Unterleuten von Juli Zeh

Grausam und rachsüchtig

Während des Lesens von „Unterleuten“ von Juli Zeh habe ich mir oft gedacht: „Hoffentlich lesen meine bösen Nachbarn dieses Buch nicht!“. Sie würde nämlich auf super Ideen kommen, um mich zu quälen. Dieses Buch, dessen Romanfiguren hauptsächlich damit beschäftigt sind, sich miteinander zu bekriegen und das Leben unmöglich zu machen, ist eine wahre Anleitung zur erfolgreichen Tortur von Nachbarn.
Unterleuten ist ein kleines Dorf, in dem sich alle kennen, und in dem neue Bewohner so eine Art Mutprobe durchlaufen müssen (davon merken sie auch nichts), um sich so ihr Recht zu erkämpfen und verdienen, würdige Unterleutner zu sein. Das Sagen hat der Dorf-Häuptling, der alle Geheimnisse kennt und alle Fäden in der Hand hält.

Juli Zeh beleuchtet Unterleuten und dessen Bewohner aus unterschiedlichen Perspektiven. Jeder kommt zu Wort, jeder zeigt sein eigenes Elend und relativiert somit das Elend der anderen. Die Gefühle der Leser schwanken dadurch, die Sympathie, die man anfangs für jemanden empfunden hat, verwandelt sich im nächsten Kapitel in Mitleid oder Abneigung.
Das Ende ist eine große Überraschung, gleichzeitig das einzig denkbare Ende für diese Geschichte: grausam und rachsüchtig. Das war der Tenor des Romans.

„Unterleuten“ zu lesen hat Spaß gemacht. Es ist eine gute Geschichte mit guten Dialogen, brisanten Konflikten und einem unerwarteten Ende. Ab und zu, vor allem im letzten Drittel, ließ die Spannung etwas nach, trotzdem hat sich die Lektüre gelohnt.

Wer Lust auf Landleben hat, bei dem man Harmonie und Bukolik in der Lust spürt, sollte lieber nicht Unterleuten besuchen, noch weniger sollte er es als Wohnsitz auswählen.
Darüber zu lesen ist aber viel besser!

Luchterhand
Gebundene Ausgabe
640 Seiten
Erscheinungsdatum: 8. März 2016
Preis: EUR 24,99
ISBN: 978-3630874876

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