Das Fest des Windrads von Isabella Straub

71PZX8gztOLUngewöhnliche Geschichte

Ein Zug, der nie ankommt, ein Ort namens Oed und Menschen, die auf den ersten Blick gewöhnlich sind. Mehr braucht Isabella Straub nicht, um einen Roman zu schreiben, der mich lange beschäftigt hat.

„Das Fest des Windrads“ ist Isabella Straubs zweiter Roman, dessen Handlung mich überrascht hat.

Aber noch mal zum Zug. Definitiv der Teil, der mir am besten gefallen hat. Ein Zug, der niemals sein Ziel erreicht, einer, in dem man sich nicht ganz sicher fühlt, weil das Personal auf einmal verschwindet. Eine absolut kafkaeske Situation. Und die Wienerin Greta mittendrin, die Geschäftsfrau, die eine sehr hohe Meinung von sich selber und ihrer Arbeit hat, aber in Wirklichkeit ein Loser ist, sie weiß es nur noch nicht…

In Oed lebt Jurek sein ödes Leben, und das ist ihm auch klar. Deswegen hofft er auf die große Liebe.

Wer denkt, er weiß, wie es weitergeht, wird eine Überraschung erleben. Eine einfache Liebesgeschichte ist dieses Buch nicht. Es ist eine Geschichte, die aus zwei Perspektiven erzählt wird. Und das ist für mich das Interessanteste an diesem Roman. Mehrere Perspektiven sind aus der psychologischen Sicht immer sehr aufschlussreich. Die Charaktere sind für den Leser mehrdimensional, weil sie aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden können. Greta und Jurek, und deren Einschätzung der eigenen Person, lernen wir im ersten Drittel des Buches kennen. Erst nachdem sie sich begegnen, wird noch deutlicher, wie sie auf ihre Umgebung wirken, und dieser neue Eindruck ihrer Personen weicht von dem erst gewonnenen ab. Das Bild Gretas und Jureks wird vervollständigt, wird aber nicht unbedingt besser, denn ihre Schwächen und negativen Eigenschaften werden noch sichtbarer.
Wie schon erwähnt wurde, bietet auch die Handlung Überraschungen. Dieser Roman ist voll absurder und frustrierender Situationen, und oft weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Isabella Straub spielt nicht nur mit den Gefühlen ihrer Figuren, sondern auch mit denen ihrer Leser. Das aus meiner Sicht enigmatische Ende hat zusätzlich dazu beigetragen, dass ich lange nach dem Lesen an Greta und Jurek denken musste. Dabei war keiner der beiden meine Lieblingsfigur. Das war Alfred. Alfred, ein Hoffnungsträger, der für frischen Wind in einer verzagten Umgebung sorgt.

Aber wer wissen möchte, aus welcher Richtung dieser frische Wind weht, der muss „Das Fest des Windrads“ lesen. Es lohnt sich!

Blumenbar
Gebundene Ausgabe
352 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. März 2015
Preis: 19,00 EUR
ISBN: 978-3351050177

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