Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam von Vea Kaiser

blasmusikpopBergbarbaren versus Alpenrepublik

Mit der Zeit entwickelt ein erfahrener Leser ein gutes und zuverlässiges Gespür dafür, welches Buch „das richtige“ ist. Cover, Klappentext, Autor können ein Hinweis dafür sein, aber oft erlebt man Enttäuschungen, wenn man sich immer nur darauf verlässt.
Das Gespür aber lässt sich selten täuschen.
Der erfahrene Leser weiß auch, ob ein Buch mit Liebe und Hingabe geschrieben wurde. Das sind Gefühle und Eigenschaften, die sich auf den Leser übertragen.
„Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ ist genau so ein Buch: Es ist das richtige für mich, und dass Vea Kaiser es mit viel Liebe geschrieben hat, habe ich deutlich gespürt.

Vea Kaiser hat mit „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ ein Epos geschrieben, ein Alpen-Epos. Durch die Augen zweier außergewöhnlicher Männer sehen wir das Leben eines kleinen alpinen Dorfes in einer Alpenrepublik (der aufmerksame Leser wird sofort Ähnlichkeiten zu einem bestimmten europäischen Staat feststellen), das sich seit dem Mittelalter heldenhaft gegen die Wirkung und den Einfluss der Außenwelt wehrt. Das ist größtenteils durch die schwer erreichbare alpine Lage möglich. Aber auch die Charaktereigenschaften der Bewohner dieses Dorfes, das sehr stark dem einen berühmten „kleinen gallischen Dorf“ ähnelt, tragen dazu bei, dass diese alpine Gemeinschaft eine Art Mini-Nation bildet, die das Schicksal und die Geschichte der Alpenrepublik nicht teilt, zu der es offiziell gehört. Das bringt große und kleine Vorteile mit sich, aber auch manche Nachteile. Und von diesen Vorteilen und Nachteilen lässt uns Vea Kaiser wissen, und meistens aus der Sicht ihrer Hauptfiguren.

Vea Kaiser ist eine 24 Jahre alte österreichische Studentin, die mit ihrem Erstlingswerk „Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ eine große schriftstellerische Begabung aufweist. Während der Lektüre habe ich diesem jungen Talent einen großen Respekt gezollt.
Vea Kaiser beschreibt das Leben und die Bewohner in diesem kleinen Dorf und dabei zeigt sie besondere erzählerische Fähigkeiten und große Menschenkenntnis. Ihre Geschichten um diese alpinen „Barbaren“ sind Geschichten zum Fühlen, zum Lachen, zum Nachdenken. Die Figuren sind sehr authentisch und fast alle liebenswert. Denen, die nicht so liebenswert sind, wünscht man sogar eine wohlverdiente Strafe, um danach gleich ein schlechtes Gewissen zu haben, weil sie letztendlich auch irgendwie entzückend sind. Aber schließlich bekommt jeder, was er möchte (oder was er verdient) und wie am Ende jedes „kleinen-gallischen-Dorf“-Heftes gibt es eine große Party… Aber ich denke, ich verrate hier viel zu viel!

„Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam“ gehört zu dieser Art Bücher, die man nie vergisst. Das spüre ich. Genauso spüre ich die Liebe, mit der Vea Kaiser jede Szene gestaltet und jede einzelne ihrer Romanfiguren ins Leben gerufen hat. Und ein paar dieser Figuren haben eine deutliche Extraportion Liebe bekommen. Das waren wahrscheinlich meine Lieblingsfiguren.

Als ich auf der letzten Seite dieses Buches angekommen bin, habe ich den Wunsch empfunden, mehr Blasmusikpop in meinem Leben zu haben, und seitdem beschäftigt mich dieser Gedanke.
Ich bin sicher, ich würde dadurch fröhlicher und gelassener durch die Welt gehen.

Kiepenheuer & Witsch
Gebundene Ausgabe
496 Seiten
Erscheinungsdatum: 31. Juli 2012
Preis: EUR 19,99
ISBN: 978-3462044645

Ein Kommentar

  1. Katrin said:

    Vielen Dank für deinen schönen Bericht. Ich sollte es endlich mal aus meinem Regal hervorkramen und lesen 🙂
    LG

    17. Juli 2013
    Reply

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