Sonne, Mond und Sterne von Mario Alberto Zambrano

Sonne Mond und Sterne von Mario ZambranoLotería

Menschliche Verhaltensweisen und Gefühle sind sehr kompliziert. Sie sind das Produkt vieler Faktoren genetischer, sozialer und familiärer Art. Dazu kommen alle möglichen Erlebnisse im Leben jedes Menschen, die auch eine große Rolle spielen.

Die kleine Luz ist Tochter mexikanischer Einwanderer. Ihre Eltern haben es geschafft, in den USA einigermaßen Fuß zu fassen. Luz und ihre Schwester pendeln zwischen den Traditionen und Sitten zweier Kulturen. Sie sind intelligent, lebhaft und scheinen, eine ganz normale Kindheit zu genießen. Aber nur scheinbar, denn nach und nach erfährt der Leser, dass Luz und ihre Schwester es alles andere als einfach haben.
Luz erzählt uns ihre Geschichte und die ihrer Familie. Sie erzählt offen über alles, was sie erlebt und fühlt, und was sie über ihre Eltern denkt, über Sorgen und glückliche Momente. Als sie mit ihrer Schilderung anfängt, befindet sie sich in einer Ausnahmesituation. Ganz deutlich ist es nicht, was dazu geführt hat, aber schnell wird es klar, dass Luz versucht, Ordnung in ihre Existenz zu bringen. Das gelingt ihr mittels eines mexikanischen Kartenspiels, ähnlich Bingo, Lotería genannt. Das Lieblingsgesellschaftsspiel ihrer Familie. Jede Karte ist mit einer Illustration versehen, und hat eine eigene Bedeutung. Luz verbringt viel Zeit dabei, diese Karten zu betrachten. Jede Abbildung bringt eine Episode ihres Lebens in Erinnerung. Dazu schreibt sie eine Geschichte. Zu jeder Karte eine Geschichte zu einem Erlebnis in ihrer Kindheit. Die Karten geben ihr Halt, lassen sie nicht vergessen, helfen ihr zu verstehen, sich selber und die Situation, in der sie sich befindet. Und so kommen nach und nach die Erinnerungen: eine Karte, eine Figur, eine Szene im eigenen Leben. Eine Art Puzzle, das zwischendurch viele Fragen aufwirft, aber zusammengesetzt eine Antwort ergibt und ein schreckliches Ereignis enthüllt, eine schockierende Wahrheit, mit der der Leser absolut nicht rechnet, und die die ganze Tragödie Luz‘ offenbart.

„Sonne, Mond und Sterne“ (englischer Originaltitel „Lotería“) ist das Debüt des US-amerikanischen kosmopolitischen Tänzers Mario Alberto Zambrano.

Zambranos Originalität liegt daran, dass er Luz‘ Geschichte mittels Lotería-Karten erzählt. Und sie stellen nicht nur Luz‘ Schicksal dar, sie sind gleichzeitig ein Beispiel für ein Volksschicksal, das der mexikanischen Einwanderer in den USA.
Ein bisschen Durchhaltevermögen muss man beim Lesen dieses Buches vorweisen. Der Autor strapaziert ein wenig die Geduld des Lesers, indem er ihn ahnen lässt, dass Luz etwas Furchtbares widerfahren ist, und ihn nur ganz langsam, mit vielen Unterbrechungen und Rückblenden, zur Auflösung führt. Am Ende wird man mit einer überraschenden Erkenntnis belohnt, einer traurigen Überraschung.
Eine Besonderheit dieses Buches sind die Abbildungen. Alle Lotería-Karten werden in ihrer ganzen bunten Pracht präsentiert. Man kann sich Luz sehr gut beim Betrachten der Karten vorstellen, man spürt die Faszination, die diese auf sie ausüben und wie sie ihr helfen, die Episode ihres Lebens in Erinnerung zu bringen.

Wer rätselhafte aber gleichzeitig lebensnahe Geschichten mag, mit einem ungeahnten und teils offenen Ende, und wer bereit ist, Luz‘ Familie ohne Vorurteile zu begegnen, wird mit diesem Buch eine neue Art des Erzählens erleben!

Luchterhand Literaturverlag
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. März 2016
Preis: EUR 22,99
ISBN: 978-3630874418

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