Morgen vielleicht von Jessica Soffer

19997001_19997001_xlWunderschön!

„Morgen vielleicht“ (englischer Originaltitel „Tomorrow There Will Be Apricots“) von Jessica Soffer ist ein Buch, das mich aufgrund des deutschen Titels nicht erreicht hätte. Auch wenn das Bild auf dem Umschlag wunderschön ist, hätte mir allein der Titel mitgeteilt, dass es sich bei dem Buch um einen sogenannten „Frauenroman“ mit kitschigem Inhalt handelt.
Zum Glück habe ich es gelesen! „Morgen vielleicht“ ist eins meiner Lieblingsbücher geworden.

Jessica Soffers erster Roman ist eine wunderbare Geschichte, gefühlvoll und zum Teil erschütternd, und vor allem, was fast am wichtigsten ist, ist es eine Geschichte, die für ein Erstlingswerk einen erstaunlich anspruchsvollen Schreibstil aufweist. Schon auf der ersten Seite wusste ich, dass sie mir unglaublich gut gefallen würde. Und nach nur zwei Kapiteln habe ich die Protagonisten geliebt und hatte das Bedürfnis, sie von ihrem schmerzhaften Schicksal zu befreien.
Diese liebevollen Figuren sind die kleine Lorca, die eigenwillige Victoria und deren Mann Joseph. Sie leben in New York, einer Kulisse, deren viele Möglichkeiten die Autorin sehr gut einzubauen wusste.
Noch ein Protagonist, den ich unbedingt erwähnen muss, ist eigentlich keine menschliche Figur, sondern das irakische Nationalgericht, das Masgouf.
Dieses Gericht hat die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, Wunden zu heilen und letztendlich bringt es sogar manche Wahrheiten ans Licht.

Jessica Soffers Romanfiguren sind echt und können sogar ihre Gefühle übertragen. Ihre Beweggründe sind, auch wenn vielleicht nicht immer nachvollziehbar, Resultat von der Verzweiflung und falsch verstandenen Liebe. Am Ende bleiben nur Lügen und Schmerz, aber auch die Hoffnung, dass man alles wieder ins Lot bringen kann, auch wenn die Lösung dafür ein Rezept für ein Gericht ist.
Lorca, die Figur, die mich am tiefsten bewegt hat, ist nur 14 Jahre alt. Sie ist zurückhaltend und verfolgt hartnäckig ihr Ziel (eine für mich sehr interessante Verbindung von Eigenschaften), ist aber auch sehr verletzlich. Da die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der Hauptfiguren erzählt wird, bekommt man einen sehr guten Eindruck von Lorcas Persönlichkeit: Was sie wirklich will, wie sie denkt und wie sie auf ihre Umwelt wirkt. Erst dadurch wird für den Leser das Ausmaß ihres Leidens fassbar.

Jessica Soffer habe ich zu einer meiner Lieblingsautorinnen auserkoren. Der Grund: Ich will mehr von Romanfiguren wie Lorca und Victoria haben.

Kein & Aber
Gebundene Ausgabe
384 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. April 2013
Preis: EUR 19,90
ISBN: 978-3036956251

2 Comments

  1. Katrin said:

    Ich! Muss! Es! Lesen!
    Danke für deinen schönen Bericht 🙂
    LG

    2. August 2013
    Reply
    • Aba said:

      Ich danke dir.

      Ja! Lesen! Es ist wirklich sehr schön!

      3. August 2013
      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.