Spenderkind von Katrin Stehle

spenderkindLina hat ein wunderbares Leben: Eltern, die sie mindestens genauso sehr lieben, wie sich gegenseitig. Zudem hat sie noch ihre beste Freundin Hanna und ihren festen Freund, Julian, den beliebtesten Jungen an der Schule. Alle Mädchen beneiden sie furchtbar und Lina selbst kann ihr Glück kaum fassen.

Bis ein Tag alles verändert.

Der Tag an dem sie erfährt, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Dass Hanna und sie sich immer mehr verfremdet haben. Und dass der Außenseiter Nick angefangen hat, Julian aus ihrem Herzen zu verdrängen…

Dieser Roman hat irgendwie etwas Magisches an sich. Vor allem deswegen, weil es hier um eine Selbstfindung geht und Lina sich entscheiden muss, ob sie nun dem weißen Kaninchen folgt und in eine neue Welt stolpert, oder für immer in einer dunklen Höhle bleibt. In Spenderkind wird sehr einfühlsam die Frage behandelt, was einen Menschen letztendlich definiert, die Gene oder die Umgebung in der jemand aufwächst? Ist Lina nun die Tochter ihres Vaters? Und lieben ihre Eltern sie eigentlich wirklich? Wer ist Lina eigentlich? Am magischsten sind natürlich die Begegnungen mit Nick, dem absoluten Außenseiter in der Schule, der eigentlich so gar nicht in Linas Welt passt, aber dennoch die merkwürdigsten Seiten an ihr zum Vorschein bringt. Und dem sie mehr anvertrauen kann, als Julian, ihrem Freund.

Es gibt aber auch absolut unromantische Dinge in diesem Roman: Die nackte Wahrheit über Samenspenden, Erbkrankheiten wie Chorea Huntington, Selbstmord, Abtreibung und Eltern, die ihren Kindern nicht genügend Liebe entgegenbringen. Außerdem geht es auch um Einsamkeit und die Angst vor dem ersten Mal.

Nachdem man Linas tiefen Fall mitverfolgt hat und mit ihr durch ihre gesamte Identitätskrise gegangen ist, freut man sich am Ende, dass sie doch noch ein bisschen ihren Frieden gefunden hat. Denn es ist sehr einfach sie ins Herz zu schließen, da sie nur ein normales Mädchen ist, das sich gerade von seiner Kindheit verabschiedet hat und auf dem besten Wege dazu ist, eine junge Frau zu werden. Sie liebt Musik, ihre Freunde und ganz besonders die gemütlichen Stunden mit ihren Eltern vor dem Fernseher, wenn sie sich gemeinsam irgendwelche Friends-Folgen ansehen.

Katrin Stehle hat es geschafft ein sehr süßes, knallhartes und einfach nur mitreißendes Buch über eine Jugendliche zu schreiben, die erfahren hat, dass sie kein Produkt aus der Liebe ihrer Eltern ist, sondern einer sterilen, lieblosen Samenspende. Dabei schafft die Autorin es, den Leser mitfühlen und mitfiebern zu lassen. Aus diesem Grund kann ich dieses Buch wirklich weiterempfehlen.

Gabriel Verlag
Gebunden
240 Seiten
Preis: 12,95€ [D]
ISBN: 978-3-522-30284-5
Ab 14 Jahren
Erschienen am 21.03.2012

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