Kachelbads Erbe von Hendrik Otremba

Die kalten Mieter

Ich habe mir immer gewünscht, für immer zu leben. Leider hat es bisher keiner geschafft, eine Methode zu entwickeln, die die ewige Jugend garantiert. Bis die Wissenschaft soweit ist, gibt es die Möglichkeit, den eigenen Körper in so eine Art „Standby“-Zustand zu setzen. Ähnlich wie der Winterschlaf mancher Tierarten. Der ganz schön Science-Fiction-mäßige Name für diese Methode ist Kryonik, und wird in der Tat von nicht zu wenigen Menschen in Anspruch genommen.

Wenn ich jemals mit dem Gedanken gespielt habe, mich einfrieren zu lassen, hat sich das für mich spätestens nach der Lektüre von „Kachelbads Erbe“ endgültig erledigt.

Mitte der 80er Jahre: Hendrik Otremba erzählt eine Geschichte, wie ich noch nie gelesen hatte. Es ist die Geschichte von sechs sehr außergewöhnlichen Menschen, die irgendwann in ihrem Leben die Entscheidung treffen, sich einfrieren zu lassen.

Als Erstes musste ich mich an die Bezeichnung für die Eingefrorenen gewöhnen. Es wurde nicht von Toten gesprochen sondern von „kalten Mietern“. Also man soll nicht davon ausgehen, dass die Anbieter oder Betreiber von der Kryonik sich als Totenwächter oder ihre Einrichtungen als Friedhöfe betrachten oder definieren.

Das Thema dieses Buches hat mir viel abverlangt. Nicht nur die Kryonik, – auch die Schicksale der für diese Geschichte auserwählten kalten Mieter – hat mich tagelang beschäftigt, die Endzeit-Atmosphäre hat mich bedrückt und die nebenbei gewonnenen Erkenntnisse über Kryonik mich erschüttert.

„Kachelbads Erbe“ ist ein ergreifender Roman, bei dem erstaunlicherweise gerade das, was als das Unglaublichste empfunden wird, eine real existierende Institution ist. Von dem Rest muss man sich aber auch überraschen lassen.

HOFFMANN UND CAMPE
Gebundene Ausgabe
432 Seiten
Erscheinungsdatum: 5. August 2019
Preis: EUR 24,00
ISBN-13: 978-3455006186

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