Rochade von Reinhard Tötschinger

Spannend und unterhaltend auf höchstem Niveau

„Rochade“ von Reinhard Tötschinger zu lesen, war eine meiner besten Entscheidungen der letzten Monate.

Die Geschichte um ein Gemälde von Vermeer (vielleicht das teuerste Gemälde aller Zeiten) hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Die „Malkunst“ soll nicht nur so wertvoll sein, es gilt als Vermeers schönstes Bild. Aber noch interessanter ist dessen Vergangenheit. Ursprünglich einem anderen Maler zugeschrieben, mehrmals kopiert und gefälscht, als Hitlers Lieblingsbild sollte es einen besonderen Platz im „Führermuseum“ bekommen, bevor es sein endgültiges Zuhause im Kunsthistorischen Museum in Wien gefunden hat.

Ja, ein endgültiges Zuhause wünscht sich jeder, sogar ein Bild wie die „Malkunst“, das weiß natürlich Clemens, der Restaurator, der den Auftrag bekommen hat, den ursprünglichen Zustand der „Malkunst“ nach einem Attentat wiederherzustellen. Deswegen bemüht er sich, dem Bild diesen Wunsch zu erfüllen, denn ein ehrgeiziger und rücksichtsloser Kanzler würde die „Malkunst“ sehr gern in seinem Kanzlerbüro aufhängen. Eine verrückte Vorstellung, eine undemokratische Handlung und auf jeden Fall nicht im Sinne des Bildes.

Clemens ist sich der Verantwortung bewusst, dieses Gemälde zu retten. Er muss etwas tun. Aber was?
Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich „Rochade“ unterhalten und das auf hohem Niveau.
Spannend, humorvoll, selbstironisch, konsequente Charaktere. Ich bin Fan von Clemens und von seinem Assistenten Hubert, der trotz bürgerlichen Namens ein echt cooler Typ ist, geworden.

Tötschinger stellt die Arbeit eines Restaurators als anspruchsvolle und gar nicht monotone Tätigkeit dar. Es kann aber natürlich daran liegen, dass Clemens selber eine besonders eigentümliche Persönlichkeit hat – vielleicht nicht so toll für seine Kollegen, für den Leser sind allein seine Charaktereigenschaften Grund genug, um weiterzulesen.

„Rochade“ ist der perfekte Roman für mich: viel Kunst zum Genießen, viel Verwechslungskomödie, und viel Gerechtigkeit.

Die „Malkunst“ hängt in Wien, wohlbehalten. Ich habe mich erkundigt. Ich, Vermeers Fan, werde es eines Tages besuchen und mich freuen, dass ich von so viel Insider-Wissen verfüge. Und vielleicht spricht das Bild zu mir. Wer weiß.

Picus Verlag
Gebundene Ausgabe
288 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. August 2021
Preis: 22,00 EUR
ISBN: 978-3711721099

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