Milchschaumschläger von Moritz Netenjakob

Das eigene Café: Traum oder Trauma?

Vor ein paar Jahren habe ich Moritz Netenjakob mal wieder im Fernsehen gesehen. Das Interessante an der Sache war, dass er nicht als Buchautor oder Kabarettist vor der Kamera stand. Die Bilder zeigten ihn hinter der Tresse eines Cafés. Seines Cafés. Das Beste von allem war der Name: „Macho Café“. Mitten im beliebten und bunten Köln-Sülz hat er sich einen Traum verwirklicht. Zusammen mit seiner Frau betrieb er ein deutsch-türkisches gastronomisches Lokal, in dem er auch Lesungen hielt, und in dem die Speisekarte von seinen schriftstellerischen und komödiantischen Fähigkeiten zeugte. Da es sich um ein Familienunternehmen handelte, mussten auch die Denizoğlus ran, wie zum Beispiel Tante Emine, die den Umsatz mit Kaffeesatzlesen steigerte.
Wie ich mir gewünscht habe, eines Tages im „Macho Café“ sitzen zu dürfen! Die Erfüllung dieses Wunsches wurde mir leider nicht gegönnt. Das Café gibt es mittlerweile nicht mehr.

Zum Glück hat Moritz Netenjakob seine gastronomischen Erfahrungen in einen Roman verwandelt und mir so die Möglichkeit gegeben, doch in seinem Café Gast zu sein.

Netenjakobs Alter Ego Daniel therapiert in „Milchschaumschläger“ stellvertretend den Trauma (nicht Traum) des eigenen Cafés.

Was für eine tolle und feine Lektüre! Netenjakobs Humor ist grandios. Wie bei den vorherigen Bänden habe ich viel mit und über Daniel gelacht. Im Bus, im Zug, während der Pausen bei der Arbeit und auch im Café (das musste ich ja, das Buch lesen, während ich im Café sitze), überall habe ich gelesen und laut gelacht.

©Aba

Daniel und Aylin lieben sich wie am ersten Tag. Daniel glaubt immer noch nicht, dass er so ein Glück verdient. Tante Emine wird nach wie vor konsultiert, bevor wichtige Entscheidungen getroffen werden. Cousin Kenan kümmert sich darum, dass alles läuft. Wie, das sollte man lieber nicht erfahren. Hinzugekommen, um im Café zu helfen, und um meine Lieblingsfigur zu werden, ist Cousine Sibel. „Vallaha! Bertengala! Meine Mutter!“ Jedes Mal, wenn Sibels Kampfruf ertönte, ging es mir gut, auch wenn man niemals erfährt, was sie damit meinte.

In Daniels und Aylas Café wäre ich Stammgast N. 1. Langweilig ist es da niemals! Crew und Gäste gehören zu einer besonderen Sorte von Menschen, und zwar zu keiner normalen, sicher aber zu der herzlichsten.

Dafür, dass „Milchschaumschläger“ zu Café-Bibel avanciert, plädiere ich. Jeder, der die Eröffnung eines Cafés plant, sollte dieses Buch lesen. Daraus kann man eine ganze Menge lernen. Vallaha! Meine Mutter!

KiWi
Broschiert
352 Seiten
Erscheinungsdatum: 9. März 2017
Preis: EUR 14,99
ISBN: 978-3462048810

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