Die Frauen vom Meer von Deniz Selek

©Aba
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Rosenduft und Meeresrauschen

Deniz Selek hat mit ihren Jugendbüchern mein Herz immer wieder erreicht. In ihren einfühlsamen Geschichten betont sie die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Familie, auch in sehr schwierigen Momenten. Ihre Erzählsituationen, Figuren und Handlungsorte sind bunt und wirken so real, dass man den Eindruck bekommt, alles selber zu erleben. Sie vermittelt dabei ihre Liebe zu Istanbul, der Stadt, mit der sie sich sehr verbunden fühlt. Aus mir hat sie ein Istanbul-Fan gemacht, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin und hauptsächlich durch ihre Geschichten kenne.

„Die Frauen vom Meer“ ist ihr erster Erwachsenen-Roman. Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte eine berührende Familiengeschichte erwartet und habe viel mehr als nur das bekommen. Inspiration für ihren Roman hat Deniz Selek in den Frauen ihrer eigenen Familie gefunden. Es ist ihr „Herzensbuch“ geworden. Darin beschreibt sie die Lebensläufe dieser Frauen, deren Persönlichkeiten, Interessen und Ziele sehr unterschiedlich sind, aber eins gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Meer.

Deniz Selek erzählt die Geschichte von vier Generationen einer Familie aus der Sicht ihrer Frauen. Am Ende dieser Kette ist Ilayda. In ihren Venen fließt das Blut stolzer Tataren, traditionsbewusster Türken und beharrlicher Deutschen. Ein wunderbares Erbe. Ilayda ist ein Mensch zwischen den Welten. Das waren aber die anderen Frauen in ihrer Familie auch. Verschiedene Umstände haben sie dazu gebracht, in der Fremde neu anzufangen. Jede von ihnen ist auf ihre eigene Art mit der Situation umgegangen, sie konnten in der Fremde Wurzeln schlagen, oder nicht…
Aber wo sind letztendlich die Wurzeln eines Menschen? Sogar Kosmopoliten spüren das Bedürfnis zu wissen, wo sie hingehören, wo sie heimisch sind, wo die anderen so sind wie sie selber sind. Und wie findet Ilayda heraus, wo sie hingehört? Was hat ihr die Antwort gegeben? War es vielleicht der Duft des bulgarischen Rosenöls ihrer tatarischen Urgroßmutter, jahrzehntelang in einem alten Koffer aufbewahrt? Oder waren es die Geschichten und Gerichte ihrer türkischen Großmutter? Vielleicht ein unerwartetes, überraschendes und großzügiges Geschenk von ihrer sonst distanzierten deutschen Mutter?

In Deniz Seleks Büchern geht es um Identitätssuche, um Konflikte zwischen Müttern und Töchtern und um die Zugehörigkeit zu zwei Kulturen. Die Frauen vom Meer finden einen gemeinsamen Weg, um trotz Konflikten und Differenzen glücklich zu sein. Deniz Selek bietet nicht nur eine berührende Geschichte, sie lässt sie in spannenden und exotischen Orten spielen, und in denen sie dem Leser das tägliche Leben deren Bewohner mit allen Farben, Klängen und Düften vorführt. Wie immer hat Istanbul eine Starbesetzung in einem Roman von Frau Selek. Im Leben der Frauen vom Meer spielt diese Stadt eine wichtige und entscheidende Rolle. Die Szenen, in denen diese Metropole mit den Augen der Neuankömmlinge betrachtet wird, gehören zu meinen Lieblingspassagen.

Rosenduft, Meeresrauschen, hektisches Stadtleben, der Geschmack von warmem Simit und Salep, das waren wunderbare Begleiterscheinungen einer Geschichte über mehrere Generationen von Frauen einer Familie, die immer die Nähe zum Meer gesucht haben.

Ich werde diese Frauen und ihre Geschichten immer in Erinnerung behalten. Und an sie werde ich jedes Mal denken, wenn ich selber am Meer bin.

Droemer
Broschiert
400 Seiten
Erscheinungsdatum: 2. Mai 2016
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3426304556

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