Zur Sache, Schätzle von Elisabeth Kabatek

91KDVzERpxLDas Katastrophengen

Pipeline Praetorius ist einer der zwei Menschen weltweit, die das Katastrophengen besitzen. Da Pipeline in Stuttgart lebt, wäre der Idealfall, wenn der andere vom Katastrophengen befallene Mensch ein Antipode wäre, das heißt, irgendwo im Südpazifik leben würde. Aber das wäre zu schön, um wahr zu sein. Stattdessen sitzt dieser Mensch Pipeline gegenüber täglich im selben Büro.
Aber zwei Katastrophengene im selben Raum ist nur eins der vielen Probleme, die Pipeline zurzeit beschäftigen…

Für mich war die Erscheinung von „Zur Sache, Schätzle“ eine echte Überraschung, denn Elisabeth Kabatek hatte eigentlich mit „Spätzleblues“ die Trilogie um Pipeline Praetorius abgeschlossen. Sie hatte in Leon die Liebe ihres Lebens gefunden und die beruflichen Perspektiven waren vielversprechend. Aber offensichtlich konnte das nicht alles gewesen sein. Wer ein Katastrophengen in sich trägt und gleichzeitig frisch verliebt ist, sorgt für viel Abenteuer und Erzählstoff, also war die Geschichte längst noch nicht zu Ende.

Ich habe wieder viel gelacht mit Pipeline. Sie ist so sympathisch und so lustig, aber auch tollpatschig und unbeholfen, grüblerisch und oft sogar verzweifelt, und bestimmt auch zum Verzweifeln, auf jeden Fall ist sie liebenswert. Ich mag Pipeline sehr, vielleicht weil ich grüblerische Wesen mag und mich mit ihnen identifiziere. Glück hat sie mit den Menschen an ihrer Seite, denn sie sind die richtigen – eine gute Mischung aus den besten Leuten, die Stuttgart zu bieten hat: einer emanzipierten Frau, die zur Mutter und Hausfrau wird, deren Mann, einem Schwäbisch sprechenden Zahnarzt, der Prosecco-Sprechstunden anbietet, einem exzentrischen türkischen Künstler, und der unverzichtbaren Dande Dorle.

Meinen großen Spaß hatte ich bei Tarek, dem Künstler, der im vergangenen Band vom Macho zum Schwulen mutierte und der immer wieder für verrückte Momente sorgt. Auch an Pipelines Arbeitsplatz trifft man interessante Figuren. Zum Beispiel Arminia, die hysterische und willkürliche Chefin, die Pipeline und ihre Kollegen tyrannisiert. Dazu kommt der wunderbare Schauplatz – Stuttgart. Stuttgart, eine Stadt, die ich ausschließlich aus Elisabeth Kabateks Büchern kenne. Ja, sie hat aus mir einen echten Stuttgart-Fan gemacht, ohne dass ich jemals da gewesen bin. Und dann ist das Katastrophengen auch noch da, das sich immer wieder aktiviert, wenn man es am wenigsten erwartet. So ein Katastrophengen kann wirklich keiner gebrauchen!

Auch wenn Pipeline und ihr Kollege die einzigen Katastrophengenträger auf der Welt sind, sollte man trotzdem vorsichtig sein und sich selber im Auge behalten. Falls es einem plötzlich einfällt, dass man nicht mal ein einfaches Spiegelei braten kann, ohne jedes Mal die Küche im Brand zu setzen, sollte man sich am besten untersuchen lassen. Man weiß ja nie…

Droemer
Broschiert
352 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. Juli 2015
Preis: EUR 12,99
ISBN: 978-3426304716

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