Aberland von Gertraud Klemm

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Zwei Frauen, die nicht unterschiedlicher sein können, aber Mutter und Tochter sind. Das sind Elizabeth und Franziska, die Protagonistinnen des Romans „Aberland“ von der Österreicherin Gertraud Klemm.

Elizabeth genießt ein Hausfrauenleben im Wohlstand, ihre Tochter Franziska hat ihre Karriere als Wissenschaftlerin unterbrochen, um sich um ihr Baby zu kümmern. Ganz wichtig: Franziska will nicht werden wie ihre Mutter – oberflächlich und einfältig. Sie will mehr, sie will auch als wichtiges und unverzichtbares Familienmitglied in dem Mini-Universum wahrgenommen werden, das aus geldverdienendem Vater, schwer schuftender Mutter und Kind besteht. Was Franziska für „oberflächlich und einfältig“ hält, ist gerade dieses Hausfrauenleben, dem sie mit allen Mitteln versucht zu entkommen, und mit dem Elizabeth ihren Frieden gemacht zu haben scheint, aber das Schicksal aller Frauen ist, die mit der Entscheidung, für ihre Kinder da zu sein, automatisch eine Rolle übernehmen, der sie sich nicht entziehen können. Oder zumindest macht es ihnen unsere Gesellschaft sehr schwer, weil das schon immer so vorgesehen war: Der Mann verdient das Geld, die Frau arbeitet gratis für die Familie.

Gertraud Klemm schildert in ihrem Roman die Gedanken dieser beiden Frauen sehr detailliert. Wüsste Franziska, was im Kopf ihrer Mutter wirklich vorgeht, würde sie sie bestimmt mehr schätzen und sie wäre ihr sicher eine gute Verbündete. Aber welche Tochter hat Lust, sich länger mit ihrer Mutter zu unterhalten? Ihr über ihre Probleme und Wünsche zu erzählen? Und welche Mutter würde vor ihrer Tochter zugeben, dass sie die Bequemlichkeit eines sicheren Zuhauses schätzt, aber daran denkt, fremdzugehen, sobald sie die Gelegenheit hat?

Elizabeths und Franziskas Gedanken lesen sich wie eine Art „sich über alles Mögliche auskotzen“. Das hat mir gefallen. Nichts gut finden, alles kritisieren, den Ehemann und sogar die eigenen Kinder – oder die Mutter – im manchen Momenten nur blöd finden. Wenn man schon nichts ändern kann, wenigstens in Gedanken alles richtig niedermachen dürfen. Interessant ist, dass auch sogar in Gedanken die Frauen sich selber belügen. Aber das ist normal, genau so normal wie am Ende wenig zu tun, um manche dieser Gedanken in die Tat umzusetzen.

Und am Ende sind die Männer an (fast) allem schuld, und auch daran, dass alles so bleibt, wie es ist. Wissen sie, wie ihre Frauen denken und was sie wirklich wollen? Sie haben keine Ahnung, und es interessiert sie wahrscheinlich auch nicht.

Was in den Köpfen der Männer dieser Frauen vorgeht, das kann man nur vermuten, denn sie kommen auch nicht zu Wort. Aber wen interessiert das auch.

Droschl
Gebundene Ausgabe
184 Seiten
Erscheinungsdatum: 6. Februar 2015
Preis: EUR 19,00
ISBN: 978-3854209638

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