Eins von Sarah Crossan

Eins - Sarah Crossan

Sarah Crossans neuer Jugendroman erzählt aus Sicht von Grace ihre eigene Geschichte und die ihres siamesischen Zwillings Tippi. Schnell wird deutlich, dass die beiden Schwestern nicht nur körperlich unzertrennlich sind, sondern auch emotional viel stärker aneinander hängen, als „normale“ Geschwister oder Zwillinge.

Einfühlsam, aber auch mit der nötigen Gelassenheit und einer Prise Humor an den richtigen Stellen, beschreibt die Autorin das Leben der Mädchen und ihrer Familie. Die beiden haben dabei nicht nur mit ihrer körperlichen Situation und vor allem den Reaktionen anderer Menschen auf sie zu kämpfen, sondern auch mit verschiedenen Problemen in der Familie. So ist ihr Vater alkoholabhängig und finanziell steht es ebenfalls nicht gut um sie, da die Behandlungskosten der beiden zu einer immer größeren Belastung werden. Trotz aller Schwierigkeiten erkennt man als Leser aber schnell, dass sie als Familie in den meisten Situationen zusammenhalten und sich lieben, selbst wenn das nicht immer so leicht ist.

Besonders interessant empfand ich den Wechsel von Grace und Tippi vom Privatunterricht zu Hause in eine öffentliche Schule. Sarah Crossan zeigt bei ihren Beschreibungen gekonnt die Sorgen und Ängste aber auch Hoffnungsschimmer auf, die diese Veränderung für die Mädchen mit sich bringt. Sehr gut hat mir dabei gefallen, dass der Wechsel nicht als zu dramatisch beschrieben wird und dass die beiden zwar durchaus einige Probleme mit der neuen Umgebung und ihren Mitschülern haben, diese aber nicht ständig im Fokus stehen. Viel mehr Wert legt die Autorin auf neue Freundschaften und die positiven Aspekte der Veränderungen für die Schwestern.

Nachdenklich stimmt besonders die zweite Hälfte des Buches, aus deren Inhalt ich aber nicht zu viel vorwegnehmen möchte. Hier müssen sich die beiden Schwestern gedanklich immer mehr mit dem Thema einer möglichen Trennung auseinandersetzen, die für sie eine besonders schmerzliche Vorstellung ist. Gerade in die Gefühle von Grace kann man sich hier sehr gut hineinversetzen und mit ihr gedanklich die verschiedenen Möglichkeiten, Chancen und Risiken durchspielen. Speziell im zweiten Teil des Buches passte für mich die Versform dann auch viel besser zum Inhalt und Schreibstil als noch zuvor. Diesen empfand ich die meiste Zeit des Buches über als nicht notwendig und er trug bis dahin für kein besonderes Leseerlebnis bei, außer dass sehr wenig Text auf den einzelnen Buchseiten stand. Später gefiel mir diese Erzählform dann wesentlich besser.

Insgesamt ist „Eins“ von Sarah Crossan ein empfehlenswertes Jugendbuch, das keine alltägliche Thematik behandelt und gerade deshalb sehr interessant zu lesen ist. Zudem schafft es die Autorin, dem Leser ein Gefühl von Normalität zu vermitteln und somit Grace und Tippi vor allem als Mädchen und Schwestern mit einer innigen emptionalen Verbindung zu sehen, statt das Hauptaugenmerk auf ihre körperliche Verbindung zu legen. Dadurch hat das Buch für einen Jugendroman genau die richtige Menge an Tragik und drückt nicht zu sehr auf die Tränendrüse. Zum Schluss ließ mich „Eins“ mit dem Gefühl zurück, ein gutes Jugendbuch gelesen zu haben, dem jedoch der letzte Funke zur Genialität fehlte.

mixtvision Verlag
gebunden mit Folienumschlag
ISBN: 978-3-95854-057-6
Preis: 16,90€
424 Seiten

16,90 Euro

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