus meiner Sicht offensichtlich. Auch wenn die Hauptfigur im Buch ganz anders ist als der Fernsehkomiker, sind sie beide eine Art Katastrophen-Magnet: Aus harmlosen Situationen schaffen sie Verwüstungslandschaften. Dafür muss man ein besonderes Talent haben.

Will Wiles bedient sich an ganz wenigen Figuren und Schauplätzen, um eine originelle Geschichte in Gang zu setzen. Mit wenigen Mitteln und viel schriftstellerischem Können hat Wiles eine drückende und feindliche Atmosphäre erzeugt, die den Protagonisten verzweifeln lässt, während der Leser fast ein schlechtes Gewissen bekommt, weil er, obwohl er den Ernst der Lage erkennt, über manche Tragödien lachen muss.

Unser Held, eigentlich ein Pechvogel, passt auf die Wohnung eines Freundes auf, der für ein paar Wochen verreist ist. Diese Wohnung ist der wichtigste Schauplatz im Buch, und der Eigentümer, also der abwesende Freund, hat dafür gesorgt, immer präsent sein zu können, um das Schicksal unseres Pechvogels innerhalb der vier Wände zu bestimmen. Der Leser darf gespannt sein auf die angewendeten Methoden, die das Leben des Wohnungshüters regulieren und Schritt für Schritt kontrollieren.
Ich habe mit einer Mischung aus Begeisterung, Mitleid und Anspannung diese ungewöhnliche Geschichte gelesen, und mich immer wieder gefragt, ob es mit den Desastern schlimmer werden konnte. Die Antwort fand ich immer ein paar Seiten später: Ja, es kann immer schlimmer werden.

Will Wiles ist für mich ein neuer Autor, dessen Schreibstil mich komplett überzeugen konnte. Sein Humor ist richtig raffiniert -und echt britisch – und er übertreibt nie mit der Skurrilität der Situationen. Die Katastrophenkette wird ganz langsam aufgebaut und kulminiert mit einem Schlüsselereignis, das gleichzeitig die Mutter aller Katastrophen ist.
Am meisten hat mir die Fähigkeit des Autors, Metaphern zu bilden, gefallen. Diese sind originell, manchmal sarkastisch und keinesfalls poetischer Natur, zugleich aber so bildhaft, dass ich mich jederzeit in die Lage des armen Pechvogels versetzen konnte.

Ja, ich habe viel gelacht, aber auch viel mitgelitten.
Und wenn das der Zweck des Autors war, wurde er bei mir erfüllt.

carl’s books
Broschiert
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. März 2013
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3570585054

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