Tagebuch einer Lady auf dem Lande von E. M. Delafield

Tagebuch einer Lady auf dem Lande von E M DelafieldZeitverschwendung?

Typisch für Jane Austens Romane ist die Beschreibung des beschaulichen Lebens der Engländer auf dem Lande.
Bei ihr ist es immer romantisch und tragisch zugleich, aber immer edel.
Aber nicht nur in der Viktorianischen Zeit wurde über dieses Thema geschrieben.
„Tagebuch einer Lady auf dem Lande“ ist eine Wiederentdeckung des Manhattan Verlags.
E. M. Delafield (Pseudonym der englischen-französischen Schriftstellerin Edmée Elizabeth Monica de la Pasture) hat dieses Buch 1930 veröffentlicht und wurde so eine der beliebtesten Schriftstellerinnen Englands. 1935 erschien es in Deutschland unter dem Titel „Ich und meine lieben Mitmenschen. Tagebuch einer Provinzdame“.

Ein Tagebuch dient mehreren Zwecken: Es kann eine objektive oder subjektive Beschreibung normaler Tagesabläufe sein. Es kann Erinnerungen an besonders schöne oder schlechte Tage beinhalten. Aber, wie im Falle der oben genannten provinziellen Dame, kann es sogar der einzige vorhandene Gesprächspartner sein. Es ist geduldig und kann Geheimnisse bewahren.

Vor einiger Zeit habe ich „Stich im Wespennest“ von D. E. Stevenson gelesen, auch eine Wiederentdeckung des Manhattan Verlags, und ich war begeistert von dieser Atmosphäre in der englischen Provinz der 30er Jahre.
Genau wie bei „Stich im Wespennest“ waren der Buchdeckel mit der schönen Zeichnung und den Pastelfarben mit einem Hauch von Jugendstil das Erste, was mir auffiel.

Im Gegensatz zu der scharfsinnigen und dreisten Heldin von D. E. Stevenson ist die Tagebuchschreibende viel zu brav. Ihre waghalsigsten Aktionen beschränken sich darauf, einer verhassten adeligen Nervensäge schweigend die Pest an den Hals zu wünschen, und sonst erfüllt sie zahm alle Anforderungen, die ihr Familie und alle möglichen Zeitgenossen stellen. Sogar dann, wenn Überschuldung und Erschöpfung droht, sogar dann, wenn ihre Gefühle sie verleiten würden, anders zu handeln.

Ich habe bis zum Ende des Buches auf einen Höhepunkt gewartet. Manche Aufführungen des gesellschaftlichen Lebens haben mich ermüdet, aber viele kleinere und größere Katastrophen haben auch für Abwechslung gesorgt. Interessant war jedenfalls zu erfahren, dass sich im Leben artiger Hausfrauen nach 80 Jahren sehr wenig geändert hat.

Der langweilige und gelangweilte Ehemann stellt seiner braven Frau einmal die Frage, ob es nicht Zeitverschwendung wäre, immer Tagebuch zu schreiben. Sie überlegt und kommt zu dem Ergebnis, dass er vielleicht recht haben könnte, damit auseinander setzen möchte sie sich aber nicht: „Die Antwort überlasse ich der Nachwelt“.
Und wem soll ich die Antwort überlassen, ob es für mich Zeitverschwendung gewesen ist, ihr Tagebuch gelesen zu haben?

Manhattan
Gebundene Ausgabe
208 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. November 2012
Preis: EUR 16,99
ISBN: 978-3442546916

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